Das Böse - revisited (2)

Mai 17, 2008 by Philipp Henn

Wie ich vermutete, wurde in der gestrigen Galileo Mystery-Ausgabe “Das Böse - steckt der Teufel in jedem von uns?” das berühmte Experiment von Stanley Milgram aus den 60ern dargestellt. Dabei wurde mit keinem Wort erwähnt, dass dieses Experiment von Milgram stammt. Es wurde vielmehr durch Formulierungen wie “unser Experiment” suggeriert, die Galileo-”Experten” hätten sich den ganzen Versuch selber ausgedacht. Dabei entsprach die Umsetzung wirklich 1:1 dem Original: angefangen von der Probandensuche via Zeitungsanzeige, der Versuchsanordnung, dem Aussehen der Geräte, den Kommentaren des Versuchsleiters usw. Dabei zeigte man die Durchführung des Experiments mit zwei Probanden (welch repräsentative Stichprobe): “Markus” und “Elisabeth”. “Markus” offenbarte das Böse in sich, indem er der angeblichen Testperson - wie im Milgramversuch ein Schauspieler - bei falschen Antworten auf die Testfragen Stromstöße steigender Stärke verpasste, ohne sich von den Schmerzschreien abhalten zu lassen. Dabei zeigte “Markus” eine Kaltblütigkeit, wie sie Milgram bei keinem seiner Kandidanten feststellte. Er fragte kein mal, ob er weitermachen sollte, lachte nicht, zuckte bei den Schreien nicht zusammen. Das lässt natürlich vermuten, dass es sich auch bei “Markus” um einen Schauspieler handelte. Entsprechend war Probandin “Elisabeth” am Ende der Sendung das Positivbeispiel und brach den Versuch nach einiger Zeit ab, was den wunderbaren Schluss “Das Böse steckt in jedem von uns - aber eben auch das Gute.” zuließ. Die Annahme, dass es sich bei den Versuchspersonen um Schauspieler handelte, ist auch deswegen plausibel, weil eine tatsächliche Durchführung des Experiments heutzutage kaum noch ethisch vertretbar wäre. Wenn es sich bei dem Versuchsleiter wirklich um einen Psychologen gehandelt haben sollte, würde es mich sehr wundern, wenn dieser die Durchführung begleitet hätte.

Es bleiben also zwei mögliche Deutungen: entweder Pro7 lügt die Zuschauer an, indem man suggeriert, ein Experiment durchzuführen, es aber in Wahrheit nur nachspielt (von der Nichterwähnung Milgrams mal ganz abgesehen). Oder Pro7 führt ethisch nicht vertretbare Experimente für eine Unterhaltungssendung durch. Und das bei immerhin 1,03 Millionen Zuschauern und einem 13%-Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe (14-49jährige Zuschauer).

Das Böse - revisited

Mai 15, 2008 by Philipp Henn

Galileo Mystery ist ja bekannt für absurde Themen und Enthüllungen, die so albern präsentiert werden, dass die Switch-Satire auf die Sendung sich kaum vom Original unterscheidet. Morgen enthüllt Möchtegern-Mulder Aiman Abdallah scheinbar wieder unglaubliches:

Das Böse – steckt der Teufel in jedem von uns?

Warum begehen scheinbar friedliebende Menschen plötzlich ein Verbrechen? Wie ist es möglich, dass ganz normale Familienväter andere Menschen foltern und Spaß an deren Leiden empfinden? Galileo Mystery begibt sich auf die Suche nach der Ursache des Bösen.

Aiman Abdallah spricht dazu mit einem Mann, der die Erforschung des Bösen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat: der Psychologe Prof. Philip Zimbardo von der Stanford-Universität in Kalifornien. Sein Experiment zum Bösen aus dem Jahre 1971 schrieb Wissenschaftsgeschichte und wurde mehrmals verfilmt: Im Stanford-Prison-Experiment stellte Zimbardo die Situation in einem Gefängnis mit Studenten nach. Aber innerhalb weniger Tage geriet die Situation vollkommen außer Kontrolle.

Die Studenten, die die Gefängniswärter spielen sollen, verwandelten sich in brutale Sadisten. Zimbardo musste das Experiment abbrechen. Seitdem ist er sich sicher: Es braucht nur die geeignete Situation und das Böse bricht aus. Diese These wird Galileo Mystery in einem eigenen Experiment überprüfen. Testpersonen sollen andere Menschen bestrafen – mit Stromstößen. Stromstöße, die tödlich sein können.

