Archiv für Dezember 2008

2008

Dezember 28, 2008

Etwa einen Monat nach den großen Jahresrückblicken der Fernsehsender ist es nun auch für mich an der Zeit, 2008 abzuschließen. Allerdings beschränke ich mich auf musikalische und televisionale Dinge, heißt, ich küre meine persönlichen Highlight des vergehenden Jahres. Das neue Nocte Obducta-Album ist immer noch nicht angekommen und Amazon gibt als Lieferzeitraum nun Mitte Januar an, deshalb fällt Sequenzen einer Wanderung aus der Wertung leider raus. Es hätte sicher Chancen auf eine hohe Platzierung gehabt, aber so wird es halt wahrscheinlich ein erstes Highlight für 2009.

Alben des Jahres:

  1. Opeth – Watershed: Klarer Sieger. Sicher nicht das beste Opeth-Album; Knallern wie The Lotus Eater oder Hessian Peel stehen eher mäßig begeisternde Nummern wie Porcelain Heart oder Hex Omega entgegen. Aber auch ein mittelmäßiges Album der Schweden ist immer noch Welten besser als fast alles, was sonst so im Metal- oder Prog-Bereich veröffentlicht wird. Opeth beherrschen nunmal die große Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden und trotzdem immer sie selbst zu bleiben. Und auch der Wechsel zu einem Major-Label hat die Kreativität in keinster Weise gebremst, im Gegenteil, Opeth sind und bleiben unkonventionell und nicht massenkompatibel.
  2. Gojira – The way of all flesh: Das neue Werk der französischen Prog/Avantgarde/Death/Thrash-Metaller Gojira mit ihren (für den Metal-Bereich) ungewöhnlichen Öko- und Umweltschutztexten habe ich mir erst Anfang Dezember zugelegt, trotzdem hat sich The way of all flesh direkt auf Platz 2 meiner Jahrescharts gespielt. Es hat zwar noch nicht so extrem bei mir gezündet wie der überragende Vorgänger From Mars to Sirius, aber dieser abgefahrene und doch eingängige Trip mit seinen Meshuggah-Riffs und dem phänomenalen Drumming ist ein echter Knaller.
  3. Bloodbath – The fathomless mastery: Opeth-Frontmann Mikael Akerfeldt zum Zweiten. Nach seiner Rückkehr zum Oldschool-Death Metal Projekt Bloodbath und einer tollen EP folgte dieses großartige Album. Spaßiger, perfekt inszenierter DM, was will man mehr?
  4. Agrypnie – Exit: Wenn schon kein neues Nocte Obducta-Album, dann halt ein Werk einer der Nachfolgebands. Agrypnie, die Band von Nocte-Sänger Torsten, spielen Musik in der Tradition von Nocte, also avantgardistischen Black Metal, wobei das Black stark zurück geschraubt ist. Erreicht lange nicht die Klasse Nocte Obductas, ist aber nichts desto trotz tolle Musik.
  5. RPWL – The RPWL Experience: Einziges Nicht-Metal-Album in dieser Liste, Glückwunsch an die bayrischen Progressive Rocker von RPWL. Gutes Album, vielleicht ein Stückchen zu massentauglich, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Songs des Jahres:

  1. Opeth – Hessian Peel: Einer der besten Opeth-Songs überhaupt, keine Frage dass das auch die Nummer 1 des Jahres sein muss. Phänomenal.
  2. Gojira – The art of dying: Irrer Longtrack mit folkloristischem Intro, brutalem Mittelteil und erhabenem Outro. Ganz großes Kino.
  3. Bloodbath – Blasting the Virginborn: Martialischer Titel, immer nach vorne und feste drauf, dabei technisch Hochklasse: dieser Song der EP Unblessing the purity hat alles was die neueren Bloodbath ausmacht.
  4. Lunatic Soul – The final truth: Das erste Soloalbum von Riverside-Frontmann Mariusz Duda ist mir insgesamt etwas zu ruhig geraten, aber dieser Song ist einfach klasse. Ruhiger Beginn, großartiger Spannungsaufbau und dann Entladung im fast schon pathetischen Schluss. Toll.
  5. Gojira – Adoration for none: Ein zweiter Opeth-Song oder ein zweiter Gojira-Song? Schwere Entscheidung, aber ich gebe den Franzosen dann doch den Vorzug. Wer mich trotz Metalcore-Vocals (von Gastsänger Randy Blythe, Lamb of God) so wegblasen kann, der hat’s einfach verdient.

