Archiv für März 2009

Zu den Waffen, Freunde!

März 24, 2009

Die Süddeutsche schreibt, dass die Stadt Stuttgart ein Computerspielturnier am kommenden Freitag abgesagt hat. Auf dem Turnier einer bundesweiten Liga für Computerspiele (scheint zur Electronic Sports League zu gehören) sollte unter anderem Counter-Strike gespielt werden. Den Familien und Angehörigen der Opfer des Amoklaufes von Winnenden sei man es schuldig, solche Veranstaltungen zur Zeit nicht in der Stadt zu akzeptieren, so Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) laut SZ.

Nun, als Signal für Gewaltverzicht kurz nach so einer schrecklichen Tat kann ich das Verbot einer solchen Veranstaltung in einer Stadt in unmittelbarer Nähe des Tatortes eigentlich verstehen. Allerdings frage ich mich, ob dann in nächster Zeit auch Schützenveranstaltungen und -turniere in Stuttgart und Umgebung abgesagt werden? Ich nehme an, dass dies nicht der Fall sein wird. Aber hey, mit echten Gewehren und Pistolen auf echte Zielscheiben zu schießen und den Schützennachwuchs auszubilden ist den Betroffenen des Amoklaufes gegenüber ja ein deutlich angemesseneres Verhalten.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

März 21, 2009

Ich muss zugeben: wenn ich Papst wäre, würde ich sicher auch alles versuchen, um das mir von der Bild-Zeitung übergestülpte Image des „Wir-sind-Papst“-Papstes so schnell wie möglich loszuwerden. Wer will schon von solch einem Schmutzblatt gefeiert werden? Momentan hat Benedikt XVI. einen richtigen Lauf was Imagemismanagement angeht. Nachdem er mit der angedeuteten Rehabilitierung der Pius-Bruderschaft vielen Juden und eigentlich jedem, der sich ernsthaft über ein friedliches Miteinander der Weltreligionen freut, vor den Kopf gestoßen hat, hat er sich nun ein neues Ziel ausgesucht. Mit seiner Äußerung, dass das AIDS-Problem nicht durch Kondome zu verbessern sei, sondern es im Gegenteil noch verschlimmere, hat er dabei jedem HIV-infizierten oder an AIDS erkrankten Menschen mit Anlauf einen Tritt verpasst. Und jeder mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Person natürlich auch.

Von mir aus kann dieser alte Mann ja glauben, was er will. Und wenn er und seine Kollegen denken, dass Sex etwas ganz böses ist, das man schön zu lassen hat, bis man ein paar dämliche Segensworte von einem Menschen erhalten hat, der selber ein heimliches Verhältnis mit seiner Haushälterin hat, dann finde ich das mehr als albern, aber es stört mich auch nicht besonders. Aber die unglaubliche Verfrorenheit zu besitzen und eine derartige Äußerung bei einem Afrikabesuch zu tätigen, wo bis zu 7% der Bevölkerung einiger Staaten HIV-infiziert sind, das erfordert meiner Meinung nach schon das Nichtvorhandensein jeglicher Menschlichkeit und ist nur noch ekelhaft. Was hat sich die katholische Kirche überhaupt zum Thema Sex zu äußern? Die alten Herren dürften doch eigentlich überhaupt keine Ahnung vom Thema haben. Das wäre ja so, als ob ich mich nun zu den Chancen und Risiken der Atomversuche im CERN äußern würde. Ich hab keine Ahnung was da passiert, aber hauptsache, ich schrei mal laut, dass ich das für zu gefährlich halte. Würde mich jemand ernst nehmen?

Einen sehr schönen Vergleich hat der großartige Jon Stewart gefunden. Er wundert sich nämlich, dass jemand, der glaubt, Menschen müssten sich nicht vor einer Gefahr schützen, selber stets in einem gut gepanzerten FahrzeugHier angucken. rumkurvt.

Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung

März 9, 2009

Die Einwohner des Dorfes Randerath bei Heinsberg hätten sich wohl nie träumen lassen, dass ihr Örtchen mal solch zweifelhafte Berühmtheit erlangen würde. Vor zwei Wochen war ein mehrfacher Kinderschänder, der nach Absitzen seiner Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden war, obwohl Gutachter ihn weiter für gefährlich halten, zu seinem Bruder in den Ort im Heinsberger Land gezogen. Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) warnte daraufhin die Bevölkerung vor dem Sexualstraftäter. Die Reaktionen waren vorhersehbar: Demonstrationen vor dem Haus des Bruders, Warnschilder in Schaufenstern, großes mediales Echo.

Nun absolvierte ich als diese Sache losging gerade ein Praktikum bei einer Aachener Lokalzeitung und bekam dadurch einen sehr interessanten Aspekt der Geschichte mit. Wie sollen nämlich die Presse und die Medien mit solch einem Fall umgehen? Diese Frage wurde in den Redaktionen auch sehr kontrovers diskutiert. Beide Blätter des Aachener Verlages entschieden sich zunächst dafür, nicht zu berichten um das Persönlichkeitsrecht des Entlassenen nicht zu verletzen. Denn auch ein verurteilter Straftäter besitzt in unserem Rechtsstaat Rechte, und darüber sollten wir eigentlich alle froh sein. Nachdem andere Medien sich aber selbstverständlich nicht zurückhielten, blieb auch den Aachener Zeitungen nichts anderes übrig, als über die Causa zu berichten. Dies passierte ausführlich, mit Pro- und Contra-Kommentaren und allem was dazu gehört. Mittlerweile beschäftigt das Thema auch überregional die Medien und ein Ende ist vorerst nicht abzusehen. Wie zu erwarten wurde gestern nun auch die erste Eskalationsstufe erreicht: die NPD marschierte auf. Die Rechten, die sich wie so oft als Garanten von Recht und Sicherheit aufspielten,  organisierten eine Mahnwache in Randerath und begaben sich dann unangemeldet zum Wohnhaus. Die Polizei griff ein und nahm 60 Rechte kurzfristig in Gewahrsam. Aber auch nach Ende der NPD-Veranstaltung musste die Polizei das Haus wieder gegen örtliche und angereiste Demonstranten beschützen. Es fehlen wahrscheinlich nur noch die Heugabeln und Fakeln um den typischen Frankenstein- oder Simpsons-Lynchmob zu produzieren.

Nun, was ist von solch einer Sache zu halten? Sollen oder müssen Politiker und Medien vor Sexualstraftätern warnen? Meine Meinung: ganz eindeutig nein! Zwar kann ich die Sorge der Randerather nachvollziehen. Aber man muss doch überlegen, was für einen Präzedenzfall man hier schafft. Soll in Zukunft über jeden Kinderschänder informiert werden? Und wo zieht man dann die Grenze? Muss man die Bevölkerung nicht auch vor entlassenen Vergewaltigern (nicht an Kindern) warnen? Vor entlassenen Mördern? Totschlägern? Täter, die einen Mord oder Totschlag versucht haben? All solche Leute könnten eine Gefahr darstellen, über die ich als Nachbar gerne Bescheid wüsste, oder nicht? Eine solche Situation wäre das Ende unseres Rechtsstaates, das Ende der persönlichen Freiheit und das Ende des Datenschutzes. Und das kann außer der NPD doch niemand wollen.

Außer Frage steht natürlich, dass es ein Skandal ist, dass ein Sexualstraftäter, dem Gutachter eine hohe Rückfallquote zurechnen, nicht in Sicherungsverwahrung genommen wird. Aber dies ist eine Fragestellung, die mit der Frage nach der Unterrichtung der Bevölkerung nicht direkt etwas zu tun hat. Denn wenn erst einmal über laut Gutachten gefährliche Menschen informiert wird, dann wird die Bevölkerung doch sicher auch wünschen, über alle potentiell gefährlichen Ex-Häftlinge unterrichtet zu werden. Die könnten ja schließlich auch rückfällig werden. So ein Gutachter kann sich ja mal irren.