Das Ergebnis des Experiments ist erschreckend: Es zeigt: Das Böse – es steckt in fast jedem von uns.

Den Trailer zur Sendung sah ich eben im Fernsehen. Und das “eigene Experiment” von Pro7 kam mir schon in diesen wenigen Einstellungen bekannt vor. Vor allem, da ich einen Film über dieses Experiment heute in einer Vorlesung sah. Einen Film aus den 70er Jahren. Das Pro7-Experiment wurde nämlich erstmals 1962 in den USA von dem Psychologen Stanley Milgram durchgeführt, und ist deshalb auch als Milgram-Experiment bekannt. Die Ergebnisse von Milgrams Versuch sind bekannt und sicher erschreckend. Sie sagen aber nicht, dass “das Böse in fast jedem von uns steckt”. Sie belegen nur, dass Menschen den Anweisungen einer Autoritätsperson folgen, auch wenn das gegen ihre persönliche Einstellung verstößt. Milgram testete noch einige Änderungen in der Versuchsanwendung, später wurde das Experiment jedoch nicht mehr durchgeführt. Es wurde im Zuge einer langwierigen Ethikdebatte in der Wissenschaft ausführlich diskutiert (wie auch Zimbardos Gefängnis-Experiment). Mittlerweile verfügen die meisten Wissenschaftsvereinigungen über Kataloge mit forschungsethischen Regeln, die solche Experimente zwar nicht explizit verbieten, ihnen aber sehr kritisch gegenüberstehen (siehe den Ethik Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, DGS).

Ich vermute wegen der Bilder zur Sendung, dass Pro7 das Experiment nicht wirklich neu durchgeführt, sondern einfach nachgespielt hat. Warum Milgram nicht als Urheber genannt wird, weiß ich nicht. Vielleicht bekam man keine entsprechende Genehmigung zur Nutzung von Material und Namen (Milgram selber starb 1984). Philip Zimbardo stand aber offensichtlich zur Verfügung. Ich verstehe nur nicht, warum er auch noch in der Sendung auftritt. Ich wäre mir dafür an seiner Stelle ja zu schade.

Vielleicht werde ich mir die Sendung morgen mal angucken. Und vielleicht tue ich Pro7 ja auch unrecht, und sie erwähnen Milgram in der Sendung. Ich vermute aber eher, dass sie es nicht tun werden.

3 kurze Beiträge

Mai 14, 2008 by Philipp Henn

1. Wie DWDL.de und das Fernsehlexikon melden, werden zwei meiner Lieblingsfernsehserien, Shark und Boston Legal, auslaufen. Beide Anwaltsserien sind in Deutschland bei Vox zu sehen (wobei Boston Legal momentan pausiert), und von beiden Serien gibt es zum Glück noch ungesendete Folgen, so dass man sie doch noch eine Weile in Deutschland anschauen können wird. Shark wurde in den USA gerade eingestellt, 21 Folgen wurden in Deutschland noch nicht gesendet. Die letzte Boston Legal-Staffel läuft in den USA im Herbst an, ist allerdings nur 13 statt 24 Folgen lang. Für Deutschland bleiben damit 33 ungesendete Folgen übrig. Ich werde dich vermissen, Denny Crane.

2. Ein Hoch auf deutsche Musiker: Tokio Hotel erleben momentan erstaunliches Feedback in den USA, wie wohl (vielleicht mit Ausnahme von Rammstein) keine andere deutsche Band in den letzten Jahren. Die Amis haben schon irgendwie einen merkwürdigen Geschmack, was deutsche Musik angeht. Viel lustiger finde ich es jedoch, dass Scooter mit ihrem neuen Album Jumping all over the world in England die neue Nummer 1 der Albumcharts sind, und damit Madonna und ihr Album Hard Candy nach nur einer Woche vom Spitzenplatz verdrängt haben. Und in Deutschland wird Madonnas Single 4 Minutes diese Woche von Bohlens Liebling Mark Medlock und seinem neuen “Hit” Summer Love vom Thron gestoßen. Zumindest steht das so bei BILD.de, alle anderen Onlineangebote veröffentlichen die neuen Singlecharts erst Ende der Woche (auch die Grafik bei BILD.de ist noch auf dem Stand der letzten Woche). Jetzt stellt sich natürlich die Frage: sind Medlock und Scooter etwa “besser” als Madonna? Oder sind endlich mehr Leute von einer 50-jährigen genervt, die sich aufführt, als wäre sie noch 16, und deren Videos zumindest bei mir mittlerweile eher Mitleid und Ekel verursachen? Ich hoffe, es ist letzteres.

