Archiv für Mai 2008

Außen hui, innen auch

Mai 30, 2008

Eben ist endlich das neue Opeth-Album Watershed in der Limited Edition bei mir angekommen. Hurra! Äußerst schicker Pappschuber mit CD, Bonus-DVD (Dokumentation, 5.1 Mix und drei Bonustracks) und Booklet. Hübsch, hübsch. Texte gibt es im Booklet leider nicht, aber die wird man sich schon irgendwo besorgen könne.

Bin jetzt gerade beim vierten Song, bisher klingt das doch schonmal stark nach “Album des Jahres”, wenn es auch ein ziemlich überraschendes Werk ist. Überraschend im Sinne von “hat man so von Opeth noch nicht gehört”. Klingt wie Opeth, aber wie kein Album zuvor, ist mein erster Eindruck. Ausführliche Rezension gibt es dann irgendwann demnächst.

“Eine Schande!”

Mai 25, 2008

“Eine Schande!”, das war der Ausruf von Thomas Hermanns, als das Ergebnis des Eurovision Song Contest (kurz: Grand Prix) gestern endlich feststand. Und eigentlich muss man mehr gar nicht mehr sagen. 14 Punkte erhielten die No Angels. Das waren leider nur Punkte aus zwei Ländern, 2 aus der Schweiz und immerhin volle 12 aus Bulgarien, was aber sicher nicht daran lag, dass Bulgaren auf deutschen 08/15-Pop stehen, sondern daran, dass Kein-Engel-Lucy von dort stammt. Leider reichten diese 14 Punkte nur für einen letzten Platz, den sich Deutschland allerdings mit Polen und dem Vereinigten Königreich teilen darf. Sagte ich leider? Nun, eigentlich habe ich mich jedesmal diebisch gefreut, wenn es für Deutschland keine Punkte gab. Und da hatte ich viele Gelegenheiten zur Freude, denn immerhin gab es aus 41 der 43 abstimmenden Länder 0 Punkte. Irgendwie verblasst mein ohnehin schon nicht sonderlich ausgeprägter Patriotismus beim Grand Prix immer völlig.

Jetzt kann man es sich natürlich leicht machen wie Moderator Peter Urban und viele andere, und das katastrophale Abschneiden der No Angels auf die (empirisch nie nachweisbare) Ostblockverschwörung schieben. Man könnte aber auch einfach ehrlich sagen: der deutsche Beitrag war scheiße. Er war nicht scheiße wie der spanische Nonsense-Beitrag, die lettischen Piraten oder die Visage der schwedischen Botox-Hexe, aber er war einfach nicht Grand Prix-geeignet. Ein Grand Prix-Song, so konnte man in den letzten Jahren lernen, muss entweder hochdramatisch, verrückt oder sexy sein, am besten alles zusammen. Und der Auftritt der No Angels war gar nichts davon. Er war einfach uninspiriert und uninteressant und somit verdient punktemäßig unbeachtet (puh, ein drittes un-Wort gefunden!).

Ich habe schon mehrfach gelesen, das Deutschland mit Tokio Hotel eine gute Chance gehabt hätte. Da kann was dran sein. Vielleicht hätte es auch ein Pop-Rock-Act wie Sportfreunde Stiller oder wie sie alle heißen getan, dass sowas ankommt sah man ja am recht ordentlichen Abschneiden des türkischen Beitrags. Aber nein, Deutschland muss ja entweder Klamauk oder Belangloses schicken.

Lustiges Liveblogging, das auch beim Nachlesen noch erfreuen kann, gab es übrigens unter anderem bei Coffee and TV und beim popkulturjunkie.

Nachtrag: „Wir sind immer noch die Geilsten.“ sagen die Damen im Videointerview bei Bild.de. Das hieße ja, sie müssten auch schon vorher die Geilsten gewesen sein. Da habe ich wohl was verpasst. Wie dem auch sei: Glückwunsch jedenfalls zu so viel Geschick im Verdrängen, wenn man das so gut kann muss das Leben ja ein Kinderspiel sein. Lustige Artikel gibt es auch bei SpOn und Stefan Niggemeier.

