Bonn Symposium 2009 – Tag 2

November 24, 2009 von Philipp Henn

Gestern fand ich die Konferenz ja nicht so berauschend. Wegen eines liegengebliebenen ICE verspätete sich heute mein Zug um fast eine Stunde, so dass ich den ersten Programmpunkt, eine weitere Podiumsdiskussion, fast komplett verpasste. Schade eigentlich, denn Tariq Banuri, Leiter der UN-Abteilung für Nachhaltige Entwicklung, zuvor einer der Hauptautoren des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und somit immerhin ein Stückchen Friedensnobelpreisträger, sowie Prof. Charles Hopkins, UNESCO-Lehrstuhlinhaber in Toronto, hätte ich gerne gehört. Als ich ankam, blieb noch eine halbe Stunde Diskussion zum Thema „Anreize und Hindernisse für einen nachhaltigen Lebenstil“ übrig.

Banuri plädierte gestenreich (zwischenzeitlich musste ein anderes Podiumsmitglied sein Mikro halten, da er beide Arme zum Gestikulieren frei haben wollte) für eine Energiepreiserhöhung in den Industriestaaten bei gleichzeitiger Preissenkung in Entwicklungsstaaten und wies ziemlich eindringlich darauf hin, dass wir im „Westen“ eigentlich keine zusätzlichen Ressourcen mehr brauchen. Rainer Wend von der Deutschen Post, ebenfalls auf dem Podium, gab sehr ehrlich zu, dass sein Unternehmen zwar sehr viel für Nachhaltigkeit tue und deshalb auch einen Preis dafür erhalten habe, dies aber bei Weitem nicht nur aus Altruismus tue, sondern vor allem aus wirtschaftlichem Eigennutzen. Sehr schöner Kommentar von ihm: „Jetzt habe ich Ihnen viel darüber erzählt was die Deutsche Post/DHL so alles für die Umwelt tut … glauben Sie mir nur die Hälfte!“ Auch forderte er Eingriffe der Politik wie Besteuerung von CO2-Ausstoß. Nur dann könnten Unternehmen wie die Post es sich leisten, CO2-Neutral zu transportieren, da sie von Konkurrenz nicht unterboten werden könnten. Interessant das in solchen Belangen nach der Politik gerufen wird und sonst jeder über „zu viel Staat“ jammert. Ruud Schuthof, ein Politikberater, wies auf einen Einwurf aus dem Publikum, dass die Probleme doch alle bekannt seien, sehr zu Recht darauf hin, dass dies nicht wirklich der Fall sein. Er nannte das Beispiel Fleischkonsum, auch für mich ein wichtiger Punkt, der bei der Frage nach CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch in der öffentlichen Diskussion viel zu wenig beachtet wird. Einen richtigen roten Faden in der Diskussion konnte ich nicht mehr ausmachen, aber die Statements gefielen mir schon besser als gestern, da war meiner Ansicht nach mehr konkretes dabei heute.

Weiter ging es mit einem Workshop, der diesmal den Namen auch verdient hatte. Im nahegelegenen UN-Gebäude („Langer Eugen„) ging es um „Youth Volunteering“. Sehr beeindruckend erst einmal das Gebäude. Am Eingang Kontrollen wie am Flughafen, dann mit dem Fahrstuhl in Rekordgeschwindigkeit hoch in die 21. Etage. Großartiger Ausblick über Bonn und den Rhein! Im Workshop, der von jungen UN-Freiwilligen (UNV) organisiert und geleitet wurde, stellten verschiedene Mitarbeiter zunächst Projekte aus der ganzen Welt vor, bevor gemeinsam überlegt wurde, wie die Jugend sich besser Gehör verschafften kann. Das war wesentlich interessanter, interaktiver und konkreter als der gestrige Workshop. Für meinen Unikurs muss ich einen Report über diese spezielle Teilveranstaltung schreiben, eventuell stell ich die auch hier ein.