3. Gute Idee: ein Sport Dies an der Uni, mit einem Fussballturnier des Instituts, bei dem man sich auch einfach mit Bier in die Sonne setzen und bespaßen lassen kann. Schlechte Idee: auf Sonnencreme verzichten und dabei den ganzen Tag eine Sonnenbrille tragen. Ich befürchte, ich werde morgen ziemlich albern aussehen.

Roger Waters in Landgraaf (NL)

Mai 12, 2008 by Philipp Henn

Zum zweiten Mal war ich gestern bei einem Konzert des ehemaligen Pink Floyd-Mastermind Roger Waters. Roger Waters performing The Dark Side of the Moon war angekündigt. Bei schönstem Wetter fand das Konzert Open Air auf dem Megaland-Gelände im niederländischen Landgraaf (unweit der deutschen Grenze) statt, wo auch jährlich das Pinkpop-Festival gastiert. Schon die riesige Bühne und vor allem die im und um den ganzen Zuschauerbereich aufgestellten Lautsprechertürme versprachen ein tolles Erlebnis. Pünktlich im 20.00 Uhr lief dann der Introfilm auf der großen Hauptleinwand an (an den Seiten der Bühnen befanden sich noch zwei Leinwände, also auch für mich als 1,70m Mensch eine Chance, genug zu sehen). Los ging es dann erwartungsgemäß mit In the flesh. Waters (gealtert, aber immer noch fit) hatte eine 9-köpfige Band inklusive drei Sängerinnen dabei, da war einiges an Soundpower zu erwarten. Und der erste Eindruck bestätigte das: bombastisch. Der Sound war glasklar und ernsthaft “Surround Sound”. Die Geräuscheffekte kamen von allen Seiten, wanderten um das Publikum. Explosionen, Züge, Schafe … ich frage mich ja, wie sich die ganzen zugedröhnten Leute im Publikum gefühlt haben müssen, wenn solche Geräusche auf einmal von hinten auf sie zukamen. Aber weiter im Text. Es folgten Mother und ein mitreißendes Set the controls for the heart of the sun. Shine on you crazy diamond (stark gekürzte Version, dafür Unmengen von Seifenblasen auf der Bühne), Have a cigar und das obligatorische Wish you were here bildeten dann den Block für das Wish you were here-Album. Bisher alles super, die Songs souverän gespielt, das Publikum hatte Spaß und die Sonne verschwand langsam, was den Lichteffekten mehr Wirkungsraum bot. Nun wurde es Zeit für ein bißchen Politik: Southhampton Dock und The Fletcher Memorial Home vom letzten Pink Floyd-Album mit Waters (The Final Cut) sind klare Anti-Kriegs-Songs, die jetzt per entsprechender Videoinstallationen gegen den amerikanischen “war on terror” vorgetragen wurden. Thematisch passend folgte dann mit Perfect Sense, dem ersten wirklichen Waters-Solo-Song des Abends, eine weitere Kriegsabrechnung, begleitet von einem lustigen Animationsfilm (Kampf Ölplattform vs. U-Boot, mit spektakulären Pyroeffekten auf der Bühne) und mit einer großartigen Gesangseinlage von einer der Backgroundsängerinnen. Genialer Song, ganz großes Highlight. Abgeschlossen wurde dieser thematische Block dann durch Waters aktuellsten Solo-Song Leaving Beirut. Autobiografisch erzählt er davon, wie er in jungen Jahren bei einer Reise durch den Nahen Osten eine Autopanne hatte und bei Beirut im Libanon für eine Nacht bei einer libanesischen Familie unterkam. Die Gastfreundschaft der Menschen trotz ihrer Armut berührte Waters so sehr, dass er heute die Frage stellt: wie können wir gegen solche Leute ernsthaft Krieg führen? Fantastisch war die visuelle Begleitung des Liedes: schwarz-weiß Comicstrips mit zusätzlichen Texten erzählten die Geschichte, zum Gesang wurden über den Köpfen Waters und denen der Sängerinnen Sprechblasen eingeblendet. Tolle Idee. Es folgte Sheep vom Pink Floyd-Album Animals. Und natürlich durfte dazu ein riesiges aufblasbares Schwein nicht fehlen. Das rosafarbene 5 Meter lange Monsterschwein war von Waters mit politischen Botschaften besprüht worden, am Bauch prangte ein fetter “Obama”-Schriftzug. Am Ende des Songs durfte das Schwein dann feierlich in die Abenddämmerung entschweben. Waters kündigte eine kurze Pause vor The Dark Side of the Moon an, erst sollte es richtig dunkel werden. In der knapp 15-minütigen Pause hatte man dann genug Zeit sich zu überlegen, was wohl mit dem langsam entschwindenen Schwein passieren würde. Der lustigste Gedanke war der bezüglich des armen, flugkranken Passagiers, der im Anflug auf den Aachen-Maastricht Airport ein 5 Meter-Schwein am Fenster vorbeifliegen sieht. Aber auch die Vorstellung, das Ding morgens beim Aufstehen im Garten liegen zu sehen hat was für sich.