Konzerte des Jahres:

  1. Opeth (Köln, Live Music Hall)
  2. Roger Waters (Landgraaf, Open Air)
  3. Nile, Behemoth, Grave et al. (Essen, Turock)
  4. Pure Reason Revolution (Verviers, Spirit of 66)
  5. RPWL (Verviers, Spirit of 66)

Hoffnungen an 2009:

  1. neues Pure Reason Revolution-Album
  2. „neues“ Nocte Obducta-Album
  3. irgendwas Neues von Porcupine Tree

Musikalisch war das Jahr recht gut. Ich habe allerdings eine Menge interessante Alben noch gar nicht hören können, das neue Werk von Meshuggah zum Beispiel. Enttäuschungen gab es nicht wirklich: von Lunatic Soul hätte ich mir etwas mehr erwartet, an die neuen Werke von Kataklysm (schwach), Metallica (besser als St. Anger, aber immer noch ein Witz) oder Aborted (blöder Metalcore) habe ich erst gar keine großen Erwartungen gestellt, die dann hätten enttäuscht werden können.

Fernsehserien/-sendungen des Jahres:

  1. How I met your mother (Pro7): Die Idee der Freunde-Sitcom ist natürlich alles andere als neu, aber so lustig umgesetzt wie hier hab ich das noch nicht gesehen. Und Barney ist einfach der lustigste Sidekick-Charakter überhaupt. Schade, dass Pro7 diesen Spaß nur am Samstag Mittag sendet, dort allerdings im tollen Umfeld von Malcom mittendrin und Scrubs (die neue Staffel Scrubs hat Pro7 zumindest Mittwochs Abends gesendet).
  2. Pushing Daisies (Pro7): Kitschig, makaber, lustig, bunt, albern … die Geschichten um den „Kuchenbäcker“, der per Berührung Leichen erwecken kann, sie aber innerhalb einer Minute mit einer weiteren Berührung wieder töten muss, da sonst ein anderer Mensch in der Umgebung stirbt, sind einfach herrlich. Liebenswerte Charaktere, brüllend komische Off-Kommentare, ein großer Spaß. Leider in den USA nach zwei Staffeln eingestellt, die Zweite läuft bei uns ab Januar.
  3. US-Wahlberichterstattung von The Daily Show und The Colbert Report (Comedy Central): So macht man das: Information, Medienschelte und Comedy in Einem, dankenswerterweise komplett und dauerhaft (!!!) im Netz anzuschauen. In Deutschland kriegt man sowas ja nicht hin. Harald Schmidt plant aber gerüchteweise nach dem Aus von Schmidt & Pocher ein ähnliches Format wie das von Jon Stewart für 2009. Mal sehen was das gibt.

Braune Bescherung

Dezember 24, 2008

Bevor das Fest der Liebe und die damit verbundene Schlemmerei richtig los geht, gab es eben in Aachen nochmal die Gelegenheit, ausgiebig ein paar Menschen zu hassen und zu verachten. Neonazis um den Kölner Hitler-Fan und verurteilten Volksverhetzer Axel Reitz hatten für den heutigen Tag eine Demonstration angemeldet, die ihnen auch genehmigt wurde. Hintergrund war eine Demo, die die Neonazis am 08. November, am Vorabend des Reichsprogromnachts-Jahrestages, durchführen wollten. Diese Demo war ihnen von der Stadt Aachen erst verboten worden, das angerufene Bundesverfassungsgericht hob das Verbot allerdings auf. Die Nazis wollten damals am Hauptbahnhof losmarschieren, die massive Gegendemonstration verhinderte dies aber, so dass die Polizei die Demonstration schließlich abbrach. Als Rache für diese Intervention der Aachener Bürger also nun die neue Demo um 10.00 Uhr am Heiligabend.