Etwas sauer aufgestoßen ist mir bei den UNVlern nur der Umgang mit Ressourcen beim Workshop selber. Jeder Teilnehmer bekam eine der allgegenwärtigen Pappmappen mit massenhaft Infomaterial, alles auf gebleichtem Papier. Die ganze Zeit über liefen im Raum zwei Notebooks, obwohl eins auch gereicht hätte. Das wirkte auf mich etwas heuchlerisch, man hätte zumindest Umweltpapier nehmen und auf den Stromverbrauch achten können, wenn man schon die Welt retten will.

Das war dann auch schon die Konferenz. Der zweite Tag entschädigte zumindest ein bißchen für die gestrige Enttäuschung. Falls diese hier repräsentativ war, werden eher politische Konferenz wohl nicht wirklich mein Ding werden, da wird mir doch irgendwie zu viel gekuschelt.

Toll war aber immerhin die Location: schon spannend mal im alten Bundestag zu sein, genauer im Wasserwerk, in dem der Bundestag für eine Weile residierte. Der Bundesadler an der Wand, Regierungsbank und Präsidiumsempore noch in Originalzustand, die kleine Glaszelle für Simultanübersetzer, die Schließfächer der damaligen Abgeordneten im winzigen Foyer … tolle Sache. Und echt mickrig im Vergleich zum Berliner Reichstag. Aber hey, das gilt auch für Bonn an sich.

Bonn Symposium 2009 – Tag 1

November 23, 2009 von Philipp Henn

Heute und morgen findet im alten Bundestag in Bonn das Bonn Symposium 2009 statt, eine Konferenz zum Thema „Nachhaltige Entwicklung in Krisenzeiten. Widerspruch oder Chance?“. Mit einem Hauptkurs von der Uni (European Union and Global Environmental Governance) nehme ich daran teil. Wenn es in den ehrwürdigen Hallen W-Lan gibt, werde ich ein wenig Live-Bloggen. Ansonsten gibt es später eine Zusammenfassung.

Eröffnet wird die Konferenz mit einigen Grußworten. Michael Mertes, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in NRW und Vorstandsmitglied der Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF), welche die Konferenz zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) veranstaltet, sagt mit vielen Worten wenig. Ebenso Bonns OB Jürgen Nimptsch. Der erzählt stolz, dass er mit dem Boot zur Arbeit fahre. Soll wohl zeigen, wie wichtig ihm Umweltschutz ist. Ich zweifle aber mal an, dass eine Rheinfähre wesentlich umweltschonender ist als andere öffentliche Verkehrsmittel.

Weiter geht es mit dem neuen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, der hier seine erste öffentliche Rede im Amt hält. Niebel macht klar, dass nachhaltige Entwicklung ein Leitbild für die neue Bundesregierung sei (Ach ja? Wie auch Bildung, Wirtschaftswachstum und allgemein geil sein? Nehmt ihr euch nicht ein bißchen viel vor?). Dazu zähle auch die Abschaffung von Agrarsubventionen, die alle drei Koalitionspartner anstrebten und befürworteten. Was wohl die CSU-Stammwählerschaft dazu sagt? Nachhaltige Technologie seien ein deutscher Exportschlager. Trotzdem will die neue BR AKWs länger laufen lassen? Na ja. Niebels Rede hörte sich zumindest gut an. Aber das muss natürlich gar nichts heißen. Ob sein Ministerium in den kommenden Jahren irgend etwas bewegen wird, muss sich wohl erst zeigen.