Nach der Unterbrechung, endlich war es richtig dunkel, wurde dann das komplette Dark Side of the Moon gespielt. Ich bin jetzt kein Riesenfan dieses speziellen Pink Floyd-Albums (bedeutet: klasse, aber nicht ihr bestes), aber am Stück und mit zahlreichen visuellen und Audioeffekten versehen war das schon klasse. Am Ende drehte sich dann vor der Bühne ein riesiges Neonröhren-Prisma, das bunte Lichter über die Landschaft warf. Die Kiffer neben mir hatten sicher einen wunderbaren Abend. Nach dem abschließenden Eclipse verließ die Band unter tosendem Beifall die Bühne, kam aber rasch für die Zugabe zurück. Wenig überraschend gab es, eingeleitet durch The happiest days of our lives, den The Wall-Hit Another brick in the wall, Pt. 2. Und ja, auch 50-jährige holländische Banker brauchten immer noch keinerlei “education” und schrien imaginäre Lehrer an, die Kinder doch endlich in Ruhe zu lassen. Schon lustig. Erfreulicherweise gab’s dann mit Vera und Bring the boys back home zwei weniger populäre The Wall-Stücke, die aber konsequent die politische Botschaft des Abends beschlossen. Zum Abschluss folgte dann noch das wunderbare Comfortably Numb mit tollem dreistimmigem Gitarrenfinale. Ein würdiges Ende für ein großartiges Konzert mit immerhin knapp 2 1/2 Stunden Spieldauer.

Klar, wenn so ein gigantisches Repertoire an fantastischen Songs zur Auswahl steht, gibt es an der Setlist immer was zu mäkeln. Ich persönlich hätte beispielsweise gerne auf das unausweichliche Another brick in the wall verzichtet und dafür noch eins von Waters Solo-Werken gehört, z.B. die genialen Every stranger’s eyes oder It’s a miracle. Aber vermutlich hätte es ohne Another brick in the wall Tote gegeben. Das ist jetzt natürlich Jammern auf ganz hohem Niveau, aber ohne ein bißchen Kritik kann so eine Rezension ja nicht stehen bleiben. Gut genug um ein bißchen Kritik wegstecken zu können war’s allemale.

Setlist:

  • In the flesh
  • Mother
  • Set the controls for the heart of the sun
  • Shine on you crazy diamond
  • Have a cigar
  • Wish you were here
  • Southhampton Dock
  • The Fletcher Memorial Home
  • Perfect Sense
  • Leaving Beirut
  • Sheep

(Pause)

  • Speak to me
  • Breathe (in the air)
  • On the run
  • Time
  • The great gig in the sky
  • Money
  • Us and them
  • Any colour you like
  • Brain damage
  • Eclipse

——

  • The happiest days of our lives
  • Another brick in the wall, Pt. 2
  • Vera
  • Bring the boys back home
  • Comfortably numb

Nachtrag: Fotos und Videos in erstaunlich guter Qualität gibt’s über diesen niederländischen Blog.

See you on the dark side of the moon

Mai 8, 2008 by Philipp Henn

Sonntag, 11. Mai 2008, Megaland, Landgraaf, NL

Hurra!

Bericht gibt es dann Montag oder Dienstag.

Top 10 Alben

Mai 6, 2008 by Philipp Henn

Ich wollte schon lange mal eine Liste mit meinen liebsten Alben anfertigen und nun hab ich das endlich mal gemacht. Das ganze Vorhaben stellte sich dabei als gar nicht einfach heraus, da es einfach viel zu viel gute Musik gibt. Ich habe daher ein paar Einschränkungen aufgestellt: 10 Alben sollten es werden und keine Band sollte mehr als einmal vertreten sein. Dies stellte sich als größtes Problem heraus, denn bei einigen meiner Lieblingbands fällt es mir echt schwer, ein Lieblingsalbum zu benennen. Nach langem Überlegen bin ich dann aber zu folgender Liste gekommen (alphabetisch nach Bandname sortiert, eine Rangfolge kann ich da gar nicht festlegen). Einen Link zu Hörproben der Band (nicht unbedingt des Albums), leider nicht immer in bester Qualität, hänge ich jeweils an.

