Manfred Mann’s Earth Band und Ten Years After in Verviers (B)

By Philipp Henn

Dieses Wochenende findet in der kleinen belgischen Stadt Verviers, unweit der deutschen Grenze, ein Stadtfest mit zahlreichen kostenlosen Livekonzerten auf mehreren Bühnen statt. Gestern Abend bin ich mal hingefahren, weil ich mir zumindest eine Band, nämlich Manfred Mann’s Earth Band, gerne anschauen wollte. Da ich etwas früher da war, die Earth Band sollte erst um 21.00 Uhr auf der Hauptbühne spielen, schaute ich mir noch einige andere Sachen an. Die meisten Bands waren mir nicht bekannt, lokale Gruppen oder Coverbands, aber zumindest eine österreichische Nirvana-Coverband namens Teen Spirit und eine belgische Band namens Last Row haben mir ganz gut gefallen. Teen Spirit überzeugten vor allem durch die tolle Stimme des Sängers und Last Row, wie Teen Spirit eine sehr junge Drei-Mann-Band, allerdings mit Kontrabass, spielten mit einer unheimlichen Freude und jede Menge Spaß alte Rock’n'Roll-Songs aus Elvis’ Zeiten.

Manfred Mann’s Earth Band lieferten dann eine gewohnt souveräne Show ab. Eine tolle Mischung aus Pop, Rock und progressiven Elementen, hervorragende Musiker, allen voran Tastenmagier Mann, jede Menge ehrlicher Spielfreude, all das beflügelte das belgische Publikum zu lautstarker Unterstützung der Band. Wie jedesmal, wenn ich ihn Belgien oder Holland Konzerte besuche, musste ich traurig feststellen, dass die Nachbarn uns Deutschen in Punkto Stimmung und Spaß weit voraus sind. Nach leider nur 1 Stunde und 15 Minuten und einem mit Blinded by the light, Davy’s on the road again und Mighty Quinn grandiosen Finale verabschiedete sich die Earth Band dann von der Bühne.

Im Anschluss spielten dann Ten Years After, eine alte britische Bluesrock-Band, schon 1967 gegründet, die 1969 auch bei Woodstock aufgetreten waren. Wirklich gekannt hatte ich deren Musik vorher nicht, aber „für umsonst“ wollte ich mir die dann doch gerne noch anschauen. Nun ja, was Manfred Mann’s Earth Band richtig gemacht hatten, machten Ten Years After dann falsch. Sie ergingen sich nämlich in Solo-Eskapaden, dass es wirklich nervte. Ansonsten war der äußerst flotte Bluesrock wirklich ok, die drei alten Herren, begleitet von einem jüngeren neuen Gitarristen und Sänger, der durchaus der Enkel eines der Gründungsmitglieder hätte sein können, spielten mit viel sichtbarem Spaß und beherrschten ihre Instrumente. Aber in jedem verdammten Song musste auf Biegen und Brechen ein 10-minütiges Gitarren-, Keyboard-, Bass- oder Schlagzeugsolo, gerne auch im Wechsel, untergebracht werden. Eigentlich habe ich gar nichts gegen Intrumentensoli, im Gegenteil. Bei Manfred Mann haben mir die Solo-Duelle von Mann und Gitarrist Mick Rogers hervoragend gefallen und auch ansonsten bin ich ja Fan progressiver Musik, die ohne Soloeinlagen kaum auskommt. Aber Soli müssen meiner Ansicht nach songdienlich sein. Also entweder kurz und knackig, dass es nicht auffällt, wenn sich von Song zu Song nicht viel ändert, wie es meist im Metal der Fall ist, oder aber abwechslungsreich und kreativ. Bei Ten Years After traf nichts von beidem zu. Die Soli waren viel zu lang und wiederholten sich ständig. Wie ich später erfuhr, haben die das auch vor fast 40 Jahren bei Woodstock schon gemacht. Das macht es aber heute nicht besser. Aus genau so einem Grund wurde wohl der Punk erfunden. Ich wollte dem Gitarristen oft zurufen: „Komm zum Punkt, Mann!“, bin dann aber vor der Zugabe entnervt gegangen. Ich denke aber, dass ich weiß, wie die ging: dreiminütiger Song und in der Mitte ein 10-minütiges Solo, das nichts mit dem restlichen Song zu tun hat. Dem Rest des Publikums gefiel es aber anscheinend. Die meisten waren aber wohl selber bei Woodstock. Na ja, egal, war ja umsonst, und immerhin kann ich nun sagen, dass ich eine Woodstock-Band live gesehen habe.

Auf dem Rückweg überlegte ich dann, warum eigentlich Aachen so etwas wie dieses Stadtfest nicht hinkriegt. Wir haben hier zwar etwas, was sich seit letztem Jahr September-Special oder so nennt (früher hieß das mal Kultursommer). Da spielen dann über einige Wochen verteilt abends in der Stadt auf verschiedenen Plätzen Bands umsonst. Aber was wirklich bekanntes, wenn auch über seine Zeit hinaus wie Manfred Mann oder Ten Years After, spielt da nicht, höchsten kostenpflichtig. Aachen als größte Stadt hier in der Euregio Maas-Rhein kriegt es einfach nicht auf die Reihe. Die Ärzte beispielsweise spielten vor kurzem in Eupen und vor einigen Jahren in Jülich, Kleinstädte ohne vernünftige Verkehrsanbindung, und Aachen hatte dieses Jahr als Highlight Chris De Burgh, allerdings kostenpflichtig. Peinlich.

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