Es folgt ein Impulsvortrag von Preety Bhandari, Koordinatorin im Sekretariat der Klimarahmenkonvention der UN (UNFCCC). Sie vertritt ihren „Chef“, UNFCCC-Exekutivsekretär Yvo de Boer, der zu sehr mit den Vorbereitungen des Klimagipfels in Kopenhagen in zwei Wochen beschäftigt ist. Auch Bhandaris Rede ist nicht berauschend. Lediglich ihr Lob in Richtung China und Indien wegen deren Klimaschutzbemühungen überraschen mit etwas. Aber wahrscheinlich bin ich da einfach nicht genug im Thema. Mehrmals betont sie, dass wichtiger als die Festsetzung von Klimazielen deren Implementierung sein müsse. Ein frommer Wunsch. Später wird sie noch sagen, dass sie an einen Erfolg des Kopenhagener Gipfels glaube. Ein ebenso frommer Wunsch.

Weiter geht es mit einer Podiumsdiskussion. Neben Bhandari nehmen Robert Bissio von Social Watch, Cécile Molinier vom Entwicklungsbüro der UN (UNDP) und Cornelia Richter von der GTZ auf dem Podium Platz. Moderiert wird wie schon bis hierher von einer Journalistin namens Conny Czymoch, von Phoenix wenn ich das recht verstanden habe. Schreckliche Frau, versucht andauernd irgendwie lustig und gewitzt zu klingen, wirkt aber nur albern. Stellt Bissio als großen Shakespeare-Kenner vor. Und Shakespeare sei ja heute immer noch beliebt, ein echtes Symbol für Nachhaltigkeit also, hahaha, Riesen-Brüller. Fazit der Podiumsdiskussion ist, dass man Klima-, Wirtschafts- und Nahrungskrise als gemeinsames, komplexes Problem betrachten sollte, welches vom lokalen bis zum globalen Level auf verschiedenen Ebenen angegangen werden müsse. Lediglich Bissio kann mich dabei etwas überzeugen. Er hat mit der Behauptung, die G20 hätten ja nichtmal eine Mailadresse, zumindest einen Lacher auf seiner Seite. Aus dem Plenum wird ein wenig Unmut über den Wir-packen-das-irgendwann-Kuschelkurs auf dem Podium  geäußert, von ehemaligen Entwicklungspolitikern, die sich nun nach ihrer aktiven Karriere in NGOs engagieren und etwas frustriert sind, wie ich später erfahre. Konkreter wird das Podium aber nicht, und so geht es in die Mittagspause (lecker Catering, aber zu wenige Stehtische!).

Weiter geht es mit einem Workshop im Gebäude der Deutschen Welle. Thema: „Nachhaltige Entwicklung in Krisengebieten“. Zur Einstimmung gibt es einen Film über die Arbeit der Deutschen Entwicklungshilfe. Viel Eigenwerbung, wenn auch lobenswerte. Dazu die üblichen schlimmen Beispiele für Übel auf der Welt (Kindersoldaten, Situation von Frauen in Afghanistan…).  Ist natürlich alles schlimm, aber auf einer Fachkonferenz sollte jeder die Situation kennen. Dann Podium mit zwei Vertretern der GTZ und einer Vertreterin der Deutschen Welthungerhilfe. Von einem Workshop habe ich mir irgendwie mehr erwartet, nicht eine Podiumsdiskussion im kleineren Rahmen. Denn genau so läuft es ab, kein Unterschied zum vorigen Programmpunkt. Eine Stunde stellen die Podiumsteilnehmer im Prinzip ihre jeweiligen Programme vor, dann bleibt eine halbe Stunde für ein paar Fragen. Fazit: Armutsbekämpfung und Beschäftigung der Leute schafft Stabilität in fragilen Staaten, man sollte mit lokalen Partnern zusammenarbeiten und Projekte auch über deren Auslaufen hinaus evaluieren und auf allen Ebenen versuchen, lokale Partner in die Verantwortung zu nehmen und ihnen die Projekte irgendwann zu übergeben. Wirklich kontrovers wird aber auch hier nicht diskutiert.

