Archiv für August 2008

Manfred Mann’s Earth Band und Ten Years After in Verviers (B)

August 31, 2008

Dieses Wochenende findet in der kleinen belgischen Stadt Verviers, unweit der deutschen Grenze, ein Stadtfest mit zahlreichen kostenlosen Livekonzerten auf mehreren Bühnen statt. Gestern Abend bin ich mal hingefahren, weil ich mir zumindest eine Band, nämlich Manfred Mann’s Earth Band, gerne anschauen wollte. Da ich etwas früher da war, die Earth Band sollte erst um 21.00 Uhr auf der Hauptbühne spielen, schaute ich mir noch einige andere Sachen an. Die meisten Bands waren mir nicht bekannt, lokale Gruppen oder Coverbands, aber zumindest eine österreichische Nirvana-Coverband namens Teen Spirit und eine belgische Band namens Last Row haben mir ganz gut gefallen. Teen Spirit überzeugten vor allem durch die tolle Stimme des Sängers und Last Row, wie Teen Spirit eine sehr junge Drei-Mann-Band, allerdings mit Kontrabass, spielten mit einer unheimlichen Freude und jede Menge Spaß alte Rock’n'Roll-Songs aus Elvis’ Zeiten.

Manfred Mann’s Earth Band lieferten dann eine gewohnt souveräne Show ab. Eine tolle Mischung aus Pop, Rock und progressiven Elementen, hervorragende Musiker, allen voran Tastenmagier Mann, jede Menge ehrlicher Spielfreude, all das beflügelte das belgische Publikum zu lautstarker Unterstützung der Band. Wie jedesmal, wenn ich ihn Belgien oder Holland Konzerte besuche, musste ich traurig feststellen, dass die Nachbarn uns Deutschen in Punkto Stimmung und Spaß weit voraus sind. Nach leider nur 1 Stunde und 15 Minuten und einem mit Blinded by the light, Davy’s on the road again und Mighty Quinn grandiosen Finale verabschiedete sich die Earth Band dann von der Bühne.

Im Anschluss spielten dann Ten Years After, eine alte britische Bluesrock-Band, schon 1967 gegründet, die 1969 auch bei Woodstock aufgetreten waren. Wirklich gekannt hatte ich deren Musik vorher nicht, aber „für umsonst“ wollte ich mir die dann doch gerne noch anschauen. Nun ja, was Manfred Mann’s Earth Band richtig gemacht hatten, machten Ten Years After dann falsch. Sie ergingen sich nämlich in Solo-Eskapaden, dass es wirklich nervte. Ansonsten war der äußerst flotte Bluesrock wirklich ok, die drei alten Herren, begleitet von einem jüngeren neuen Gitarristen und Sänger, der durchaus der Enkel eines der Gründungsmitglieder hätte sein können, spielten mit viel sichtbarem Spaß und beherrschten ihre Instrumente. Aber in jedem verdammten Song musste auf Biegen und Brechen ein 10-minütiges Gitarren-, Keyboard-, Bass- oder Schlagzeugsolo, gerne auch im Wechsel, untergebracht werden. Eigentlich habe ich gar nichts gegen Intrumentensoli, im Gegenteil. Bei Manfred Mann haben mir die Solo-Duelle von Mann und Gitarrist Mick Rogers hervoragend gefallen und auch ansonsten bin ich ja Fan progressiver Musik, die ohne Soloeinlagen kaum auskommt. Aber Soli müssen meiner Ansicht nach songdienlich sein. Also entweder kurz und knackig, dass es nicht auffällt, wenn sich von Song zu Song nicht viel ändert, wie es meist im Metal der Fall ist, oder aber abwechslungsreich und kreativ. Bei Ten Years After traf nichts von beidem zu. Die Soli waren viel zu lang und wiederholten sich ständig. Wie ich später erfuhr, haben die das auch vor fast 40 Jahren bei Woodstock schon gemacht. Das macht es aber heute nicht besser. Aus genau so einem Grund wurde wohl der Punk erfunden. Ich wollte dem Gitarristen oft zurufen: „Komm zum Punkt, Mann!“, bin dann aber vor der Zugabe entnervt gegangen. Ich denke aber, dass ich weiß, wie die ging: dreiminütiger Song und in der Mitte ein 10-minütiges Solo, das nichts mit dem restlichen Song zu tun hat. Dem Rest des Publikums gefiel es aber anscheinend. Die meisten waren aber wohl selber bei Woodstock. Na ja, egal, war ja umsonst, und immerhin kann ich nun sagen, dass ich eine Woodstock-Band live gesehen habe.

