Archiv für März 2008
Aachen im März
März 25, 2008Von klugen und weniger klugen Männern
März 17, 2008Der Dalai Lama hat einmal mehr bewiesen, warum er als vielleicht einziger religiöser Führer der Welt höchsten Respekt verdient. Bezüglich der Proteste tibetischer Bürger gegen die chinesische Herrschaft sagte er, China begehe etwas wie “kulturellen Völkermord” an Tibet, die Tibeter würden wie “Bürger zweiter Klasse” behandelt. Gleichzeitig sprach er China aber das Recht zu, die olympischen Spiele abzuhalten. China sei so reich an Kultur und kulturellem Erbe und habe die Spiele deshalb verdient. Und das finde ich großartig. Der Mann wirft China kulturellen Völkermord vor und lobt dann die chinesische Kultur. Und er schafft es, Politik und Sport differenziert zu betrachten. Toll.
Natürlich nicht verstanden (oder verstehen wollen) hat es Franz Josef Wagner. In seiner neuen Post von Wagner beschreibt er in blumigsten Worten die Schönheit Tibets und bejubelt den buddhistischen Glauben … um dann den Boykott der olympischen Spiele zu fordern. Dabei zitiert er auch noch den Dalai Lama, allerdings nur dessen Völkermord-Aussage. Damit stellt er die Botschaft dieses großen Mannes, die er doch so lobt, völlig auf den Kopf.
Wer mit dem Feuer spielt…
März 8, 2008“Wer ist schuld am schlechten Ruf der Moslems?” fragt BILD-Kolumnist Dr. Nicolaus Fest als Reaktion auf eine Islamkonferenz letzte Woche in Berlin. In seinem für BILD-Verhältnisse ausgesprochen langen Artikel regt er sich darüber auf, dass auf der Konferenz wiedereinmal der Islam nicht kritisch genug angegangen wurde. Zu viele Fragen seien nicht gestellt, die falschen Teilnehmer eingeladen, Kritik sei mit Gegenkritik bestraft worden, dass üblich Spiel eben, man kennt es von Henryk M. Broder und seiner Achse des Guten. Die, durchaus komplizierte Thematik, möchte ich selber mal außen vor lassen: man könnte aber doch als uninformierter Leser vermuten, Fests Botschaft laute ganz einfach: der Islam ist schlecht. Der Islam will sich nicht anpassen. Jeder Moslem ist ein potentieller Terrorist. Für den klischeehaften BILD-Leser (so er denn den langen Text überhaupt zuende lesen kann) ist dies die Botschaft.
Doch halt, was ist das am Ende?
“Nachtrag des Autors:
Der obenstehende Bericht über den Versuch eines deutsch-muslimischen Dialogs hat mir Zuschriften einiger Leser verschafft, die mich möglicherweise missverstanden haben. Daher zur Klarstellung:
1) Ich bin der festen Überzeugung, dass in diesem Land jeder glauben darf, was er für richtig hält, solange dies mit den Grundrechten, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den sonstigen Gesetzen im Einklang steht.
2) Meine Kritik an der Veranstaltung ist daher keine grundsätzliche Kritik am Islam, sondern sollte vor allem die Frage aufwerfen, ob die deutschen Behörden tatsächlich mit den richtigen Personen sprechen und welche Aussichten ein Dialog hat, wenn sich die eine Seite verweigert.
3) Ungeachtet dessen bin ich der Überzeugung, dass der schariatische Islam mit unserer Verfassung nicht in Einklang zu bringen und deshalb zu verbieten ist.
4) Ausdrücklich ausnehmen von meiner Kritik an der fehlenden Dialogbereitschaft möchte ich im übrigen die Vertreter der Aleviten, die nicht nur hohe Kultiviertheit, sondern auch eine erfrischend nüchterne Härte gegenüber sich selbst und den Ehrpusseligkeiten anderer muslimischer Funktionäre zeigten.”
Wo kommt denn das auf einmal her? Richtig geraten, “Politically Incorrect“, islamophobes Weblog und im Kommentarbereich Spielplatz zahlreicher Rechtsradikaler, hat voller Freude auf den Artikel von Fest verlinkt. Mit Angabe seiner E-Mail-Adresse. Fest habe, so PI, wohl fleißig bei ihnen mitgelesen und “einen Kommentar hingelegt, den wir in dieser Schärfe zu schreiben gar nicht gewagt hätten”. Die Lektüre des “erstklassigen Beitrags” wird den PI-Lesern wärmstens ans Herz gelegt. Und da wundert einen die plötzliche Distanzierung/Relativierung von Fest selbstverständlich kaum noch. Ein Neonazi-Fanclub könnte dann wohl doch problematisch werden, also lieber schnell distanzieren. Ich wüsste zu gerne, was für Mails der gute Dr. Fest bekommen hat.
Nachtrag 11.03.08: Fest hat einen weiteren Artikel verfasst. Dort bedankt er sich für die zahlreichen Zuschriften der Leser und freut sich, “dass kein einziges Schreiben rassistische oder fremdenfeindliche Tendenzen aufwies”. Im Anschluss echauffiert er sich nochmal über die Islamkonferenz und die daran teilnehmenden muslimischen Interessenverbände, von denen zwei von Verfassungsschützern als islamistisch beschrieben worden sein sollen. Bei PI freut man sich erneut über Fests Artikel, der Autor werde ihnen “langsam unheimlich”. In den Kommentaren berichten einige Leser, sie hätten Fest geschrieben und ihn in seinem Mut bekräftigt. Ein Kommentator stellt fest, der Nachtrag zum ersten Artikel sei “keine Runterrelativierung, sondern eine PRÄZISIERUNG” gewesen. Ein anderer rät PI, Fest nicht zu sehr zu loben, dieser Schuss konnte “angesichts eures Rufs für den Gelobten nach hinten losgehen”. Ach ne.
FCB meets GnTM by HK
März 6, 2008Sexy Wahlnews bei CNN
März 6, 2008Post von Wagner
März 5, 2008Franz Josef Wagner, seines Zeichens Märchenonkel Kolumnist bei der BILD-Zeitung, bekannt und beliebt für spontane 180°-Meinungsänderungen und denkwürdige Überlegungen zum Thema Vergewaltigung, überrascht in seiner neuen Post von Wagner an die “Liebe Lüge” mit einigen wunderbar entlarvenden und grundehrlichen Sätzen:
Es vergeht kein Tag ohne Lüge. Es heißt, wir lügen 200 Mal am Tag. Wir lügen Notlügen, Soziallügen, Alltagslügen, Falschaussagen … Die Lüge ist so alt wie die Erde.
Er schreibt das tatsächlich. In der BILD. Ist das ein Geständnis? Wenn ich sowas lese, flackert in mir der kleine Funke Hoffnung auf, der mich glauben lässt, bei BILD handele es sich gar nicht um eine ernst gemeinte “Zeitung”, sondern um ein seit mehr als 50 Jahren verdeckt herausgegebenes Satiremagazin. Die Vorstellung, dass all diese Geschichten nur erlogen mit satirischer Absicht erlogen sind ist irgendwie tröstlich, wenn auch wohl leider nur ein Traum. Denn Wagner sagt auch dies:
…dann muss ich mir die Frage gefallen lassen, ob ich selbst ein wahrheitsliebender Mensch bin. Als Kolumnist ja, glaube ich.
Und das ist traurig. Die Vorstellung, dass jemand selbst glaubt, dass das, was er da bei BILD fabriziert, mit Wahrheitsliebe zu tun hat, diese Vorstellung ist überhaupt nicht tröstlich. Sie ist sehr, sehr traurig.