Vielleicht bin ich ja mit der falschen Einstellung an diese Veranstaltung rangegangen. Klar, da nehmen keine wirklichen Entscheider teil, also darf man keine direkten Ergebnisse und Entscheidungen erwarten. Aber wenn schon keine Entscheider da sind, dann besteht doch auch kein Zwang zur Diplomatie, oder? Warum nutzt man die Chance bei solch einer Veranstaltung nicht, um umgeben von Kollegen, Praktikern und Fachleuten mal auf den Tisch zu hauen und Probleme konkret zu benennen. Warum geht man diesen „Wir machen ja was und haben ja auch ein bißchen Erfolg, wenn auch nicht so viel wie wir versprochen haben“-Weg? Könnte man nicht so tun, als wolle man konkrete Politikempfehlungen als Ergebnis haben um da mal Pep reinzubringen? Na ja, mal sehen, wie das morgen weitergeht.

Progressive Nation Tour 2009

Oktober 4, 2009 von Philipp Henn

Gestern Abend machten die Protagonisten der „Progressive Nation Tour 2009″ rund um die amerikanischen Prog-Metaller Dream Theater Halt in der Düsseldorfer Philipshalle. Drei weitere Bands standen auf dem Spieplan, darunter mit Opeth einer meiner absoluten Lieblingsacts. Pflichtprogramm also.

Den Anfang machten Unexpect. Meine Güte, was für ein unglaublicher Müll! Zwei Sänger, die halbwegs passable Death Metal-Vocals auf die Reihe kriegten, dazu eine Sängerin, die sich am Nightwish-Opern-Sopran versuchte, ein Geiger, der alle anderen Instrumente übertönte, Keyboards, Saiteninstrumente und ein dann doch ordentlicher Drummer. Alles zusammen war das absolute Chaos, nicht zu ertragen, und ich ertrage musikalisch eigentlich einiges. Wenn die beiden Sänger/Gitarristen/Bassisten (ich weiß gar nicht, wer da was gespielt hat) und der Drummer alleine auf der Bühne gewesen wären, hätte mir das wohl gefallen können. So habe ich mich nach dem ersten Song wieder ins Foyer begeben. Grausam.

Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, und nach erfreulich kurzen zehn Minuten Umbaupause kam Band Nummer 2, Bigelf, auf die Bühne. Die sahen aus wie eine üble Drone-Band, hörten sich aber an wie eine Deep Purple-, Led Zeppelin- und Black Sabbath-Coverband, die irgendwann angefangen hat, eigene Songs zu schreiben, sich aber immer noch nach den alten Heroen anhört. Insgesamt aber sehr unterhaltsamer, flotter Hardrock.

Auch Bigelf durften 30 Minuten spielen, und wieder ging es erstaunlich schnell, bis Opeth an der Reihe waren. Die begannen klug mit dem ruhigen Windowpane, um nicht direkt noch mehr Dream Theater-Fans aus der Halle zu vertreiben. Sehr viele standen nämlich noch im Foyer oder draußen. Ich befürchtete schon, Opeth würden ein komplett ruhiges Set spielen, um die Death Metal-unaffinen Prog-Metal-Fans nicht zu verärgern. Aber Mikael Akerfeldt kündigte als zweiten Song etwas dämonischeres, „even satanic“, an, und als er das Intro von The Lotus Eater summte, war der Abend für mich gerettet. Leider waren die Schweden viel zu laut eingestellt, vor allem die Drums waren hart an der Schmerzgrenze. Schade, den sowohl bei Bigelf zuvor, als auch bei Dream Theater später, war der Sound beinahe perfekt. Aber egal. Es folgte Reverie/Harlequin Forest, dann erklärte Akerfeldt, dass er wisse, dass viele Fans in der Halle nicht viel von Death Metal hielten. Sie seien schließlich Pussies. Und deshalb würden sie jetzt einen Song spielen, den diese Leute wie die Pest hassen würden. April Ethereal war dafür die richtige Wahl. Als ich Opeth das letzte Mal gesehen habe spielten sie Demon of the Fall, das Mal davor When. Man scheint sich also von Tour zu Tour durch das phänomenale My Arms, Your Hearse-Album zu spielen. Doch immer noch waren die Schweden mit dem Lärmen nicht durch, es folgte noch das großartige Deliverance, bevor der Abschluss nach knapp einer Stunde mit dem gemächlichen Hex Omega für die Dream Theater-Fans beschwichtigend ausfiel. Toller Auftritt.