Disillusion - Back to times of splendor [2004, Progressive Metal, Deutschland]

Disillusion gelang mit ihrem ersten regulären Album ein absolutes Meisterwerk, dass mich schon beim ersten Hören völlig umgehauen hat. Unheimlich abwechslungsreicher Prog Metal, der erfrischenderweise auf ausufernde Soli und Instrumentgewichse verzichtet und dafür mit großartigen Melodien, einer gehörigen Portion Härte, “Natürlichkeit” (im Gegensatz zum eher von industrieller Großstadtatmosphäre geprägten Nachfolgealbum Gloria) und viel Ohrwurmpotential aufwartet. Alleine der 14minütige Titeltrack rechtfertigt den Eintrag in dieses Liste. Wie hier ein Sonnenaufgang vertont wird, dass verursacht bei mir jedes Mal eine Gänsehaut. (Hörproben bei Myspace.com)

Dream Theater - Scenes from a memory [1999, Progressive Metal, USA]

Anders als bei Disillusion dreht sich bei den Prog Metal-Königen Dream Theater alles um Technik, spielerisches Können und musikalische Masturbation. In allen drei Disziplinen sind die Amis Großmeister. Das Konzeptalbum Scenes from a memory bietet eine gute Story, “catchy” Songs und überragende Instrumentalarbeit. Sänger LaBrie singt wie immer grenzwertig kitschig, aber bei diesem Album fällt das kaum ins Gewicht, zu gut sind die Songs. (Hörproben auf der Bandhomepage)

Genesis - The lamb lies down on Broadway [1974, Progressive Rock, England]

Hier fiel mir die Entscheidung, welches Album der großen Genesis es sein soll, doch recht leicht. Das Konzeptalbum Lamb lies down, dass letzte mit Peter Gabriel am Mikro, war mein erster richtiger Kontakt zu den “Alten Genesis”. Geniale Story, abgefahrene Texte (”You get out if you’ve got the gripe, To see Doktor Dyper, reformed sniper - he’ll whip off your windscreenwiper”), musikalisch fantastisch, wenn auch stilistisch ganz anders als alles, was die Band zuvor gemacht hatte und nachher unter Phil Collins machen würde. Unmöglich zu beschreiben, muss man hören. (Hörproben/Videos bei Youtube.com)

Steve Harley & Cockney Rebel - Face to face (live) [1977, Glam Rock, England]

Ein Livealbum zu nehmen ist vielleicht etwas geschummelt, aber dieses Ding macht einfach Laune. Viel Verrücktes, viel Schönes, ein vertonter Teller Buntes von den Glam/Wasauchimmer Rockern um Steve Harley. Dazu eine exquisite Songauswahl, sowas wie ein kleines Cockney Rebel-Best of. Besonders das unglaubliche Sebastian glänzt in dieser Liveversion. Und der Publikumseinsatz bei Tumbling Down ist unglaublich. (Einige Videoclips auf der Bandhomepage)

Marillion - Misplaced Childhood [1985, (Neo) Progressive Rock, Großbritannien]

Kayleigh, der große Hit der Neoprogger Marillion, heute noch oft im Radio zu hören, ist für mich noch einer der schwächeren Songs dieses Konzeptalbums. Ein wirkliches Highlight ist aber auch schwer zu benennen, zu sehr kommt das Ganze aus einem Fluss. Knallig bunt wie das Cover wirkt die Musik, der schottische Hüne Fish war damals stimmlich eine Wucht (heute leider nicht mehr, hab ihn mal solo gesehen, das war schon irgendwie traurig), einfach toll. (Hörproben bei Myspace.com)

Nocte Obducta - Nektar Teil 2: Seen, Flüsse, Tagebücher [2005, (Avantgarde) Black Metal, Deutschland)

Ich bin ja kein so großer Black Metal-Fan, aber die Bezeichnung wird Nocte Obducta auch keinesfalls gerecht. Gerade Nektar 2 ist viel mehr als "nur" Black Metal. Es ist vor allem atmosphärisch unheimlich dicht, voller genialer Melodien, brachialer Härte, purer Schönheit, Trauer, Melancholie und phänomenaler deutscher Texte, einfach unbeschreiblich. Leider ist Nektar 2 Noctes letztes Album, die Band trennte sich 2006, ein Album liegt aber noch unveröffentlicht in der Schublade. Vielleicht wird das ja irgendwann mal was. (Ein paar Samples auf der Bandhomepage)