Christdemokrat redet in Zungen

Mai 23, 2008

Gottfried Ludewig, Bundesvorsitzender des der CDU nahestehenden “Ring Christlich-Demokratischer Studenten” (RCDS), hat einen interessanten Vorschlag unterbreitet. Per Mail verschickte er ein Thesenpapier mit dem Titel “Drei Thesen zur Stärkung der Leistungsträger” an sämtliche CDU-Vereinigungen, so melden verschiedene Medien. Dort hieße es:

Diejenigen, die den deutschen Wohlfahrtsstaat finanzieren und stützen, müssen in diesem Land wieder mehr Einfluss bekommen. Die Lösung könnte ein doppeltes Wahl- und Stimmrecht sein. [...] Dass das Bundesverfassungsgericht ein doppeltes Wahlrecht vermutlich nicht zulassen würde, ist eine andere Frage.

Mit “Hartz IV-Beziehern und Rentnern” alleine, so Ludewig, sei ein sozialer Ausgleich nicht zu schaffen.

Eigentlich ist dieser Vorschlag, der als Diskussionsanregung gedacht sein soll, so absurd, dass man ihn völlig mit Nichtbeachtung strafen müsste. Aber wenn sowas einmal unterwegs ist, dann kann man sich ja an den Schimpftiraden ruhig beteiligen. Immerhin hat Ludewig selber erkannt, dass seine Idee nicht so ganz zu unserer Verfassung passt. Ohne groß zu suchen fallen mir schonmal zwei Grundgesetzartikel ein, gegen die der Vorschlag bei Umsetzung verstoßen würde: Art. 3 I GG (Gleichberechtigung) und Art. 38 I (Wahlrechtsgrundsätze). Wahlen haben in Deutschland nunmal “allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim” zu sein. Die beiden markierten Begriffe verbieten eine Gewichtung von Stimmen oder den Ausschluss einzelner Staatsbürger von der Wahl. Zu der Dummheit der Anregung kommt noch die durch sie offenbarte unheimliche Arroganz des Herrn Ludewig. Offensichtlich hält er sich (ich unterstelle einfach mal, dass er sich selber zur Elite zählt) für einen besseren, wertvolleren Bürger. Mit Verlaub, aber ich könnte kotzen wenn ich sowas höre oder lese.

Irgendwie wundert es mich allerdings nicht, dass solch ein Vorschlag von einer Gruppierung wie dem RCDS kommt. Die Düsseldorfer Gruppe des Verbandes, die an meiner Uni einen Sitz im Studierendenparlament besetzt, fiel mir schon im letzten Herbst bei den Gremienwahlen negativ mit ihrer Forderung nach der Verlängerung einer U-Bahnlinie bis zur Uni auf (das solche Verlängerungen fast kostenfreie Maßnahmen sind und das Geld dort bestens angelegt ist, kann man ja beispielsweise in Köln sehen). Ich hab mich dann jetzt mal ein wenig auf ihrer Homepage umgeguckt und dabei die “Politischen Leitlinien des RCDS Nordrhein-Westfalen” gefunden. Dort heißt es unter anderem:

Als bedürftige Menschen sind alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt. [...] Menschenwürde kommt dem Menschen von Anfang an zu, ohne dass er etwas dafür tun muss. [...] Der Programmatik des RCDS liegt ein Menschenbild zugrunde, das von der unveräußerlichen Würde, der Gleichwertigkeit, Verschiedenartigkeit und Unvollkommenheit des Menschen ausgeht. [...] Dem christlichen Menschenbild wird in einer offenen und solidarischen Gesellschaft am ehesten Rechnung getragen. Diese Gesellschaft orientiert sich an den Grundwerten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. [...] Freiheit und Gleichheit stehen in einer komplementären Beziehung zueinander. Würde und Gleichwertigkeit aller Menschen konkretisieren unseren Begriff von Gleichheit. [...] Die Gleichheit der Menschen fordert Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Handlungsweisen und Lebensgestaltungen. [...] Solidarität ist die Grundlage des Handelns zur Aufhebung der Entfremdung. Das Ziel der Solidarität ist das umfassende Wohl des Menschen in der Gesellschaft. Als Bindekraft entsteht sie dort, wo gemeinsame Herausforderungen angegangen werden.