Vom Stadtrat und den Parteien erfuhr die Gegendemo heute wenig Unterstützung. Obwohl man immer wieder bekundet, man wolle rechtsextremen Umtrieben mit allen Mitteln begegnen, entschied das Aachener „Bündnis gegen Rechts“ unter Oberbürgermeister Jürgen Linden, die Neonazis mit dem Motto „Aktive Ignoranz“ weitgehend zu ignorieren. Am Wochenende und in den letzten Tagen verteilten Stadtratsmitglieder zwar Poster mit dem Slogan „Wir sind Aachen. Nazis sind es nicht“ zum ins-Fenster-Hängen und gestern Abend wurde am Oppenhoff-Mahnmal eine Kundgebung durchgeführt. Doch wie man mit Ignoranz Neonazis bekämpfen will, das verstehe ich nicht. Eher habe ich das Gefühl, dass sich die feinen Damen und Herren der Stadt von den Nazis nicht den schönen Tag versauen lassen wollten. Wie toll Wegsehen und Ignorieren gegen Nazis wirkt, das sollte den Deutschen doch schmerzhaft in Erinnerung sein.

Vielleicht wegen der mangelnden Unterstützung der Stadt (die immerhin an ihren Gebäuden – Sozialamt und Gesundheitsamt – am Bahnhof fast alle Fenster mit den Anti-Nazi-Postern bekleben ließ) fanden sich dann auch relativ wenig Gegendemonstranten vorm Hauptbahnhof ein. Da die Polizei weiträumig abgesperrt hatte ist es schwer zu schätzen, wie viele Leute an den verschiedenen Sperren standen, ich würde mal auf knapp 500 tippen, zur Mitte der Veranstaltung hin vielleicht ein paar mehr, am Ende weniger. Die Anzahl Neonazis ist ebenfalls schwer einzuschätzen, da man nie auch nur in deren Nähe kam und die Polizei mit ihren Wagen meist die Sicht versperrte. Ich würde mal 20-30 Rechte schätzen. Diese erzählten sich erst ein paar (leider nicht verständliche) Märchen auf dem Bahnhofsplatz und zogen dann, begleitet von Polizei und Gegendemo, zum Theaterplatz. Auch hier schien es nochmal einen Vortrag zu geben, bevor es dann zurück zum Bahnhof ging. Gesamtdauer der Trauerspiels waren vielleicht 3 Stunden. Insgesamt blieb es soweit ich das erkennen konnte friedlich. Ein leerstehendes Gebäude am Bahnhof wurde vor Eintreffen der Nazis kurz von der Antifa gestürmt, die ein großes Banner aushing, das aber bald wieder entfernt wurde (hätte aber wirklich niemandem außer dem rechten Pack wehgetan, das hängen zu lassen). Am Theater flogen ein paar Tomaten auf Polizei und Nazis, aber auch hier passierte nicht viel, die Polizisten zogen nur ihre Helme auf.

Ich bin zwar etwas enttäuscht von der geringen Resonanz innerhalb der Bevölkerung (Weihnachten ist jedes Jahr, aber die Neonazis kommen hoffentlich nur einmal, da wird man den Hintern doch wohl mal aus dem Sessel bewegen können), aber insgesamt war das Zeichen doch wieder deutlich. Und wenn es den Nazis nicht reichte: sollen sie doch wiederkommen. Wir kommen auch wieder, versprochen.

Gesundheitsamt geschmückt

Gesundheitsamt geschmückt

Sozialamt geschmückt

Sozialamt geschmückt

Besetzung

Besetzung

Unscharfe Nazis vor Theater mit Reichsflagge und Polizeischutz

Unscharfe Nazis vor Theater mit Reichskriegsflagge und Polizeischutz

Und nun: allen ein frohes Weihnachtsfest. Nur den Nazis nicht. Möge euch der braune Braten im Hals stecken bleiben.

Nachtrag: In der Bildergalerie der Aachener Zeitung (die Aachener Nachrichten benutzen natürlich die gleiche) ist neben Reitz auch Christian Worch zu erkennen, auf meinem Bild nur sehr unscharf in brauner Jacke über der Reichskriegsflagge. Neonaziprominenz, lustig.

