RPWL im Spirit of 66, Verviers (B)

By Philipp Henn

Gestern Abend ging es ins belgische Verviers ins schöne Spirit of 66 zum Konzert der bayrischen Prog/Art-Rock Combo RPWL. Anlässlich ihres neuen Albums The RPWL Experience sind die momentan auf Tour, und da darf ein Stopp im Spirit nicht fehlen, schließlich spielte die Band dort eines ihrer ersten Konzerte, seitdem sind sie dort fast schon Dauergast. 1997 hatten RPWL ihre Bandlaufbahn als Pink Floyd-Coverband begonnen, 2000 dann aber ihr erstes, eigenständiges Album veröffentlich. Den Einfluss der großen Vorbilder kann man immer noch erahnen, allerdings schlugen RPWL mit der Zeit meiner Meinung nach eine etwas poppigere Richtung ein. Toll sind ihre Alben (mittlerweile 6 an der Zahl) aber nach wie vor.

Das Konzert begann recht pünktlich und früh um 19.00 Uhr. „Schön“, dachte man da, „dann bin ich ja früh wieder zu Hause.“ Weit gefehlt, etwa 2.45 Stunden Spielzeit sollten es am Ende sein. Zuschauer waren genug für eine gute Atmosphäre da, ich würde der Band aber noch mehr wünschen, das Spirit hab ich schon wesentlich voller erlebt. Ob es am Sonntagstermin, dem schönen Wetter oder doch am Bekanntheitsgrad der Band lag weiß ich nicht. Machte aber wie gesagt auch nichts aus.

Die ersten sechs Songs waren alle vom neuen Album. Etwas kompakter als die älteren Sachen, aber ich finds trotzdem gut, und live überzeugten die Songs durchaus. Etwas störend fand ich die Ansagen von Sänger Yogi Lang. Die neuen Songs sind sehr politisch (Krieg, Medien etc.), was ja auch kein Problem ist. Lang erklärte jedoch die Botschaft jedes Songs nochmal extra in recht stockendem Englisch (hätte sich so grenznah wohl auch niemand über Deutsch erregt), das war für mich dann doch ein bißchen viel Politik. Schließlich war ich für die Musik da. Geschlossen wurde der erste Teil des Sets durch die spaßige Kritikabrechung This is not a Prog song, präsentiert als Medley mit einigen umgetexteten Rockklassikern („P(r)ocking all over the world“). Für mich ein erstes Highlight. Nach dem dynamischen Start the fire folgte dann der nächste Höhepunkt, das fantastische und von mir sehnlichst erwartete The gentle art of swimming. Ein großartiger Longtrack mit genialem instrumentalem Mittelteil. Wäre wohl für mich der absolute Höhepunkt des Konzerts gewesen, wenn, ja wenn da nicht noch die Zugabe gekommen wäre. Zuerst gab’s aber noch 4 Songs des regulären Sets, von denen Roses am frenetischsten gefeiert wurde. Und gefeiert hat das kleine Publikum wirklich, und lauthals mitgesungen (ich kann den großen Jubel bei Roses nie so ganz nachvollziehen, der Song ist zwar schön, aber im Vergleich zu vielen anderen im RPWL-Repertoire, zum Beispiel 3 Lights mit seinen genialen Keyboard- und Gitarrensoli, nicht überragend finde ich).

Mit viel Applaus wurde die Band zur ersten Zugabe wieder auf die Bühne geholt. Mit Sleep gab’s einen tollen, eigenen Song, und dann die erste Überraschung. Lang bedankte sich bei Spirit-Besitzer Francis und dem (überwiegend) belgischen Publikum für die langjährige Unterstützung und kündigte einen Song an, den sie bei ihrem ersten Gig im Spirit gespielt hatten. Die freudige Überraschung war dann Pink Floyds Dogs. Fantastisch umgesetzt, fast in kompletter Länge, vom Publikum fast vollständig mitgesungen (den Text beherrschte das Publikum jedenfalls besser als Lang, der einige Blicke in sein Textbuch werfen musste), einfach super. Danach musste noch was folgen, und schnell war die Band auch wieder auf der Bühne … für eine weitere Überraschung: King Crimsons In the court of the Crimson King, ebenfalls beim ersten Gig gespielt. Absolute Gänsehaut, wie das Publikum hier den Chor gab. Das anschließende Hole in the sky sah da fast etwas blass gegen aus. Sowieso, fast tut es mir für die Band leid, aber zwei so geniale Coverversionen stellten die eigenen Werke doch etwas in den Schatten. Fast 2.40 Stunden waren schon gespielt, trotzdem wurde die Band nochmal auf die Bühne zurückgerufen, obwohl Teile des Publikums das Spirit schon verlassen hatten. Sie spielten dann noch, ungeprobt laut Yogi Lang, den schönen Mitsinger I don’t know, um dann aber endgültig die Bühne zu verlassen.

Insgesamt ein wirklich tolles Konzert. Die beste Einzelleistung erbrachte meiner Meinung nach mal wieder Gitarrist Kalle Wallner, der Mann ist echt klasse. Spielfreude und technisches Können zeigten aber alle 5 Bandmitglieder. Diese Jungs kann man sich immer wieder ansehen, es ist einfach eine Freude.

Setlist:

  • Silenced
  • Breathe in, breathe out
  • Masters of war (Bob Dylan Cover)
  • Stranger
  • Choose what you want to look at
  • This is not a Prog song/P(r)ock-Medley
  • Start the fire
  • The gentle art of swimming
  • 3 Lights
  • Trying to kiss the sun
  • Wasted Land
  • Roses

——

  • Sleep
  • Dogs (Pink Floyd Cover)

——

  • In the court of the Crimson King (King Crimson Cover)
  • Hole in the sky

——

  • I don`t know

Eine Antwort zu „RPWL im Spirit of 66, Verviers (B)“

  1. Live und in Farbe « Philipp Henn’s Weblog sagt:

    [...] ein recht schwaches Konzertjahr werden würde. Bisher habe ich die Japanischen Kampfhörspiele, RPWL und Roger Waters gesehen. Alle drei natürlich klasse, aber ein bißchen wenig für ein Jahr. Auf [...]

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