Die Umbaupause nach Opeth war dann nach den beiden sehr kurzen zuvor fast unverschämt lang. Besonders, da der Umbau selber offensichtlich nach wenigen Minuten fertig war und die Roadies fast 20 Minuten lang scherzend am Bühnenrand standen. Aber die Herren von Dream Theater wollten scheinbar einfach bis Punkt 22.30 Uhr warten, um dann genau eineinhalb Stunden bis 12 Uhr, wie auf der Eintrittskarte angegeben, spielen zu können. Albern. Als dann der Vorhang endlich fiel, blieb erstmal ein paar Minuten nichts anderes übrig, als mal wieder Mike Portnoy an seinem gigantischen Drumkit zu bestaunen. Der Mann ist einfach ein Phänomen, unglaublich mit was für einer Leichtigkeit der seinen Drums die abgefahrensten Rhythmen entlockt. Aber was soll ich insgesamt zu meiner ehemaligen Lieblingsband sagen? DT sind irgendwie ein zweischneidiges Schwert geworden. Die Instrumentalleistung der Herren Portnoy, Myung, Petrucci und Rudess ist nach wie vor unglaublich genial. Wenn eine Band fast während des kompletten Gigs Nahaufnahmen der Hände ihrer Mitglieder, wie sie über Saiten, Tasten und Trommeln jagen, auf drei (!!!) Leinwänden zeigen darf, dann sind das Dream Theater. Natürlich ist das Angeberei, natürlich ist das musikalische Onanie. Aber das können DT nun mal wie keine andere Band. Sonst können die Herren leider immer weniger. Der erste Song war offensichtlich ein neuer, denn ich kannte ihn nicht. Vom neuen Album habe ich nur die erste Singleauskopplung gehört, die mich so sehr langweilte, dass ich das Album nicht mal probegehört habe. Die Nicht-Solo-Passagen sind einfach belanglos. DT schwächelten schon immer, wenn Sänger James LaBrie auf die Bühne kam, aber ich habe das Gefühl, dass das immer schlimmer wird. Früher waren die mit Gesang unterlegten Stellen zumindest noch halbwegs spannend und die Texte ok. Spätestens seit Octavarium, dem letzten ordentlichen DT-Album, sind diese Passagen immer gleich, triefen vor Mitgröhl-Kitsch (was das Publikum leider auch lautstark tat) und die Texte sind einfach nur noch pathetisch. Dazu kommen neuerdings unglaublich peinliche, computeranimierte Leinwandfilme, nicht lustig wie bei Rush, sondern einfach albern. Pinselschwingende Elefanten und patronentragende Ameisen, wer kommt auf solche bescheuerten Ideen? Das DT auch mal anders konnten, zeigten sie dann als zweites mit dem herausragenden The Mirror und später noch mit dem fantastischen Instrumental The Dance of Eternity vom Über-Album Scenes from a Memory, dessen Genialität Dream Theater wohl nie wieder erreichen werden. Ansonsten überzeugte noch In the name of God von Train of Thought, sowie die Solopassagen der neuen Songs, bei denen LaBrie (der aber, das muss man ihm zugute halten, diesmal zumindest fast alle Töne traf) nicht auf der Bühne stand. Einen Totalausfall, nämlich eine unglaublich kitschige Ballade vom neuen Album, gab es auch. Ballade ist eigentlich noch zu nett, seien wir ehrlich, das war ein Schlager. Als Zugabe gab es einen zumindest halbwegs spannenden Song vom neuen Album. Insgesamt wie gesagt ein zweischneidiger Auftritt. Sag doch mal einer bitte den Jungs, dass sie am besten sind, wenn sie Songs rund um endlose Solo-Passagen konstruieren, und nicht, wenn sie fast schon massenkompaktible Mitsingstücke schreiben. Und sie sollen doch bitte aufhören, Muse sein zu wollen. Muse sind toll, ja. Aber, liebe Dream Theater-Jungs: niemand braucht eine zweite Band, die wie Muse klingt. Also lasst die Finger von Intros wie beim unsäglich pathetischen Prophets of War. Muse machen das viel besser als ihr und versuchen außerdem nicht, wie ihr zu klingen. Lasst es einfach!