Studierendenparlament eskaliert

Dezember 18, 2008

In der vorgestrigen Sitzung des Studierendenparlaments (SP) ging es zur Jahreszeit unpassend reichlich derb und feindselig zu. Ursache dafür war im Prinzip der Konflikt zwischen Türken und Kurden. Was sowas im SP einer deutschen Uni zu suchen hat? Nun, die Geschichte ist etwas kompliziert, aber ich versuche mal, dass soweit ich es verstanden habe aufzudröseln. Ich habe, das vorneweg, kaum Ahnung von der Problematik des Türkisch-Kurdischen Verhältnisses, der geschichtlichen Hintergründe und aktuellen Entwicklungen. Zu diesem Komplex werde ich deshalb keine Stellung beziehen, nur zu den Ereignissen im SP.

Der Türkische Akademikerbund (TAB), ein an der Uni ansässiger Verein, hat vor kurzem eine Veranstaltung an der Uni abgehalten, zu der als Gastredner ein türkischer Wissenschaftler namens Prof. Yusuf Halaçoğlu eingeladen wurde. Dieser ist anscheinend eine reichlich umstrittene Person und gilt einigen als Radikalnationalist, vertritt anscheinend die Rassenlehre und ist als Volksverhetzer verurteilt worden. In der letzten SP-Sitzung kam die Veranstaltung zur Sprache, da sich der TAB an einen der AStA-Vorsitzenden gewendet hatte, um einen Raum für die Veranstaltung zu bekommen. Die Opposition erhob deswegen Vorwürfe gegen den Vorstand, der sich daraufhin von der Veranstaltung und teilweise vom TAB distanzierte. Zur aktuellen Sitzung erschienen nun Vertreter des TAB, um ihren Verein vorzustellen und die Veranstaltung zu erklären. Ebenfalls anwesend waren Vertreter des Kurdischen Studierendenverbands YXK. Diese wollten vom AStA-Vorstand wissen, warum dieser einen ihrer Finanzanträge abgelehnt hatte (obwohl die Möglichkeit besteht, einen solchen Antrag über das SP durchzusetzen – einen entsprechenden Antrag gab es dann später auch und das SP stimmte ihm zu). Mir erschien es allerdings eher so, dass beide Gruppierungen weniger daran interessiert waren, über Sachthemen zu diskutieren und abstimmen zu lassen, als darum, die jeweils andere Seite anzugreifen, einzuschüchtern und zu beleidigen. Und so artete die Diskussion über die als zwei verschiedene TOPs behandelten Themen naturgemäß völlig aus. Einige Vorwürfe und Bemerkungen waren absolut unglaublich.

Ich kann die Diskussion nicht chronologisch wiedergeben, dafür war das Ganze viel zu chaotisch. Ich habe mir aber die aus meiner Sicht bemerkenswertesten Ereignisse und Ausrufe notiert und werde sie nun stichpunktartig abhandeln. Namen werde ich dabei nicht nennen, die Redner nach Möglichkeit nur ihren Listen oder Vereinigungen zuordnen. (mehr…)

Opeth in Köln

Dezember 11, 2008

Meine Lieblingsband, phantastisches neues Album, Pflichttermin gestern in der Kölner Live Music Hall.

Losgehen sollte es um 20.00 Uhr. Ich dachte mir schon, dass die Autobahn von Düsseldorf in die Feindesstadt nicht frei sein würde, fuhr also schon um Viertel vor 7 los. Trotzdem verpasste ich dank Stau und grausiger Parkplatzsituation rund um die Halle die ersten Minuten der ersten Supportband The Ocean, die scheinbar überaus pünktlich um 8 begonnen hatten. Die Halle war schon gerappelt voll, seit vergangenem Wochenende war das Konzert ausverkauft. Viele Leute standen aber noch vor der Tür, bei Opeth würde es wohl extrem kuschelig werden (wurde es dann auch).