Das sind nur ein paar Punkte, die mir ins Auge fielen. Aber vielleicht sollte sich der Bundesvorsitzende mal die eigenen Leitlinien durchlesen. Oder gelten die NRW-Leitlinien auf Bundesebene nicht? Denkbar wäre auch, dass der RCDS den Begriff “Gleichheit” im orwell’schen Sinne versteht: Alle Menschen sind gleich, aber die Leistungsträger der Gesellschaft sind gleicher.

Bloodbath - Unblessing the Purity (EP)

Mai 23, 2008

In Vorfreude auf das Ende des Monats erscheinende neue Opeth-Album Watershed gibt’s eine Rezension eines anderen Werkes unter Beteiligung von Opeth-Frontmann Mikael Akerfeldt.

Bloodbath heißt die Band, Unblessing the Purity ihre kürzlich erschienene neue EP. Gegründet wurde die Band 1999 als eine Art schwedische Death-Metal-Supergroup von Akerfeld, Dan Swanö (u.a. Edge of Sanity), Anders “Blakkheim” Nyström und Jonas Renkse (beide Katatonia). Eher aus einer Bierlaune entstanden, wollte man guten, alten Oldschool-Death Metal im Stile schwedischer Größen wie Dismember oder Grave spielen. Sich mal ein bißchen austoben und die Sau rauslassen dürfte auch eine Rolle gespielt haben, schließlich stehen die Stammbands der Bloodbath-Mitglieder eher für progressiven/melodischen DM. 1999 veröffentlichte die Kombo eine EP namens Breeding Death, 2002 gab es mit Ressurection through Carnage das erste reguläre Studioalbum. Akerfeldt verließ im Anschluss das Projekt um mehr Zeit für seine Hauptband zu haben. Ersetzt wurde er durch Peter Tägtgren (Hypocrisy). Swanö wechselte von den Drums an die Gitarre, neuer Drummer wurde Martin “Axe” Axenrot (der später auch einen festen Platz bei Opeth kriegen sollte). In dieser neuen Besetzung veröffentlichte man 2004 mit Nightmares made Flesh ein zweites Studioalbum. Tägtgren stieg wieder aus, und mit Akerfeldt als Gast am Mikro absolvierte die Band 2005 beim Wacken-Festival ihren ersten und bisher einzigen Gig (erscheint demnächst als CD/DVD). Anschließend verließ Swanö die Band. 2008 nahm man dann die Arbeit wieder auf. Akerfeldt kehrte als Sänger zurück, als neuer Gitarrist kam Per “Sodomizer” Eriksson hinzu. Im März erschien dann die neue EP, Unblessing the Purity.

Etwas überraschend haben Bloodbath ihre Musik leicht verändert. Spielten sie früher deftigen Oldschool-DM, perfekt umgesetzt, aber ohne große Innovationen, was ihnen auch der ein oder andere Kritiker übel nahm, so klingt der neue Output jetzt ein ganzes Stück frischer und moderner. Das Tempo ist teilweise höher, technisch ist das Niveau etwas höher angesetzt und insgesamt wirken die Songs ein Stück komplexer. Ob der Kombo die Lust am eher simplen DM vergangen ist, oder ob man einen eigenen Bandsound kreieren und festigen wollte weiß ich nicht. Ist aber auch egal, das Ding macht einfach Laune.