Kurzes Fazit: Unexpect: großer Müll. Bigelf: unterhaltsam. Opeth: fantastisch, wie immer. Dream Theater: instrumentell hui, songtechnisch pfui.

Deutsche Bahn – Damit man die Hälfte des Konzerts nicht sehen muss

September 27, 2009 von Philipp Henn

Vielen Dank erstmal an die Deutsche Bahn: dank Gleisreparatur zwischen Düsseldorf und Essen  (die es nötig machte, die S-Bahn-Fahrgäste für zwei Stationen mit dem Bus zu transportieren) kam ich gestern abend eine dreiviertel Stunde zu spät im Turock an, und hatte dadurch die erste Band, The Ordher, komplett verpasst und konnte von der zweiten Band, Fleshgod Apocalypse, noch einen Song miterleben. Danke!

Gekommen war ich aber wegen den beiden Hauptacts, den polnischen Death Metal-Veteranen Vader und den schwedischen Marduk, Black Metal-Band der höheren Geschwindigkeitskategorie. Erstere ließen zum Glück auch nicht zu lange auf sich warten und lieferten einen guten Auftritt ab. Gut, nicht überragend. Ich hatte mir von der Band, die mit Litany eins der besten DM-Alben überhaupt rausgehauen hat, etwas mehr erwartet. Dabei spielten sie mit Wings und Final Massacre, dem ersten und dem letzten Song von Litany, auch die richtigen Tracks dieses Albums. Es lag wohl eher am Gesang. Piotr Wiwczarek gehört meiner Meinung nach eigentlich zu den besseren DM-Shoutern, aber da Vader live ein gutes Stück schneller spielten als auf ihren Alben, lag er oft daneben, verschluckte Worte oder war einfach gar nicht zu verstehen. Schade, sonst war der Sound nämlich ok.

Im Gegensatz zu Vader haben mich dann allerdings Marduk sehr positiv überrascht. Eigentlich bin ich weder großer Black Metal-Fan, noch habe ich mich mit dem bisherigen Werk Marduks mehr als oberflächlich befasst. Ich hatte mir schon überlegt, bei Nichtgefallen früh zu gehen, da die Rückfahrt nach Düsseldorf sicher wieder anstrengend würde. Aber meine Güte, die Schweden haben vielleicht reingehauen. Abgesehen von ein bis zwei „Old School“-Midtempo-Songs haben die Jungs nur volles Tempo gebolzt. Sehr beeindruckend, dass war dann doch noch versöhnlich.

Aber es stand ja noch die Rückfahrt, wieder mit Busexkursion, an. Und die dauerte dann, statt 45 Minuten, mal eben zwei Stunden. Macht Spaß sowas, danke nochmal Deutsche Bahn.

Nächsten Samstag wird es dann in der Düsseldorfer Philipshalle wieder progressiver als gestern: Opeth und Dream Theater geben sich die Ehre. Ich freu mich drauf.

Skandalös tendenziös

Juli 27, 2009 von Philipp Henn

Vor zwei Wochen fand die konstituierende Sitzung des neu gewählten Studierendenparlamentes statt. Eine Koalition aus Juso HSG, LHG und Multi-Kulti-HSG stellt nun, unter Duldung von RCDS und Die Partei HSG, den AStA. Neuer AStA-Vorsitzender ist Andreas Jentsch von der Juso HSG.