The Ocean mit ihrem doomig-sludgigen Experimental-Metal mit Hardcore-Vocals brachten mich nicht so wirklich in Stimmung. Nichts unaushaltbares, aber auch nichts, was ich mir öfter anhören würde. Nach einer halben Stunde war’s dann vorbei, Gelegenheit für mich, mich noch ein Stück nach vorne und in die Mitte vorzukämpfen. Support Nr. 2 waren nach einer erfreulich kurzen Umbaupause von 15 Minuten Cynic. Auf die war ich relativ gespannt. Cynic hatten 1993 ihr erstes Album veröffentlicht, auf dem sie progressiven Metal mit Jazzeinflüssen spielten. Kurze Zeit später trennte sich die Band, feierte dann letztes Jahr ihr Comeback und brachte dieses Jahr ein neues Album raus. Wirklich überzeugen konnten sie mich aber auch nicht. Technisch war das Ganze zwar auf extrem hohem Niveau und interessant anzuhören, aber mitreißend war es nicht. Und der größtenteils vocoderverzerrte Gesang war eher nervig. Auch Cynic spielten nur 30 Minuten, war also ok. Die folgende Umbaupause war jetzt wesentlich länger, erst um 21.45 Uhr gingen die Lichter aus und Opeth betraten unter frenetischem Jubel die Bühne. Mittlerweile war es im vorderen Bereich der Halle so eng, dass ich die Arme zum Klatschen kaum noch über den Kopf kriegte. Vor dem Körper klatschen ging gar nicht mehr, dass hätte mein Vordermann im Rücken gespürt.

Die schwedischen Großmeister des progressiven Death Metal um Frontgenie Mikael Akerfeldt begannen rasant mit dem heftigen Opener des aktuellen Albums, Heir Apparent. Der Sound war beim ersten Song noch nicht gut eingestellt, Akerfeldts Gesang war kaum zu hören (schade, denn Heir Apparent ist der bisher einzige Opeth-Track, bei dem kein Mal clean gesungen wird, und Akerfeldts Growls sind einfach unschlagbar großartig), das Schlagzeug im Verhältnis zu den anderen Instrumenten viel zu laut. Beim zweiten Song, The Grand Conjuration vom Vorgängeralbum Ghost Reveries, war der Sound dann wesentlich besser. Der Gesang war jetzt super zu verstehen und nur die Drums noch einen Tick zu dominant. Insgesamt war der Sound nun aber sehr gut, vor allem erfreulich klar und nicht zu laut.

Nach Song Nr. 2 war es Zeit für die erste Ansprache von Herrn Akerfeldt (der sich später bei der Bandvorstellung den Namen „Gabi“ für diesen Abend aussuchte). Diese sind defintiv ein Highlight eines Opeth-Konzerts, nämlich wirklich wirklich lustig. Wenn man’s nicht selber hört ist es schwer, die Lustigkeit der ruhig und ironisch vorgetragenen Ansprachen zu nachzuvollziehen, aber wenn man weiß, dass viele Metalbands auch in den Ansprachen zwischen den Songs nicht auf Gebrüll, wilde Posen und obszöne Gesten und Rufe Richtung Publikum verzichten (ok, als das Publikum ihn ausbuhte, weil Akerfeldt mitteilte, er fühle sich etwas krank, werde aber trotzdem versprechen, 60% von dem zu geben, was er sonst leiste, zeigte er grinsend den Finger), sind Akerfelds ruhige Vorträge noch doppelt so lustig. Er trug übrigens ein „Conan, der Barbar“ T-Shirt („You like the Shirt? Yes? But you don’t have one. I have it!“ und später „Do you know the movie? It’s the second one.“ bejahende Rufe „But it sucks!“).