Auf dem Rückweg überlegte ich dann, warum eigentlich Aachen so etwas wie dieses Stadtfest nicht hinkriegt. Wir haben hier zwar etwas, was sich seit letztem Jahr September-Special oder so nennt (früher hieß das mal Kultursommer). Da spielen dann über einige Wochen verteilt abends in der Stadt auf verschiedenen Plätzen Bands umsonst. Aber was wirklich bekanntes, wenn auch über seine Zeit hinaus wie Manfred Mann oder Ten Years After, spielt da nicht, höchsten kostenpflichtig. Aachen als größte Stadt hier in der Euregio Maas-Rhein kriegt es einfach nicht auf die Reihe. Die Ärzte beispielsweise spielten vor kurzem in Eupen und vor einigen Jahren in Jülich, Kleinstädte ohne vernünftige Verkehrsanbindung, und Aachen hatte dieses Jahr als Highlight Chris De Burgh, allerdings kostenpflichtig. Peinlich.

Thank you for the music

August 27, 2008

Bei MTV grasiert in letzter Zeit das Metal-Fieber. Ursache ist nicht etwa eine Metalband oder ein Metalvideo, sondern das neue Slipknot-Album und das dazugehörige erste Video. Das Slipknot mit Metal nie wirklich viel zu tun hatten und mittlerweile so ziemlich nichts mehr zu tun haben ist ja erstmal egal. Jedenfalls rief MTV zum großen „This is Metal“-Voting auf der Homepage auf. Man präsentierte, unterteilt in Subgenres, eine große Bandbreite an Wahlmöglichten. Da war, mal abgesehen davon, dass die Einteilung meist unsinnig oder schlicht falsch war, viel Schrott dabei, also fast alles in der Kategorie Nu Metal & Crossover zum Beispiel, aber in Kategorien wie Progressive Metal, Death Metal oder Black Metal auch die ein oder andere Perle. Gestern und heute in Wiederholung zeigte MTV dann das Votingergebnis, die besten 10 Videos … moderiert von Slipnknot-Frontmann Corey Taylor. Man hätte ja denken können, es würden die Gewinner der Subgenres gezeigt. Aber das wäre ja zu schön gewesen. Die endgültige Reihenfolge sah dann so aus:

10. Rammstein – Sonne
9. Apocalyptica feat. Corey Taylor – I’m not Jesus
8. Iron Maiden – The number of the beast
7. Guns’n'Roses – Welcome to the jungle
6. Tool – Prison Sex
5. Motörhead – Ace of Spades
7. Metallica – Enter Sandman
3. System of a Down – Chop Suey
2. Korn – Clown
1. Slipknot – Psychosocial

Nun, gehen wir das mal durch: Rammstein? Kein Metal. Apocalyptica? Kein Metal. Iron Maiden? Uralt und mit grausiger Ton- und Bildqualität, aber Metal. Guns’n'Roses? Da winkt Metal nichtmal vom Gartenzaun rüber. Tool? Mit viel gutem Willen Progressive Metal. Motörhead? Cooler Song, aber nicht wirklich Metal. Metallica? Zwar eine Metalband, aber Enter Sandman ist ganz bestimmt kein Metalsong. System of a Down? Großartiger Song, aber auch kein wirklicher Metal. Korn? Kein Metal. Slipknot? Um Gottes Willen, nein.

Also, wir sehen: MTV schafft es, in einer Show namens „This is Metal“ etwa zwei Metalvideos zu zeigen. Bravo. Dabei hätte ich mich so gefreut, beispielsweise das kultige (weil grottenschlechte) Immortal-Video zu Blashyrkh bei MTV zu sehen. Zur Wahl stand es.

Dass Corey Taylor, der die Sendung mit Slipknot-Maske moderierte, gleich zweimal in den Top 10 vertreten ist und das nagelneue Slipknot-Video auf Platz 1 landete hat sicher gar nichts mit der Heavy Rotation des neuen Albums bei MTV zu tun. Aber immerhin gab es bei MTV mal 40 Minuten am Stück Musikvideos zu sehen. Hat ja beim Reality- und Celebrity-Show-Sender mittlerweile Seltenheitswert.

Like a Virgin?

August 25, 2008

Kein Doping? Vielleicht. Alles echt? Ganz bestimmt nicht!

Ok, die Links führen zu Gossip-Seiten. Aber wenn bei der alles echt ist, fress ich ‘nen Besen.

Im gleichen Artikel zeigt man bei Bild.de übrigens auch, wie man völlig sinnfreie Altersangaben einbaut. Scheint aber ein Hobby des Bild-Autors zu sein.

Deutsche Comedy Reloaded

August 20, 2008

Gestern Abend startete auf Pro7 die dritte Staffel von Switch Reloaded, der meiner Ansicht nach besten deutschen Comedysendung. Begeistern kann mich bei Switch Reloaded vor allem die Detailverliebtheit der Darstellung. Anders als der später am Abend laufende Oliver Kalkofe in seiner Mattscheibe zeigt die Switch-Crew nicht den ganz besonderen TV-Wahnsinn wie Shopping- und Call-In-Sendungen, sondern den alltäglichen Wahnsinn, der uns armen Zuschauern bei all dem Schwachsinn fast schon normal vorkommt. In der Switch-Überzeichnung wird einem dann mit schmerzhafter Deutlichkeit vorgehalten, wie albern ein CSI-Kommissar Horatio Caine und wie unlustig ein selbstverliebter Stafan Raab (genial gespielt von Max Giermann) beispielsweise wirklich sind.