Bisher habe ich das Ganze nicht kommentiert, da ich als Mitglied des Wahlausschusses neutral bleiben wollte. Das ist aber nun vorbei, die Wahl ist gelaufen, und eine Kleinigkeit möchte ich anmerken.

Nicht die Tatsache, dass die neue Koalition versucht hat, fast jede Aussprache in der Sitzung durch Anträge auf Schluss der Rednerliste ganz am Anfang von Tagesordnungspunkten, Begrenzung der Redezeit auf 1 Minute usw. zu verhindern (was man für undemokratisch halten könnte). Auch nicht die Tatsache, dass die Fachschaftenliste, die die meisten Sitze im SP erhielt, nicht an der AStA-Koalition beteiligt wurde (was meiner Ansicht nach aber vertretbar ist). Und auch nicht den kleinen Nazi-Skandal, den ein Mitglied der Partei HSG verursachte, der Liste, die den neuen SP-Präsidenten stellt (da war ich allerdings schon nicht mehr da). Nein, mir geht es um eine kleine Bemerkung, die dem – da noch aktiven, jetzt ehemaligen – „Chefredakteuer“ (ViSdP) der Campus Delicti an den Kopf geworfen wurde.

Dieser stellte nämlich dem AStA-Vorsitz-Kandidaten einige kritische Fragen, was den zukünftigen Umgang mit dem Pressereferat anging, worauf er von Seiten der neuen Koalition als „Tendenzjournalist“ bezeichnet wurde. Und das ist interessant. Ich möchte gar nicht behaupten, dass der entsprechende Redakteur seine Fragen nicht leicht „parteiisch“ stellte. Immerhin verlor er gerade seinen Job. Die Campus Delicti selber war aber meinem Empfinden nach in der letzten Legislaturperiode alles andere als parteiisch. Nicht nur war der ViSdP listenlos, auch war noch kürzlich ein Interview mit den ehemaligen AStA-Vorsitzenden Rainer Matheisen (LHG) und Philipp Tacer (Juso HSG) in der Zeitung, welche damals noch in der Opposition waren und trotzdem eines ihrer Projekte (die Initiative „Studenten für Düsseldorf“) vorstellen konnten. Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht darum, dass die ehemalige Opposition, jetzt wieder Koalition, sich scheinbar selber nie darum scherte, ob Journalisten tendenziös berichteten, insbesondere, wenn es zu ihren Gunsten geschah. Denn zwischen Juso HSG/LHG und einer Redakteurin der Westdeutschen Zeitung (WZ) scheint eine sehr enge Beziehung zu bestehen. So berichtete die WZ-Redakteurin im vergangenen Jahr mehrfach negativ über den damaligen Fachschaftenliste-AStA und insbesondere über den Vorsitzenden Dennis Heckendorf. Dabei gab sich die gute Dame Mühe, nicht einmal den Anschein zu erwecken, sie betreibe objektiven, unparteiischen Journalismus. Und auch nach der Wahl wurde von ihr noch nachgetreten. Die WZ veröffentlichte nämlich eine Meldung mit dem Wahlergebnis. Anstatt sich aber an die journalistisch gebotene Trennung von Meldung und Meinung zu halten, erwähnte die Redakteurin auch noch die genaue Stimmzahl Heckendorfs. Diese sei extrem niedrig (stimmt), was zeige, wie gering sein Rückhalt in der Studierendenschaft sei. Sie erwähnte dabei nicht, dass ein anderes Mitglied der Fachschaftenliste die meisten Stimmen auf sich vereinte, und das die ehemalige stellvertretende AStA-Vorsitzende Hanna Schade die drittmeisten Stimmen (nach Andreas Jentsch) erhielt. Auch die Informationsquelle der Redakteurin kann eigentlich nur ein Mitglied der neuen AStA-Koalition sein, denn der Wahlausschuss hat das Ergebnis nicht an sie weitergegeben, bei der öffentlichen Auszählung der Stimmen war sie (meines Wissens nach, und ich kenne die Dame vom Sehen und einem kurzen Gespräch bei einer anderen Gelegenheit) nicht anwesend und auf der Homepage des AStA wurden nur die Listenergebnisse veröffentlicht, nicht die Stimmergebnisse der einzelnen Kandidaten (die Meldung scheint mittlerweile aber ganz verschwunden zu sein).