Weiter ging es mit Godhead’s Lament vom 99er Album Still Life. Anschließend spielte die Band das ruhige Face of Melinda vom gleichen Album an, brach aber wieder ab und Akerfeldt erklärte, sie hätten einfach zu viele „Masterpieces“ und könnten sich deshalb nicht wirklich entscheiden. Die Rufe nach dem 20-Minüter Black Rose Immortal quittierte er mit dem Hinweis, man würde jetzt das neue Scooter-Album spielen. Statt dessen gab es aber das irre The Lotus Eater vom neuen Album, live auch ein echter Kracher mit sehr sehr mächtigen Blastbeats von Drummer Martin Axenrot. Dann wurde es Zeit für einen ruhigen Track vom Ausnahmealbum Damnation (Ausnahme weil großartig – aber das sind alle Opeth-Alben – und weil es das einzige Nicht-Metal-Album der Band ist), diesmal war Hope Leaves dran. Sehr schön. Mit Deliverance vom gleichnamigen Album wurde es dann wieder brachial, besonders der Schlusspart ist der Hammer. Und dann war’s auch schon fast rum, als letzten Song des regulären Sets gab es den Killertrack Demon Of The Fall von My Arms, Your Hearse. Das waren zwar nur 7 Songs, aber die hatten dann doch schon fast 75 Minuten gedauert, kurze Songs sind halt bei den Schweden nicht unbedingt zu finden. Als Zugabe folgte dann noch The Drapery Falls vom 2001er Blackwater Park. Mein absoluter Lieblings-Opeth-Song, nur genial. Und nach insgesamt 90 Minuten war das Konzert um 23.15 Uhr vorbei.

Nun, was soll ich noch sagen. Opeth haben damit wohl nicht nur das Album des Jahres (es sei denn, das leider auf den 18.12. verschobene neue Nocte Obducta-Album haut mich völlig aus den Socken) sondern auch das Konzert des Jahres hingelegt. Da verzeihe ich auch den wie schon beim letzten Mal (damals mit Anathema) eher schwachen Support. Von mir aus hätten Opeth nochmal eineinhalb Stunden spielen können. Ich hätte mir noch so einige Song gewünscht. Hessian Peel, den besten Song des Jahres und das kitschige Burden vom neuen Album hätte ich zum Beispiel zu gerne live gehört. Oder Bleak, den zweitbesten Opeth-Song aller Zeiten nach The Drapery Falls. Oder etwas von den ersten beiden Alben. Oder When. Oder Blackwater Park. Oder oder oder.

Setlist:

  • Heir Apparent
  • The Grand Conjuration
  • Godhead’s Lament
  • The Lotus Eater
  • Hope Leaves
  • Deliverance
  • Demon of the fall
  • The drapery falls

Nennt mich Daniel!

Dezember 8, 2008

nikolausdebatte2008_artikel_wz

Glückwunsch, liebe WZ. Ihr habt es geschafft, meinen Vornamen im Artikel richtig und in der Bildunterschrift falsch zu schreiben und Daniels (also der richtige Daniel) Nachnamen im Artikel falsch und in der Bildunterschrift richtig. Aber trotzdem vielen Dank für den Bericht.

„Kriegsminister gibt’s nicht mehr“

Dezember 3, 2008

Wirklich, Nena?

kriegsminister

Verteidigungsminister Franz Josef Jung wird am kommenden Montag um 19.00 Uhr Gast der Düsseldorfer Rede des Düsseldorfer Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik (DIAS) sein. Das Ganze wird in Hörsaal 3A der HHU stattfinden, was (wie schon beim Besuch Jürgen Rüttgers’ neulich) bedeutet, dass große Teile der Philosophischen Fakultät vom Mittag an gesperrt sein werden. Diesmal wird sogar schriftlich per Aushang darauf hingewiesen, dass alle Fahrräder vor dem Gebäude am Montag entfernt sein müssen. Das muss man nicht für übertrieben halten, kann man aber.

Ich möchte im übrigen darauf hinweisen, dass ich mit dem Aktionsbündnis gegen Militarismus und Krieg, dessen Plakat überall in der Uni aushängt, nichts zu tun habe. Die Standpunkte des AMK zu militärischer Intervention und der Bundeswehr allgemein teile ich nicht und werde mich deshalb auch nicht an der Gegenveranstaltung beteiligen. Ich finde nur das Plakat sehr lustig und möchte das AMK bzw. dessen Slogan „Kein Friede den Kriegstreibern!“ für den Preis „Slogan-in-der-Tradition-von-Keine-Toleranz-der-Intoleranz! des Jahres“ nominieren.

Nachtrag 06.12.08: Herr Jung hat für Montag wegen „dringlicher Terminverpflichtungen“ abgesagt. Der neue Termin wird momentan verhandelt, so das DIAS. Und AMK und Fakultät haben völlig umsonst Unmengen an Plakaten gedruckt. Immerhin: die armen Fahrräder dürfen vorerst stehen bleiben.