Mag man Pro7 für eine weitere Staffel danken, die Programmierung am Dienstag Abend allerdings ist eher nicht gelungen. Michael Mittermeiers schwaches Paranoid-Programm eröffnete, es folgte (soweit ich es gesehen habe, aber der Anblick von Sonya Kraus reicht da schon) das eher unlustige neue Format Comedy Zoo (eigentlich nicht schlecht um 21.15 Uhr so einen Schwachsinn zu senden, da kann man als Zuschauer in Ruhe Dr. House bei RTL gucken, erfreulicherweise beginnt übrigens nächste Woche die vierte Staffel), dann um 22.15 Uhr Switch Reloaded, leider nur eine halbe Stunde lang, bevor dann als Spaßbremse der Quatsch Comedy Club lief. Gast war gestern unter anderem Matze Knoop, was Grund genug zum Umschalten war. Und aus Protest habe ich auch für Dieter Nuhr, der, wenn ich das beim Durchschalten richtig gesehen habe, vor Knoop dran war, nicht eingeschaltet. Knoop geht gar nicht, insbesondere, da der einem während der EM eh ständig im Fernsehen über den Weg lief und auch schon im Comedy Zoo den Kaninchen den Beckenbauer gemacht hat (Tierquälerei und so). Erst um 23.15 Uhr kam dann Oliver Kalkofe, erfreulicherweise für knapp eine Stunde. Kalkofe erfüllte auch gleich einen meiner Wünsche, indem er diese grausame Teleshop-Sendung parodierte, in der die größten Hits der Amigos verkauft werden. Vielen Dank dafür.

Sternstunden der Sportberichterstattung

August 18, 2008

Zugegeben, Sportkommentatoren haben es nicht leicht. Sie müssen das, was wir auf dem Bildschirm verfolgen, irgendwie angemessen beschreiben, egal ob sportliche Höchstleistungen, tragische Momente, positive oder negative Emotionen. Dabei wird ihnen das Leben schwer gemacht durch die Überraschungsmomente, die der Sport zu bieten hat (so ging der Eurosport-Kommentator vorher von einem engen Rennen beim 100m-Lauf der Männer aus), von den komplizierten Namen vieler Sportler und von der selbstauferlegten Pflicht, immer mal wieder das Thema Doping ansprechen zu müssen. Was die Kommentatoren von ARD und ZDF da aber in den letzten Tagen abliefern, so schwer ihr Job auch sein mag, das tut meist einfach weh. Die Leistung der Moderatoren im Studio ist ja schon schlimm. Und bei den Interviews, die die Außenreporter mit Siegern und Verlieren der Wettbewerbe führen, möchte ich meist vor Fremdschämen in die Tischplatte beißen und empfinde tiefes Mitleid mit den Sportlern. Die Kommentatoren toppen das noch alles. Sie überbieten sich in albernen Metaphern, bejubeln Sieger nur um gleich wieder davon zu sprechen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese gedopt sind, erzählen Schwachsinn, der keinen interessiert und im Moment völlig irrelevant ist (beim Weitsprung der Männer: „Er tänzelt … er war ja mal ein Weltklasse-Tänzer“). Aber was der Kommentator eben nach dem Stabhochsprungweltrekord von Jelena Issinbajewa von sich ließ, stellte den Dünnpfiff seiner Kollegen nochmal locker in den Schatten:

Da muss man jetzt natürlich fragen, ob das mit rechten Dingen zugeht. Aber das muss man auch bei den Wettbewerben fragen, die schon vorbei sind und bei denen, die noch kommen. Aber auch im Alltag. Weil wem kann man heutzutage schon trauen?

(Aus dem Gedächtnis zitiert)

Hat ein Kommentatorenkollege ihm das Pausenbrot geklaut? Oder ist er allgemein ein Misanthrop? Eigentlich sollte man einfach den Ton abschalten. Aber das Elend würde ja weiter da draußen bleiben, es würde nichts ändern. Können die nicht einfach nach den Spielen in China bleiben? Bitte?

Sommerlagerimpressionen

August 5, 2008

Ich war etwas über eine Woche mit den Pfadfindern im Zeltlager im Pfälzer Wald. Auf 21 8-10jährige aufzupassen ist zwar alles andere als entspannend, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Hier ein paar Bilder:

Blick auf den Pfälzer Wald.

Etwas Qualm im Küchenzelt.

Kochen auf selbstgebautem Herd.

Frittierte Heuschrecken. Schmeckten hauptsächlich nach Fett und waren sehr knusprig. Etwa so wie Fritten, die zu lange im Fett waren. Aber essbar.

Selbstgebauter Hähnchengrill für das große Festessen.

Lagerfeuerimpression 1

Lagerfeuerimpression 2