Etwa einen Monat nach den großen Jahresrückblicken der Fernsehsender ist es nun auch für mich an der Zeit, 2008 abzuschließen. Allerdings beschränke ich mich auf musikalische und televisionale Dinge, heißt, ich küre meine persönlichen Highlight des vergehenden Jahres. Das neue Nocte Obducta-Album ist immer noch nicht angekommen und Amazon gibt als Lieferzeitraum nun Mitte Januar an, deshalb fällt Sequenzen einer Wanderung aus der Wertung leider raus. Es hätte sicher Chancen auf eine hohe Platzierung gehabt, aber so wird es halt wahrscheinlich ein erstes Highlight für 2009.
Alben des Jahres:
- Opeth – Watershed: Klarer Sieger. Sicher nicht das beste Opeth-Album; Knallern wie The Lotus Eater oder Hessian Peel stehen eher mäßig begeisternde Nummern wie Porcelain Heart oder Hex Omega entgegen. Aber auch ein mittelmäßiges Album der Schweden ist immer noch Welten besser als fast alles, was sonst so im Metal- oder Prog-Bereich veröffentlicht wird. Opeth beherrschen nunmal die große Kunst, sich immer wieder neu zu erfinden und trotzdem immer sie selbst zu bleiben. Und auch der Wechsel zu einem Major-Label hat die Kreativität in keinster Weise gebremst, im Gegenteil, Opeth sind und bleiben unkonventionell und nicht massenkompatibel.
- Gojira – The way of all flesh: Das neue Werk der französischen Prog/Avantgarde/Death/Thrash-Metaller Gojira mit ihren (für den Metal-Bereich) ungewöhnlichen Öko- und Umweltschutztexten habe ich mir erst Anfang Dezember zugelegt, trotzdem hat sich The way of all flesh direkt auf Platz 2 meiner Jahrescharts gespielt. Es hat zwar noch nicht so extrem bei mir gezündet wie der überragende Vorgänger From Mars to Sirius, aber dieser abgefahrene und doch eingängige Trip mit seinen Meshuggah-Riffs und dem phänomenalen Drumming ist ein echter Knaller.
- Bloodbath – The fathomless mastery: Opeth-Frontmann Mikael Akerfeldt zum Zweiten. Nach seiner Rückkehr zum Oldschool-Death Metal Projekt Bloodbath und einer tollen EP folgte dieses großartige Album. Spaßiger, perfekt inszenierter DM, was will man mehr?
- Agrypnie – Exit: Wenn schon kein neues Nocte Obducta-Album, dann halt ein Werk einer der Nachfolgebands. Agrypnie, die Band von Nocte-Sänger Torsten, spielen Musik in der Tradition von Nocte, also avantgardistischen Black Metal, wobei das Black stark zurück geschraubt ist. Erreicht lange nicht die Klasse Nocte Obductas, ist aber nichts desto trotz tolle Musik.
- RPWL – The RPWL Experience: Einziges Nicht-Metal-Album in dieser Liste, Glückwunsch an die bayrischen Progressive Rocker von RPWL. Gutes Album, vielleicht ein Stückchen zu massentauglich, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Songs des Jahres:
- Opeth – Hessian Peel: Einer der besten Opeth-Songs überhaupt, keine Frage dass das auch die Nummer 1 des Jahres sein muss. Phänomenal.
- Gojira – The art of dying: Irrer Longtrack mit folkloristischem Intro, brutalem Mittelteil und erhabenem Outro. Ganz großes Kino.
- Bloodbath – Blasting the Virginborn: Martialischer Titel, immer nach vorne und feste drauf, dabei technisch Hochklasse: dieser Song der EP Unblessing the purity hat alles was die neueren Bloodbath ausmacht.
- Lunatic Soul – The final truth: Das erste Soloalbum von Riverside-Frontmann Mariusz Duda ist mir insgesamt etwas zu ruhig geraten, aber dieser Song ist einfach klasse. Ruhiger Beginn, großartiger Spannungsaufbau und dann Entladung im fast schon pathetischen Schluss. Toll.
- Gojira – Adoration for none: Ein zweiter Opeth-Song oder ein zweiter Gojira-Song? Schwere Entscheidung, aber ich gebe den Franzosen dann doch den Vorzug. Wer mich trotz Metalcore-Vocals (von Gastsänger Randy Blythe, Lamb of God) so wegblasen kann, der hat’s einfach verdient.
Konzerte des Jahres:
- Opeth (Köln, Live Music Hall)
- Roger Waters (Landgraaf, Open Air)
- Nile, Behemoth, Grave et al. (Essen, Turock)
- Pure Reason Revolution (Verviers, Spirit of 66)
- RPWL (Verviers, Spirit of 66)
Hoffnungen an 2009:
- neues Pure Reason Revolution-Album
- „neues“ Nocte Obducta-Album
- irgendwas Neues von Porcupine Tree
Musikalisch war das Jahr recht gut. Ich habe allerdings eine Menge interessante Alben noch gar nicht hören können, das neue Werk von Meshuggah zum Beispiel. Enttäuschungen gab es nicht wirklich: von Lunatic Soul hätte ich mir etwas mehr erwartet, an die neuen Werke von Kataklysm (schwach), Metallica (besser als St. Anger, aber immer noch ein Witz) oder Aborted (blöder Metalcore) habe ich erst gar keine großen Erwartungen gestellt, die dann hätten enttäuscht werden können.
Fernsehserien/-sendungen des Jahres:
- How I met your mother (Pro7): Die Idee der Freunde-Sitcom ist natürlich alles andere als neu, aber so lustig umgesetzt wie hier hab ich das noch nicht gesehen. Und Barney ist einfach der lustigste Sidekick-Charakter überhaupt. Schade, dass Pro7 diesen Spaß nur am Samstag Mittag sendet, dort allerdings im tollen Umfeld von Malcom mittendrin und Scrubs (die neue Staffel Scrubs hat Pro7 zumindest Mittwochs Abends gesendet).
- Pushing Daisies (Pro7): Kitschig, makaber, lustig, bunt, albern … die Geschichten um den „Kuchenbäcker“, der per Berührung Leichen erwecken kann, sie aber innerhalb einer Minute mit einer weiteren Berührung wieder töten muss, da sonst ein anderer Mensch in der Umgebung stirbt, sind einfach herrlich. Liebenswerte Charaktere, brüllend komische Off-Kommentare, ein großer Spaß. Leider in den USA nach zwei Staffeln eingestellt, die Zweite läuft bei uns ab Januar.
- US-Wahlberichterstattung von The Daily Show und The Colbert Report (Comedy Central): So macht man das: Information, Medienschelte und Comedy in Einem, dankenswerterweise komplett und dauerhaft (!!!) im Netz anzuschauen. In Deutschland kriegt man sowas ja nicht hin. Harald Schmidt plant aber gerüchteweise nach dem Aus von Schmidt & Pocher ein ähnliches Format wie das von Jon Stewart für 2009. Mal sehen was das gibt.





