Kein Spiel mehr

By Philipp Henn

Die große Koalition hat sich auf eine Verschärfung des Waffenrechts verständigt. Doch anstatt den Privatbesitz von Waffen einzuschränken, will man unangekündigte Kontrollen bei Waffenbesitzern einführen … und Spiele wie Paintball/Gotcha und Lasergame verbieten (wobei das nicht ganz richtig ist, da Lasergame bereits verboten ist). Und damit beweist die Politik mal wieder, dass sie a) kein Interesse daran hat, die Waffenlobby zu verärgern, und b) die Bürger auf den Arm nehmen will.

Bei Freizeitaktivitäten wie Paintball würde das Töten simuliert, so der Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach. Und das, so wahrscheinlich die weitere Überlegung, könne zu Amokläufen führen. Ein Gewaltforscher der Uni Münster, der gestern im Fernsehen dazu interviewt wurde, ist da anderer Meinung. Er sagte, Spiele wie Paintball seien Mannschaftsspiele, Amokläufer aber Einzelgänger. Deswegen sei es nicht wahrscheinlich, dass sich amokgefährdete Jugendliche ausgerechnet Paintball als Training suchten. Und mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass der Mann Recht hat. Paintball habe ich noch nicht gespielt, wohl aber Lasergame (in Holland). Ein Alleingang ist in solchen Spielen sinnfrei, man muss als Mannschaft vorgehen. Im übrigen habe ich damals keinen Funken Aggression oder Frust verspürt, sondern einfach eine Menge Spaß gehabt. Die Gruppendynamik bei solchen Teamspielen, so der Gewaltforscher weiter, würde eher für einen Aggressionsabbau sorgen.

Von einem Verbot von Spielen wie Paintball ist der Schritt zum Verbot „Killerspielen“ am PC natürlich nicht mehr weit. Erstaunlich, dass trotzdem zuerst die „Real Life“-Varianten verboten werden, ist doch soweit ich weiß von keinem Amokläufer bekannt, dass er sowas spielte.

Wenn man die Überlegungen der Koaltion weiterführt, müsste man dann nicht auch Kindern verbieten mit Spielzeugpistolen, ob gekauft oder selber gebastelt, Räuber und Gendarme oder Cowboy und Indianer zu spielen? Immerhin geht es da auch ums Töten und es gibt meistens keine Schiedsrichter, wie das bei Paintball der Fall ist. Und was ist mit der Bundeswehr? Ist das nicht der größte „wir bringen euch das Töten bei“-Verein im Lande? Bei Paintballspielen in Deutschland ist Tarnkleidung oder Uniformierung übrigens verboten. Eigentlich kann man über diese Politik nur noch lachen, alles andere ist zu frustrierend.

Nachtrag 14.05.09: Na sieh mal einer an: auf einmal hat sich die Große Koalition entschieden, Paintball vorerst doch nicht zu verbieten. Da scheint den Damen und Herren bewusst geworden zu sein, dass ihr Vorschlag wohl doch nicht so gut beim Volk ankommt. Man wisse noch nicht genug darüber, wie gefährlich das Spiel wirklich sei, so ein CDU-Innenpolitiker. Ach, dass sich die Damen und Herren mit der Materie gar nicht wirklich befasst haben und einfach mal vorschnell ein Verbot vorgeschlagen haben, damit hätte ich ja jetzt kaum gerechnet.

Eine Antwort zu „Kein Spiel mehr“

  1. cindylooia sagt:

    Ich finde deinen Vergleich mit Spielzeugpistolen (oder Schwertern) bei Kindern absolut gerechtfertigt und sehe den Sinn dieser Maßnahmen wirklich nicht.
    Heute morgen im Radio sprach ein Paintball-Mensch (keine Ahnung, ob das irgendein Vereinsvorsitzender war oder was auch immer), der sagte, dass beim Paintball nicht wirklich das Töten von Menschen simuliert wird, sondern es ist vielmehr so, dass die getroffene Person aus dem Spiel ausscheidet, wie wir es ja von vielen anderen Spielen auch kennen.
    Besagte Person wies nachdrücklich daraufhin, dass beispielsweise Boxen ein viel gefährlicherer Sport ist, weil es ja dabei wirklich darum geht, dem Anderen so viel Schaden wie möglich zuzufügen und ihn zu verletzen, bis er nicht mehr kann.
    Die vorgeschlagenen Maßnahmen führen zu einer weiteren Tabuisierung des Themas und schüren eine Hysterie. Das eigentliche Problem ist doch die Fähigkeit zwischen Spiel und Realität unterscheiden zu können. Das Spiel ist eine Form zu lernen, wie die Welt funktioniert. Wenn wir nur noch mit Blumen und Seifenblasen spielen, werden wir der Realität darum nicht leichter, sondern möglicherweise überhaupt nicht mehr Herr.

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