Blasting the Virginborn (der Titel gibt fast mehr Auskunft über die Musik als jede Rezension) donnert gleich ganz gewaltig los. Fetter Sound, brutales Drumming, coole Riffs und groovige Gitarrensoli und über allem der unvergleichlich geniale Gesang von Mikael Akerfeldt. Ich kenne keinen anderen Sänger, der seine Growls so tief und brutal, und trotzdem so gut verständlich rüberbringt. Fantastisch. Trotz ein paar ruhigeren Passagen dominiert hier das Uptempo. Weiter geht’s mit Weak Aside. Scheppernd bricht die Hölle los, doch dann wird das Tempo etwas gedrosselt und fett groovender Oldschool-DM gespielt. Einige Tempiwechsel gibt es über den Song verteilt, so macht das Spaß und bleibt kurzweilig. Nächster Song, Sick Salvation. Schneller Anfang, insgesamt ein recht straighter Song mit etwas weniger Schnörkel als bei den beiden zuvor. Und damit sind wir schon beim letzten Track, denn leider gibt’s nur 4 Songs auf der EP. Mouth of empty Praise macht den Abschluss, ein (für Oldschool-DM-Verhältnisse) sehr komplexer Song mit vielen Tempiwechseln, Soli und äußerst Headbang-tauglichem Riffing. Und dann ist der Zauber auch leider schon vorbei.

Um die EP mit zwei Worten zu beschreiben: groovy und cool. Das sind jetzt nicht unbedingt die typischen Attribute für ein Death Metal-Album, aber sie beschreiben Bloodbath einfach am besten. Trotz martialischer Texte und brutalster Musik ist das Ganze einfach … groovy und cool. Die Kombo schafft es, Oldschool-DM in ein modernes (und offensichtlich blutiges) Kleid zu packen, und das macht einfach locker soviel Spaß wie sich ewig echten (und gleichen) Oldschool-DM anzuhören, und definitiv mehr Spaß als moderner Metalcore-Mist. Ende des Jahres soll ein neues Studioalbum folgen, die EP verbreitet auf jeden Fall sehr viel Vorfreude. Hörproben gibt’s bei Myspace.

Das Experiment (2)

Mai 18, 2008

Knapp einen Monat ist es jetzt her, dass ich mein Vegetarier-Experiment begann. Und bisher habe ich es ohne einen Rückfall durchgehalten. Fisch habe ich einige Male gegessen, Fleisch jedoch nicht. Und das, obwohl ich schon auf zwei Grillveranstaltungen war. Ich bin schon ein wenig stolz auf mich.

Das Böse - revisited (2)

Mai 17, 2008

Wie ich vermutete, wurde in der gestrigen Galileo Mystery-Ausgabe “Das Böse - steckt der Teufel in jedem von uns?” das berühmte Experiment von Stanley Milgram aus den 60ern dargestellt. Dabei wurde mit keinem Wort erwähnt, dass dieses Experiment von Milgram stammt. Es wurde vielmehr durch Formulierungen wie “unser Experiment” suggeriert, die Galileo-”Experten” hätten sich den ganzen Versuch selber ausgedacht. Dabei entsprach die Umsetzung wirklich 1:1 dem Original: angefangen von der Probandensuche via Zeitungsanzeige, der Versuchsanordnung, dem Aussehen der Geräte, den Kommentaren des Versuchsleiters usw. Dabei zeigte man die Durchführung des Experiments mit zwei Probanden (welch repräsentative Stichprobe): “Markus” und “Elisabeth”. “Markus” offenbarte das Böse in sich, indem er der angeblichen Testperson - wie im Milgramversuch ein Schauspieler - bei falschen Antworten auf die Testfragen Stromstöße steigender Stärke verpasste, ohne sich von den Schmerzschreien abhalten zu lassen. Dabei zeigte “Markus” eine Kaltblütigkeit, wie sie Milgram bei keinem seiner Kandidanten feststellte. Er fragte kein mal, ob er weitermachen sollte, lachte nicht, zuckte bei den Schreien nicht zusammen. Das lässt natürlich vermuten, dass es sich auch bei “Markus” um einen Schauspieler handelte. Entsprechend war Probandin “Elisabeth” am Ende der Sendung das Positivbeispiel und brach den Versuch nach einiger Zeit ab, was den wunderbaren Schluss “Das Böse steckt in jedem von uns - aber eben auch das Gute.” zuließ. Die Annahme, dass es sich bei den Versuchspersonen um Schauspieler handelte, ist auch deswegen plausibel, weil eine tatsächliche Durchführung des Experiments heutzutage kaum noch ethisch vertretbar wäre. Wenn es sich bei dem Versuchsleiter wirklich um einen Psychologen gehandelt haben sollte, würde es mich sehr wundern, wenn dieser die Durchführung begleitet hätte.

