Unfehlbar, ja?

By Philipp Henn

Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von Katholiken-Bashing. Das mag zum Einen daran liegen, dass ich selber irgendwie einer bin (zumindest getauft wurde ich – die Erstkommunion habe ich aber aus freien Stücken abgelehnt, trotz großer Incentivierung – ich kleiner Rebel). Vor allem liegt es aber daran, dass ich der Meinung bin, dass die katholische Kirche bei allen ihren Makeln und Fehlern doch irgendwie auch Gutes tut. Sie unterhält Kindergärten, Seniorenbegegnungsstätten, Beratungsstellen, Hilfswerke und unterstützt Jugendvereine. Als Kindergartenkind und später als Pfadfinder habe ich immer davon profitiert.

Aber momentan geben sich der Vatikan und unser Papa Ratzinger wieder alle Mühe, meine Austrittsbestrebungen zu verstärken. Erst streckt man einem exkommunizierten Holocaustleugner die Hand zum Wiedereintritt hin und nun ernennt Benedetto einen Mann zum Weihbischof, der Harry Potter für ein Satanswerk hält und die Meinung vertritt, Umweltkatastrophen wie Katrina seien die gerechte Strafe für die Laster einer Stadt.

Nun könnte man ja eigentlich bezüglich ersterer Begebenheit sagen: Shit happens, Menschen machen Fehler. Aber – und hier korrigiere man mich, meine Kenntnis der katholischen Kirche ist nicht überragend – der Papst ist doch Gottes Vertreter auf Erden und als solcher unfehlbar, nicht? Sein Wort die Wahrheit und Gesetz, oder? Er kann also keinen Fehler gemacht haben, wenn er ein verlorenes Holocaustleugner-Schaf zurück in die Herde holen will. Dies – und das gibt mir doch ein Stück weit Hoffnung – ist aber, was viele Priester dem Papst jetzt mehr oder weniger direkt vorhalten. Leider befürchte ich, dass diese Leute, die jetzt Eier unter ihrem Messgewand zeigen (ja, ich weiß, haha) und den Vatikan kritisieren, niemals selber das höchste Amt der katholischen Kirche bekleiden werden. Denn beliebt macht man sich mit Papstkritik in Rom sicher nicht.

Es ist so traurig, dass es nicht mehr lustig ist. Und mit diesem Verhalten wird wohl auch das Gute, was die katholische Kirche noch produziert, irgendwann verschwinden. Schon jetzt müssen Kindergärten geschlossen, Pfarren zusammengelegt und Angestellte entlassen werden, weil Geld fehlt. Dies führt dann dazu, dass noch mehr Leute die Kirche verlassen, weil sie sich denken: „Ich bezahle, und wo geht das Geld hin? Die machen doch alles dicht!“ Ein Teufelskreis, und Harry Potter hat nicht mal seine Finger im Spiel.

2 Antworten zu „Unfehlbar, ja?“

  1. Schuster, bleib bei deinen Leisten « Philipp Henn’s Weblog sagt:

    [...] Momentan hat Benedikt XVI. einen richtigen Lauf was Imagemismanagement angeht. Nachdem er mit der angedeuteten Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft vielen Juden und eigentlich jedem, der sich ernsthaft über ein friedliches [...]

  2. Endlich behauptet: Christen sind die wahren Juden « Philipp Henn’s Weblog sagt:

    [...] Kirche aufgeregt: zunächst hatte Papst Benedikt XVI. der erzkonservativen Piusbruderschaft die Rückkehr in die Kirche angeboten, dann hatte er behauptet, Kondome verschlimmerten die AIDS-Katastrophe nur noch. In [...]

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