Opeth - My arms, your hearse [1998, Progressive Death Metal, Schweden]

Bei Opeth ist es mir deutlich am schwersten gefallen, das Album zu bestimmen. Das komplette Werk der schwedischen Ausnahmeband ist genial, wahrscheinlich könnte Mikael Akerfeldt aber auch einfach Volksmusik singen, hauptsache er macht es so tief und brutal wie hier. Ich habe mich dann für My arms, your hearse entschieden, weil dieses Album irgendwie am kompaktesten, dichtesten und geschlossensten das widerspiegelt, was Opeth ausmacht. Zudem ist dieser brutale, überraschende Einstieg bei When einfach zu genial. (Hörproben bei Myspace.com)

Pink Floyd - Live at Pompeii [1972, Art Rock, England]

Hier wäre es auch sehr schwer geworden, wenn ich nicht hätte schwindeln können. So kann ich einfach einen Musikfilm nehmen. Nicht wirklich live ist Live at Pompeii der göttlichen Pink Floyd, sondern in einem leeren Amphitheater in Pompeii gefilmt. Auch hier ist die Titelliste sowas wie ein kleines Best of der frühen, psychedelischen Pink Floyd. Dementsprechend braucht nach diesen Aufnahmen auch eigentlich keine Band mehr solche Musik zu spielen. Genie und Wahnsinn tropfen aus jedem Ton. Sogar einen Hund lassen die Herren Gilmour, Waters, Mason und Wright zu Gitarre und Mundharmonika singen. Wahnsinn. (Videos bei Youtube.com)

Porcupine Tree - In Absentia [2002, (New) Art Rock, England]

Auch hier war die Entscheidung verdammt schwer. Porcupine Tree, Hauptband von Workaholic Steve Wilson (der auch mal Produzent von Opeth war und in Zukunft ein gemeinsames Projekt mit Opeth-Frontmann Akerfeldt und Dream Theater-Drummer Mike Portnoy plant), produzieren einfach ein Meisterwerk nach dem anderen. Für In Absentia habe ich mich (wie schon bei Genesis) entschieden, weil es mein Erstkontakt mit der Band war. Und mit dem wunderbaren Trains ist auch mein Lieblings-Stachelschweinbaum-Song vertreten. (Hörproben bei Myspace.com)

Riverside - Second Life Syndrome [2005, Progressive Rock/Metal, Polen]

Das zweite Werk der polnischen Band Riverside ist seit seinem Erscheinen vor 3 Jahren beständig in meiner Gunst gewachsen, und spätestens seitdem ich die Band 2007 als Support von Dream Theater das erste Mal live gesehen habe, ist es in der Riege meinen absoluten Lieblingsalben angekommen. Unglaublich tolle Songs, mal verträumt, mal melancholisch, mal hart, mal zart, aber immer absolut ohrwurmverdächtig und zugleich technisch auf höchstem Niveau. Einfach toll. (Hörproben beim Label InsideOut Music)

Sex und Gewalt? Pfui!

April 30, 2008 by Philipp Henn

Bei ProSieben befasste man sich heute um 18.00 Uhr in der Newstime mit dem gerade erschienenen Videospiel Grand Theft Auto IV. Dieses wurde von der Sprecherin der Einfachheit halber “Grand Theft” genannt (diese Abkürzung ist zumindest mir unbekannt, zudem war der volle Titel groß hinter ihr im Bilde) und der Einspieler mit den Worten “Gewalt, Mord, Sex, Prostitution” (erinnerter Wortlaut, aber so in etwa war’s) angekündigt. Im Beitrag wurde dann neben einigen Fakten zum Hype um GTA4 (am meisten vorbestelltes Spiel aller Zeiten) natürlich auch der Gewalt/Sex-Aspekt angesprochen. Nichts für Kinder, klar. Auch ein Jugendschützer durfte seinen Senf abgeben. Finde ich ja sehr nett von ProSieben, dass man darauf hinweist, wie gefährlich die Darstellung von Sex und Gewalt für die Entwicklung von Kindern sein können.