Es bleiben also zwei mögliche Deutungen: entweder Pro7 lügt die Zuschauer an, indem man suggeriert, ein Experiment durchzuführen, es aber in Wahrheit nur nachspielt (von der Nichterwähnung Milgrams mal ganz abgesehen). Oder Pro7 führt ethisch nicht vertretbare Experimente für eine Unterhaltungssendung durch. Und das bei immerhin 1,03 Millionen Zuschauern und einem 13%-Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe (14-49jährige Zuschauer).

Das Böse - revisited

Mai 15, 2008

Galileo Mystery ist ja bekannt für absurde Themen und Enthüllungen, die so albern präsentiert werden, dass die Switch-Satire auf die Sendung sich kaum vom Original unterscheidet. Morgen enthüllt Möchtegern-Mulder Aiman Abdallah scheinbar wieder unglaubliches:

Das Böse – steckt der Teufel in jedem von uns?

Warum begehen scheinbar friedliebende Menschen plötzlich ein Verbrechen? Wie ist es möglich, dass ganz normale Familienväter andere Menschen foltern und Spaß an deren Leiden empfinden? Galileo Mystery begibt sich auf die Suche nach der Ursache des Bösen.

Aiman Abdallah spricht dazu mit einem Mann, der die Erforschung des Bösen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat: der Psychologe Prof. Philip Zimbardo von der Stanford-Universität in Kalifornien. Sein Experiment zum Bösen aus dem Jahre 1971 schrieb Wissenschaftsgeschichte und wurde mehrmals verfilmt: Im Stanford-Prison-Experiment stellte Zimbardo die Situation in einem Gefängnis mit Studenten nach. Aber innerhalb weniger Tage geriet die Situation vollkommen außer Kontrolle.

Die Studenten, die die Gefängniswärter spielen sollen, verwandelten sich in brutale Sadisten. Zimbardo musste das Experiment abbrechen. Seitdem ist er sich sicher: Es braucht nur die geeignete Situation und das Böse bricht aus. Diese These wird Galileo Mystery in einem eigenen Experiment überprüfen. Testpersonen sollen andere Menschen bestrafen – mit Stromstößen. Stromstöße, die tödlich sein können.

Das Ergebnis des Experiments ist erschreckend: Es zeigt: Das Böse – es steckt in fast jedem von uns.

Den Trailer zur Sendung sah ich eben im Fernsehen. Und das “eigene Experiment” von Pro7 kam mir schon in diesen wenigen Einstellungen bekannt vor. Vor allem, da ich einen Film über dieses Experiment heute in einer Vorlesung sah. Einen Film aus den 70er Jahren. Das Pro7-Experiment wurde nämlich erstmals 1962 in den USA von dem Psychologen Stanley Milgram durchgeführt, und ist deshalb auch als Milgram-Experiment bekannt. Die Ergebnisse von Milgrams Versuch sind bekannt und sicher erschreckend. Sie sagen aber nicht, dass “das Böse in fast jedem von uns steckt”. Sie belegen nur, dass Menschen den Anweisungen einer Autoritätsperson folgen, auch wenn das gegen ihre persönliche Einstellung verstößt. Milgram testete noch einige Änderungen in der Versuchsanwendung, später wurde das Experiment jedoch nicht mehr durchgeführt. Es wurde im Zuge einer langwierigen Ethikdebatte in der Wissenschaft ausführlich diskutiert (wie auch Zimbardos Gefängnis-Experiment). Mittlerweile verfügen die meisten Wissenschaftsvereinigungen über Kataloge mit forschungsethischen Regeln, die solche Experimente zwar nicht explizit verbieten, ihnen aber sehr kritisch gegenüberstehen (siehe den Ethik Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, DGS).