Und dann ist da noch die Frage der Verantwortung. Ist ein Landrat verantwortlich, wenn ein Täter rückfällig wird und er, der Landrat, die Bevölkerung nicht gewarnt hat? Und wenn er sie doch gewarnt hat? Was, wenn der Kinderschänder gelyncht wird? Bitte liebe Deutsche, lasst es nicht zu, dass wir uns mit solchen Fragen befassen müssen. Dann wären wir nämlich mit einem Schlag aus der Moderne in die Vergangenheit gerutscht. Und dabei sind wir doch immer so stolz, dass wir so modern sind und nicht so rückständig wie diese bösen bösen islamischen Staaten mit ihrer Lynchjustiz zum Beispiel…

Gojira – The way of all flesh

März 7, 2009

cover_160x160In meinen Jahrescharts 2008 habe ich dieses Album auf den zweiten Platz gewählt. Doch nach erneuter Heavy Rotation in den letzten Wochen würde ich ihm jetzt fast den Vorzug vor Opeth’ Watershed geben. Und auch meine anfängliche Meinung, dass The way of all flesh nicht ganz an den genialen Vorgänger From Mars to Sirius rankommt, habe ich mittlerweile revidiert. Zeit für eine ausführlichere Rezension.

Gojira sind eine vier Mann starke Band aus Frankreich. So weit, so gut. Schwierig wird es jetzt zu beschreiben, was für Musik genau die Brüder Joe (vocals, guitars) und Mario Duplantier (drums), Christian Andreu (guitars) und Jean-Michel Labadie (bass) spielen. Metal ist es auf jeden Fall. Die Richtung zu bestimmen ist komplizierter. Death Metal ist enthalten, auch die Bezeichnung Thrash Metal könnte passen. Und progressiv ist das Ganze. Mit Industrial-Einschlag. Progressive Thrash/Death/Industrial Metal könnte man sagen. Teilweise erinnern Gojira auch an die Math-Metal-Götter Meshuggah, die quitschenden Gitarrenriffs zum Beispiel. Aber auch das ist nur eine entfernte Verwandtschaft. Komplexe Songs, technische Versiertheit ohne selbstverliebtes Rumgewichse, eingänige Melodien, all das macht Gojira aus. Herausstechendstes Merkmal der Band sind aber die Texte. Die befassen sich nicht wie im extremen Metal meist üblich mit Tod, Teufel und Vernichtung, sondern mit Umweltschutz und Ökologie. Sonst ja eher Metiér von Hippies oder den Bonos dieser Welt. In Gojiras Texte, von Joe Duplantier heiser herausgeschrien, wird aber nicht einfach die grüne Moralkeule geschwungen. In teils mystischen, sci-fi- oder fantasygeschwängerten, düsteren Texten wird die Zerstörung der Natur und der Mutter durch den Menschen angeprangert. Dabei kommen die Franzosen ohne übermäßigen Pathos und Kitsch aus. Intelligente, sozial engagierte Texte, das gibt es im Metal leider auch viel zu selten. Aber widmen wir uns den Songs des 2008er Werkes The way of all flesh (vierter Longplayer der Band) mal Schritt für Schritt. (mehr…)

Was Internetsurfer wollen: Gruppensex und Nico Schwanz

März 2, 2009

Ich habe mich ja bereits einmal darüber gewundert, dass ein bestimmter Suchbegriff viele Besucher via Google auf mein Blog lockt. Seit dem diesjährigen Dschungelcamp hat sich neben Gruppensex ein zweiter Topbegriff herauskristallisiert:

suchbegriffe

Dabei geht es in meinem einen Artikel, in dem Nico Schwanz erwähnt wird, gar nicht primär um ihn (dafür – wie schon beim Gruppensex – um Bild.de). Trotzdem landen täglich 2-3 Googlenutzer auf der Suche nach Nico Schwanz bei mir.

Also, wichtiger Hinweis für alle Blogger, die mehr Besucher wollen: baut einfach wahlweise das Wort Gruppensex oder den Namen Nico Schwanz in eure Überschriften ein, et violà, die Besucher kommen ohne dass ihr dafür irgendwas leisten müsst. Bin ja mal gespannt, was die heutige Überschrift so bewirkt.

(Allerdings muss ich der Richtigkeit halber erwähnen, dass mein Name noch in zahlreichen Varianten wie philipp-henn auftaucht und insgesamt auf 102 Treffer kommt. Ich schlage Gruppensex und Schwanz also doch.)