Nun, schauen wir uns mal das weitere Programm von ProSieben am heutigen Tag an. In der 18.40 Uhr Folge der Simpsons ging es darum, dass Supermarktbesitzer Apu seine Frau betrügt. Auf der Homepage des Senders steht: “Es stellt sich heraus, dass auch Apu seine Triebe nicht immer unter Kontrolle hat und ein Verhältnis mit einer hübschen Blondine einging. Seine Frau Manjula ist über seinen Seitensprung zutiefst verletzt und verlangt die Scheidung…” Gerade läuft dann Galileo. Erstes Thema heute: Das Geschäft mit der Lust. Das liest sich dann so: “Der Handel mit Sexartikeln boomt. In Deutschlands größtem Erotikgeschäft managen 300 Angestellte das Business mit der Lust. Insgesamt 12.000 Produkte werden in riesigen Warenlagern verwaltet - eine logistische Herausforderung. In Deutschlands ältester Erotik-Latexmanufaktur wird dagegen alles handgefertigt. In dem Familienunternehmen arbeiten seit 1950 drei Generationen der Familie Kunzmann an exklusiver Fetischwäsche.” Und gleich um 20.15 Uhr kommt die neue Krimiserie Unschuldig. Die heutige Folge wird auf der Homepage so beworben: “Richterin Katharina Beck führt ein geheimes Doppelleben als Domina. Als bei einem SM-Spiel in einem angesagten Berliner Szeneclub der “Sklave” Ben Fechter durch ihre Hand vor den Augen der Gäste ums Leben kommt, wird sie wegen Mordes verurteilt. Sie glaubt jedoch, dass der Tote sie für seinen Selbstmord missbraucht hat, und bittet Dr. Anna Winter und ihr Team um Hilfe, um das zu beweisen.” Die Werbung für Unschuldig, mit doch recht expliziter Bildauswahl, läuft seit letzter Woche ganztägig. Nun ja. Aber Sex und Gewalt sind ja wirklich schlimm für unsere Jugend.

Das Schaf am Ende des Tunnels

April 28, 2008 by Philipp Henn

Es lohnt sich einfach immer wieder, morgens vor der Uni kurz bei Bild.de reinzuschauen. Der Tag startet dann oft einfach … lustiger. Man kann mit einem Lächeln die Wohnung verlassen.

Heute Morgen war wieder so ein Morgen. Da begrüßte einen auf der Bild.de-Startseite diese Illustration:

(Auf das Bild klicken für eine textfreie Version. Den passenden Artikel gibt’s hier.)

Man kann jetzt natürlich sagen: “Es ist pietätslos darüber zu lachen, immerhin wurden 19 Menschen verletzt und zahlreiche Schafe getötet.” Und sicher war das für die Betroffenen eine schreckliche Erfahrung. Aber: schaut euch diese Illustration an. Der geöffnete Mund des ersten Schafes von links. Die Flughaltung des Zweiten von links (erinnert mich irgendwie an das Superschaf aus Worms). Die Blitze über dem ICE. Ich musste einfach laut lachen, und auch jetzt, ein paar Stunden später, find ich das Bild einfach zum Schreien komisch. Tut mir ja leid.

RPWL im Spirit of 66, Verviers (B)

April 21, 2008 by Philipp Henn

Gestern Abend ging es ins belgische Verviers ins schöne Spirit of 66 zum Konzert der bayrischen Prog/Art-Rock Combo RPWL. Anlässlich ihres neuen Albums The RPWL Experience sind die momentan auf Tour, und da darf ein Stopp im Spirit nicht fehlen, schließlich spielte die Band dort eines ihrer ersten Konzerte, seitdem sind sie dort fast schon Dauergast. 1997 hatten RPWL ihre Bandlaufbahn als Pink Floyd-Coverband begonnen, 2000 dann aber ihr erstes, eigenständiges Album veröffentlich. Den Einfluss der großen Vorbilder kann man immer noch erahnen, allerdings schlugen RPWL mit der Zeit meiner Meinung nach eine etwas poppigere Richtung ein. Toll sind ihre Alben (mittlerweile 6 an der Zahl) aber nach wie vor.

Das Konzert begann recht pünktlich und früh um 19.00 Uhr. “Schön”, dachte man da, “dann bin ich ja früh wieder zu Hause.” Weit gefehlt, etwa 2.45 Stunden Spielzeit sollten es am Ende sein. Zuschauer waren genug für eine gute Atmosphäre da, ich würde der Band aber noch mehr wünschen, das Spirit hab ich schon wesentlich voller erlebt. Ob es am Sonntagstermin, dem schönen Wetter oder doch am Bekanntheitsgrad der Band lag weiß ich nicht. Machte aber wie gesagt auch nichts aus.