Ich vermute wegen der Bilder zur Sendung, dass Pro7 das Experiment nicht wirklich neu durchgeführt, sondern einfach nachgespielt hat. Warum Milgram nicht als Urheber genannt wird, weiß ich nicht. Vielleicht bekam man keine entsprechende Genehmigung zur Nutzung von Material und Namen (Milgram selber starb 1984). Philip Zimbardo stand aber offensichtlich zur Verfügung. Ich verstehe nur nicht, warum er auch noch in der Sendung auftritt. Ich wäre mir dafür an seiner Stelle ja zu schade.

Vielleicht werde ich mir die Sendung morgen mal angucken. Und vielleicht tue ich Pro7 ja auch unrecht, und sie erwähnen Milgram in der Sendung. Ich vermute aber eher, dass sie es nicht tun werden.

3 kurze Beiträge

Mai 14, 2008

1. Wie DWDL.de und das Fernsehlexikon melden, werden zwei meiner Lieblingsfernsehserien, Shark und Boston Legal, auslaufen. Beide Anwaltsserien sind in Deutschland bei Vox zu sehen (wobei Boston Legal momentan pausiert), und von beiden Serien gibt es zum Glück noch ungesendete Folgen, so dass man sie doch noch eine Weile in Deutschland anschauen können wird. Shark wurde in den USA gerade eingestellt, 21 Folgen wurden in Deutschland noch nicht gesendet. Die letzte Boston Legal-Staffel läuft in den USA im Herbst an, ist allerdings nur 13 statt 24 Folgen lang. Für Deutschland bleiben damit 33 ungesendete Folgen übrig. Ich werde dich vermissen, Denny Crane.

2. Ein Hoch auf deutsche Musiker: Tokio Hotel erleben momentan erstaunliches Feedback in den USA, wie wohl (vielleicht mit Ausnahme von Rammstein) keine andere deutsche Band in den letzten Jahren. Die Amis haben schon irgendwie einen merkwürdigen Geschmack, was deutsche Musik angeht. Viel lustiger finde ich es jedoch, dass Scooter mit ihrem neuen Album Jumping all over the world in England die neue Nummer 1 der Albumcharts sind, und damit Madonna und ihr Album Hard Candy nach nur einer Woche vom Spitzenplatz verdrängt haben. Und in Deutschland wird Madonnas Single 4 Minutes diese Woche von Bohlens Liebling Mark Medlock und seinem neuen “Hit” Summer Love vom Thron gestoßen. Zumindest steht das so bei BILD.de, alle anderen Onlineangebote veröffentlichen die neuen Singlecharts erst Ende der Woche (auch die Grafik bei BILD.de ist noch auf dem Stand der letzten Woche). Jetzt stellt sich natürlich die Frage: sind Medlock und Scooter etwa “besser” als Madonna? Oder sind endlich mehr Leute von einer 50-jährigen genervt, die sich aufführt, als wäre sie noch 16, und deren Videos zumindest bei mir mittlerweile eher Mitleid und Ekel verursachen? Ich hoffe, es ist letzteres.

3. Gute Idee: ein Sport Dies an der Uni, mit einem Fussballturnier des Instituts, bei dem man sich auch einfach mit Bier in die Sonne setzen und bespaßen lassen kann. Schlechte Idee: auf Sonnencreme verzichten und dabei den ganzen Tag eine Sonnenbrille tragen. Ich befürchte, ich werde morgen ziemlich albern aussehen.

Roger Waters in Landgraaf (NL)