Und als sei Negativpresse über den alten AStA noch nicht genug, bietet die WZ auch der neuen und vorigen Koalition immer mal wieder eine Plattform. Am 10.07. noch gab es eine ganze Doppelseite über studentisches Leben in Düsseldorf. Und auffallend viele der dort präsentierten Studierenden waren Mitglieder von Juso HSG oder LHG. Mit dabei unter anderem: die ehemaligen AStA-Vorsitzenden Matheisen und Tacer, in einem Artikel über ein bei Studenten angeblich beliebtes Restaurant (beide treten übrigens bei den Kommunalwahlen für FDP bzw. SPD an und durften in einem Extra-Kasten noch für ihre Initiative werben); Robin Teller, neues Mitglied der Campus Delicti-Redaktion und Düsseldorfer Juso-Pressesprecher/-Vorstandsmitglied, in einem Artikel über den „Treffpunkt Tiefkühltheke“; Andreas Jentsch, neuer AStA-Vorsitzender, in einem Artikel über das Leben im Wohnheim. Sehr repräsentativ für die Düsseldorfer Studierendenschaft, in der Tat.

Man sieht also: Tendenzjournalismus scheint nur dann schlecht zu sein, wenn er sich tendenziell gegen den Kritiker des Tendenzjournalisten richtet. Ansonsten ist Tendenzjournalismus tendenziell ne tolle Sache.

(Ich weiß, dass das gerade im Lokaljournalismus nunmal so läuft. Nicht schön, aber nun ja … Trotzdem finde ich es verlogen, jemandem Tendenzjournalismus vorzuwerfen, und dabei selber fett davon zu profitieren.)

Nachtrag 28.07.09: Thomas aus dem ehemaligen AStA-Vorstand hat sich der merkwürdig parteiischen „Berichterstattung“ der WZ in seinem Blog noch wesentlich ausführlicher gewidmet. Interessant!

Munteres Behaupten

Juni 4, 2009 von Philipp Henn

Eigentlich finde ich ja Kritik an Religion und Kirchen gut. Die atheistisch/säkulare Buskampagne, die ihren Ursprung in Großbritannien hatte, halte ich auch grundsätzlich für eine gute Idee. Oft genug stören mich christliche Werbebotschaften auf der Straße, ein bißchen kreative Gegenwehr von Nichtgottesgläubigen ist da nötig. In der Uni ist mir aber jetzt folgendes Plakat der Kampagne übel aufgestoßen:

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Der gute Vorsatz in Ehren, aber auch die Menschenrechte sind kein Naturphänomen, keine galaktische Konstante, keine Fakten, nicht „real“ … wie sinnvoll und wichtig sie auch immer sein mögen. Menschenrechte sind – genau wie Religionen und (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) Gott – eine menschliche Erfindung. Und dazu noch eine, um die sich leider viel zu viele Menschen immer noch einen Dreck scheren. Und obwohl es eigentlich wichtig ist, die Bedeutung der Menschenrechte immer und immer wieder zu erwähnen, hat es meiner Ansicht nach einen faden Beigeschmack, sie quasi gegen Gottesglauben ins Feld zu führen, indem man das macht, was Gottesgläubige auch machen, nämlich einfach mal so eine Realitätsbehauptung aufzustellen. Wenn, dann müsste man wohl sagen, die Menschenrechte seien irreal, denn es gibt so viele Verstöße gegen diese Rechte, dass sie wohl leider eher Ausnahme als Regel sind.