Die ersten sechs Songs waren alle vom neuen Album. Etwas kompakter als die älteren Sachen, aber ich finds trotzdem gut, und live überzeugten die Songs durchaus. Etwas störend fand ich die Ansagen von Sänger Yogi Lang. Die neuen Songs sind sehr politisch (Krieg, Medien etc.), was ja auch kein Problem ist. Lang erklärte jedoch die Botschaft jedes Songs nochmal extra in recht stockendem Englisch (hätte sich so grenznah wohl auch niemand über Deutsch erregt), das war für mich dann doch ein bißchen viel Politik. Schließlich war ich für die Musik da. Geschlossen wurde der erste Teil des Sets durch die spaßige Kritikabrechung This is not a Prog song, präsentiert als Medley mit einigen umgetexteten Rockklassikern (”P(r)ocking all over the world”). Für mich ein erstes Highlight. Nach dem dynamischen Start the fire folgte dann der nächste Höhepunkt, das fantastische und von mir sehnlichst erwartete The gentle art of swimming. Ein großartiger Longtrack mit genialem instrumentalem Mittelteil. Wäre wohl für mich der absolute Höhepunkt des Konzerts gewesen, wenn, ja wenn da nicht noch die Zugabe gekommen wäre. Zuerst gab’s aber noch 4 Songs des regulären Sets, von denen Roses am frenetischsten gefeiert wurde. Und gefeiert hat das kleine Publikum wirklich, und lauthals mitgesungen (ich kann den großen Jubel bei Roses nie so ganz nachvollziehen, der Song ist zwar schön, aber im Vergleich zu vielen anderen im RPWL-Repertoire, zum Beispiel 3 Lights mit seinen genialen Keyboard- und Gitarrensoli, nicht überragend finde ich).

Mit viel Applaus wurde die Band zur ersten Zugabe wieder auf die Bühne geholt. Mit Sleep gab’s einen tollen, eigenen Song, und dann die erste Überraschung. Lang bedankte sich bei Spirit-Besitzer Francis und dem (überwiegend) belgischen Publikum für die langjährige Unterstützung und kündigte einen Song an, den sie bei ihrem ersten Gig im Spirit gespielt hatten. Die freudige Überraschung war dann Pink Floyds Dogs. Fantastisch umgesetzt, fast in kompletter Länge, vom Publikum fast vollständig mitgesungen (den Text beherrschte das Publikum jedenfalls besser als Lang, der einige Blicke in sein Textbuch werfen musste), einfach super. Danach musste noch was folgen, und schnell war die Band auch wieder auf der Bühne … für eine weitere Überraschung: King Crimsons In the court of the Crimson King, ebenfalls beim ersten Gig gespielt. Absolute Gänsehaut, wie das Publikum hier den Chor gab. Das anschließende Hole in the sky sah da fast etwas blass gegen aus. Sowieso, fast tut es mir für die Band leid, aber zwei so geniale Coverversionen stellten die eigenen Werke doch etwas in den Schatten. Fast 2.40 Stunden waren schon gespielt, trotzdem wurde die Band nochmal auf die Bühne zurückgerufen, obwohl Teile des Publikums das Spirit schon verlassen hatten. Sie spielten dann noch, ungeprobt laut Yogi Lang, den schönen Mitsinger I don’t know, um dann aber endgültig die Bühne zu verlassen.

Insgesamt ein wirklich tolles Konzert. Die beste Einzelleistung erbrachte meiner Meinung nach mal wieder Gitarrist Kalle Wallner, der Mann ist echt klasse. Spielfreude und technisches Können zeigten aber alle 5 Bandmitglieder. Diese Jungs kann man sich immer wieder ansehen, es ist einfach eine Freude.

Setlist:

  • Silenced
  • Breathe in, breathe out
  • Masters of war (Bob Dylan Cover)
  • Stranger
  • Choose what you want to look at
  • This is not a Prog song/P(r)ock-Medley
  • Start the fire
  • The gentle art of swimming
  • 3 Lights
  • Trying to kiss the sun
  • Wasted Land
  • Roses

——

  • Sleep
  • Dogs (Pink Floyd Cover)

——

  • In the court of the Crimson King (King Crimson Cover)
  • Hole in the sky

——

  • I don`t know

Geräte hassen mich

April 18, 2008 by Philipp Henn

Heute morgen gab meine externe Festplatte ihren Geist auf. Gerade habe ich dann mal einen Blick auf die Garantiebescheinigung geworfen. 3 Jahre Garantie. Kaufdatum: 09.03.2005. Das machen die mit Absicht, oder? Um es mit den Japanischen Kampfhörspielen zu sagen: “Geräte hassen mich.”