Mai 12, 2008

Zum zweiten Mal war ich gestern bei einem Konzert des ehemaligen Pink Floyd-Mastermind Roger Waters. Roger Waters performing The Dark Side of the Moon war angekündigt. Bei schönstem Wetter fand das Konzert Open Air auf dem Megaland-Gelände im niederländischen Landgraaf (unweit der deutschen Grenze) statt, wo auch jährlich das Pinkpop-Festival gastiert. Schon die riesige Bühne und vor allem die im und um den ganzen Zuschauerbereich aufgestellten Lautsprechertürme versprachen ein tolles Erlebnis. Pünktlich im 20.00 Uhr lief dann der Introfilm auf der großen Hauptleinwand an (an den Seiten der Bühnen befanden sich noch zwei Leinwände, also auch für mich als 1,70m Mensch eine Chance, genug zu sehen). Los ging es dann erwartungsgemäß mit In the flesh. Waters (gealtert, aber immer noch fit) hatte eine 9-köpfige Band inklusive drei Sängerinnen dabei, da war einiges an Soundpower zu erwarten. Und der erste Eindruck bestätigte das: bombastisch. Der Sound war glasklar und ernsthaft “Surround Sound”. Die Geräuscheffekte kamen von allen Seiten, wanderten um das Publikum. Explosionen, Züge, Schafe … ich frage mich ja, wie sich die ganzen zugedröhnten Leute im Publikum gefühlt haben müssen, wenn solche Geräusche auf einmal von hinten auf sie zukamen. Aber weiter im Text. Es folgten Mother und ein mitreißendes Set the controls for the heart of the sun. Shine on you crazy diamond (stark gekürzte Version, dafür Unmengen von Seifenblasen auf der Bühne), Have a cigar und das obligatorische Wish you were here bildeten dann den Block für das Wish you were here-Album. Bisher alles super, die Songs souverän gespielt, das Publikum hatte Spaß und die Sonne verschwand langsam, was den Lichteffekten mehr Wirkungsraum bot. Nun wurde es Zeit für ein bißchen Politik: Southhampton Dock und The Fletcher Memorial Home vom letzten Pink Floyd-Album mit Waters (The Final Cut) sind klare Anti-Kriegs-Songs, die jetzt per entsprechender Videoinstallationen gegen den amerikanischen “war on terror” vorgetragen wurden. Thematisch passend folgte dann mit Perfect Sense, dem ersten wirklichen Waters-Solo-Song des Abends, eine weitere Kriegsabrechnung, begleitet von einem lustigen Animationsfilm (Kampf Ölplattform vs. U-Boot, mit spektakulären Pyroeffekten auf der Bühne) und mit einer großartigen Gesangseinlage von einer der Backgroundsängerinnen. Genialer Song, ganz großes Highlight. Abgeschlossen wurde dieser thematische Block dann durch Waters aktuellsten Solo-Song Leaving Beirut. Autobiografisch erzählt er davon, wie er in jungen Jahren bei einer Reise durch den Nahen Osten eine Autopanne hatte und bei Beirut im Libanon für eine Nacht bei einer libanesischen Familie unterkam. Die Gastfreundschaft der Menschen trotz ihrer Armut berührte Waters so sehr, dass er heute die Frage stellt: wie können wir gegen solche Leute ernsthaft Krieg führen? Fantastisch war die visuelle Begleitung des Liedes: schwarz-weiß Comicstrips mit zusätzlichen Texten erzählten die Geschichte, zum Gesang wurden über den Köpfen Waters und denen der Sängerinnen Sprechblasen eingeblendet. Tolle Idee. Es folgte Sheep vom Pink Floyd-Album Animals. Und natürlich durfte dazu ein riesiges aufblasbares Schwein nicht fehlen. Das rosafarbene 5 Meter lange Monsterschwein war von Waters mit politischen Botschaften besprüht worden, am Bauch prangte ein fetter “Obama”-Schriftzug. Am Ende des Songs durfte das Schwein dann feierlich in die Abenddämmerung entschweben. Waters kündigte eine kurze Pause vor The Dark Side of the Moon an, erst sollte es richtig dunkel werden. In der knapp 15-minütigen Pause hatte man dann genug Zeit sich zu überlegen, was wohl mit dem langsam entschwindenen Schwein passieren würde. Der lustigste Gedanke war der bezüglich des armen, flugkranken Passagiers, der im Anflug auf den Aachen-Maastricht Airport ein 5 Meter-Schwein am Fenster vorbeifliegen sieht. Aber auch die Vorstellung, das Ding morgens beim Aufstehen im Garten liegen zu sehen hat was für sich. (more…)

See you on the dark side of the moon

Mai 8, 2008

Sonntag, 11. Mai 2008, Megaland, Landgraaf, NL

Hurra!

Bericht gibt es dann Montag oder Dienstag.