Vor zwei Wochen fand die konstituierende Sitzung des neu gewählten Studierendenparlamentes statt. Eine Koalition aus Juso HSG, LHG und Multi-Kulti-HSG stellt nun, unter Duldung von RCDS und Die Partei HSG, den AStA. Neuer AStA-Vorsitzender ist Andreas Jentsch von der Juso HSG.
Bisher habe ich das Ganze nicht kommentiert, da ich als Mitglied des Wahlausschusses neutral bleiben wollte. Das ist aber nun vorbei, die Wahl ist gelaufen, und eine Kleinigkeit möchte ich anmerken.
Nicht die Tatsache, dass die neue Koalition versucht hat, fast jede Aussprache in der Sitzung durch Anträge auf Schluss der Rednerliste ganz am Anfang von Tagesordnungspunkten, Begrenzung der Redezeit auf 1 Minute usw. zu verhindern (was man für undemokratisch halten könnte). Auch nicht die Tatsache, dass die Fachschaftenliste, die die meisten Sitze im SP erhielt, nicht an der AStA-Koalition beteiligt wurde (was meiner Ansicht nach aber vertretbar ist). Und auch nicht den kleinen Nazi-Skandal, den ein Mitglied der Partei HSG verursachte, der Liste, die den neuen SP-Präsidenten stellt (da war ich allerdings schon nicht mehr da). Nein, mir geht es um eine kleine Bemerkung, die dem – da noch aktiven, jetzt ehemaligen – „Chefredakteuer“ (ViSdP) der Campus Delicti an den Kopf geworfen wurde.
Dieser stellte nämlich dem AStA-Vorsitz-Kandidaten einige kritische Fragen, was den zukünftigen Umgang mit dem Pressereferat anging, worauf er von Seiten der neuen Koalition als „Tendenzjournalist“ bezeichnet wurde. Und das ist interessant. Ich möchte gar nicht behaupten, dass der entsprechende Redakteur seine Fragen nicht leicht „parteiisch“ stellte. Immerhin verlor er gerade seinen Job. Die Campus Delicti selber war aber meinem Empfinden nach in der letzten Legislaturperiode alles andere als parteiisch. Nicht nur war der ViSdP listenlos, auch war noch kürzlich ein Interview mit den ehemaligen AStA-Vorsitzenden Rainer Matheisen (LHG) und Philipp Tacer (Juso HSG) in der Zeitung, welche damals noch in der Opposition waren und trotzdem eines ihrer Projekte (die Initiative „Studenten für Düsseldorf“) vorstellen konnten. Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht darum, dass die ehemalige Opposition, jetzt wieder Koalition, sich scheinbar selber nie darum scherte, ob Journalisten tendenziös berichteten, insbesondere, wenn es zu ihren Gunsten geschah. Denn zwischen Juso HSG/LHG und einer Redakteurin der Westdeutschen Zeitung (WZ) scheint eine sehr enge Beziehung zu bestehen. So berichtete die WZ-Redakteurin im vergangenen Jahr mehrfach negativ über den damaligen Fachschaftenliste-AStA und insbesondere über den Vorsitzenden Dennis Heckendorf. Dabei gab sich die gute Dame Mühe, nicht einmal den Anschein zu erwecken, sie betreibe objektiven, unparteiischen Journalismus. Und auch nach der Wahl wurde von ihr noch nachgetreten. Die WZ veröffentlichte nämlich eine Meldung mit dem Wahlergebnis. Anstatt sich aber an die journalistisch gebotene Trennung von Meldung und Meinung zu halten, erwähnte die Redakteurin auch noch die genaue Stimmzahl Heckendorfs. Diese sei extrem niedrig (stimmt), was zeige, wie gering sein Rückhalt in der Studierendenschaft sei. Sie erwähnte dabei nicht, dass ein anderes Mitglied der Fachschaftenliste die meisten Stimmen auf sich vereinte, und das die ehemalige stellvertretende AStA-Vorsitzende Hanna Schade die drittmeisten Stimmen (nach Andreas Jentsch) erhielt. Auch die Informationsquelle der Redakteurin kann eigentlich nur ein Mitglied der neuen AStA-Koalition sein, denn der Wahlausschuss hat das Ergebnis nicht an sie weitergegeben, bei der öffentlichen Auszählung der Stimmen war sie (meines Wissens nach, und ich kenne die Dame vom Sehen und einem kurzen Gespräch bei einer anderen Gelegenheit) nicht anwesend und auf der Homepage des AStA wurden nur die Listenergebnisse veröffentlicht, nicht die Stimmergebnisse der einzelnen Kandidaten (die Meldung scheint mittlerweile aber ganz verschwunden zu sein).
Und als sei Negativpresse über den alten AStA noch nicht genug, bietet die WZ auch der neuen und vorigen Koalition immer mal wieder eine Plattform. Am 10.07. noch gab es eine ganze Doppelseite über studentisches Leben in Düsseldorf. Und auffallend viele der dort präsentierten Studierenden waren Mitglieder von Juso HSG oder LHG. Mit dabei unter anderem: die ehemaligen AStA-Vorsitzenden Matheisen und Tacer, in einem Artikel über ein bei Studenten angeblich beliebtes Restaurant (beide treten übrigens bei den Kommunalwahlen für FDP bzw. SPD an und durften in einem Extra-Kasten noch für ihre Initiative werben); Robin Teller, neues Mitglied der Campus Delicti-Redaktion und Düsseldorfer Juso-Pressesprecher/-Vorstandsmitglied, in einem Artikel über den „Treffpunkt Tiefkühltheke“; Andreas Jentsch, neuer AStA-Vorsitzender, in einem Artikel über das Leben im Wohnheim. Sehr repräsentativ für die Düsseldorfer Studierendenschaft, in der Tat.
Man sieht also: Tendenzjournalismus scheint nur dann schlecht zu sein, wenn er sich tendenziell gegen den Kritiker des Tendenzjournalisten richtet. Ansonsten ist Tendenzjournalismus tendenziell ne tolle Sache.
(Ich weiß, dass das gerade im Lokaljournalismus nunmal so läuft. Nicht schön, aber nun ja … Trotzdem finde ich es verlogen, jemandem Tendenzjournalismus vorzuwerfen, und dabei selber fett davon zu profitieren.)
Nachtrag 28.07.09: Thomas aus dem ehemaligen AStA-Vorstand hat sich der merkwürdig parteiischen „Berichterstattung“ der WZ in seinem Blog noch wesentlich ausführlicher gewidmet. Interessant!
