Zwei Mal habe ich mich in letzter Zeit schon über die katholische Kirche aufgeregt: zunächst hatte Papst Benedikt XVI. der erzkonservativen Piusbruderschaft die Rückkehr in die Kirche angeboten, dann hatte er behauptet, Kondome verschlimmerten die AIDS-Katastrophe nur noch. In seiner Osterpredigt hat der Augsburger Bischof Walter Mixa nun vergangene Woche wieder Sachen von sich gegeben, die mich ehrlich fassungslos zurücklassen.
„Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen“, sagte Mixa. „Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet.“ Er sieht im Atheismus also eine Ursache für Diktaturen verschiedener Couleur? Selbst wenn man einmal völlig davon absieht, wie unzählig viele Menschen in der Geschichte der Menschheit im Namen Gottes (oder verschiedener Götter) umgebracht wurden, ist diese Bemerkung meiner Meinung nach völliger Schwachsinn. Ist es nicht eher so, dass Diktatoren allgemein nicht viel von der Kirche halten können/dürfen, da eine mächtige Institution neben ihrem Apparat ihnen nur schadet? Atheismus müsste demnach eine Folge von Faschismus oder Kommunismus sein, nicht aber eine Ursache. Oder sehe ich das so völlig falsch?
Aber Mixa legte noch nach. In Systemen wie dem Nationalsozialismus oder dem Kommunismus seien Christen immer besonders verfolgt worden. In Hinblick auf die Judenverfolgung ist diese Bemerkung meiner Meinung nach eine Unverschämtheit. Zwar sind im dritten Reich auch Christen verfolgt worden, aber meines Wissens nach nicht grundsätzlich wegen ihrer Religionszugehörigkeit – anders als die Juden, die als Volk völlig ausgelöscht werden sollten – sondern weil sie sich nicht bedingungslos unterordnen wollten.
Ich weiß nicht, ob ich in letzter Zeit besonders empfindlich bin, aber irgendwie habe ich den Eindruck, als bemühten sich die katholische Kirche und ihre Oberen in letzter Zeit, jedes denkbare Fettnäpfchen mitzunehmen. Woran das liegen mag, verschließt sich mir völlig. Vielleicht ist es Penisneid dem Islam gegenüber, da einige wenige Muslime in den letzten Jahren massiv die Sau rausgelassen haben, und die alten Herren an der Spitze der katholischen Kirche insgeheim auch gerne wieder Macht durch die Verbreitung von Angst und Schrecken erlangen würden? Jedenfalls bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mich der Gedanke, diesem Verein anzugehören (wenn auch nur durch Taufe, gegen die ich mich nicht wehren konnte – den ganzen anderen Kram habe ich nicht mit mir machen lassen), ernsthaft beschämt und ich erwäge, formal aus der Kirche auszutreten, nur um mein Gewissen nicht weiter zu beschmutzen. Vielen Dank dafür.
Noch unter dem Eindruck des fantastischen Konzerts am vergangenen Donnerstag wird es Zeit für eine Rezension des großartigen zweiten Albums der britischen Band