Archiv für die Kategorie ‘Rezension’

Opeth - Watershed

Juni 7, 2008

Nach einer Woche Heavy Rotation glaube ich, dass ich das neue Werk der schwedischen Ausnahmeband Opeth so weit erfasst habe, dass eine Rezension Sinn macht. Soviel sei vorweg gesagt: dieses Album ist kompliziert. Es ist wahrscheinlich das undurchschaubarste und komplexeste Opeth-Album bisher. Watershed erschließt sich nicht beim ersten Hören, auch nicht beim zweiten. Ich habe das Album jetzt vielleicht 20mal durchgehört, und ich verstehe immer noch nicht alle Songs. Alleine schon eine Genreklassifizierung anzugeben ist fast unmöglich. Früher konnte man Opeth noch mit halbwegs gutem Gewissen als Melodic Death Metal oder etwas in der Art einordnen, aber das greift schon lange nicht mehr. Death Metal mit Progressive Rock-, Jazz-, Krautrock- und Artrock-Elementen passt vielleicht halbwegs. Auf jeden Fall ist dies Progressive Metal, und zwar im positivsten Sinne des Wortes: musikalische Grenzenlosigkeit, technische Perfektion, Überraschungsmomente, komplexe Songstrukturen, Kreativität, all das sprudelt aus den Herren um Mastermind Mikael Akerfeldt nur so heraus. Ob das allen Fans gefällt wage ich zu bezweifeln, gerade Liebhaber der “alten Opeth” werden sich, wie schon mit dem Vorgänger Ghost Reveries, schwer tun. Aber auch für diese Aussage würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, vielleicht gefällt es ja doch? Eins lässt sich jedoch sagen: dies ist ganz eindeutig Opeth. Es klingt wie Opeth, es fühlt sich an wie Opeth, und wenn man dran leckt schmeckt es sicher auch so. Aber genug der einleitenden Worte, gehen wir die Songs mal nach und nach durch.

Coil heißt der Opener, und anfangs war das Ganze für mich nicht mehr als ein mit 3 Minuten recht langes Intro. Akustikgitarren, sanfter, melancholischer Gesang, ein wenig Dramatik und vor allem eine Frau (die Freundin von Drummer Martin Axenrot, klingt meiner Meinung nach ein wenig wie eine der Damen bei Ayreons The Human Equation), die eine kurze Passage singt, als vollwertigen Opeth-Song habe ich das nicht angesehen. Aber je öfter ich den Song höre, desto schöner finde ich ihn. Ein echtes Kleinod, ein überraschender Einstieg in ein Opeth-Album, ein Song, der es verdient hat, als mehr als nur als Intro wahrgenommen zu werden. Weiter geht es mit dem ersten “richtigen” Song, Heir Apparent. Schepperndes Drumming, schwere Gitarrenriffs, so muss das klingen. Kurz wird unterbrochen, Pianoklänge, dann kann’s losgehen. Und das tut es, das Tempo wird angezogen und Akerfeldts unvergleichlich genialer Growlgesang setzt ein. Auffallend ist hier direkt mal der weiter verstärkte Einsatz von Per Wibergs Synthesizer. Mir gefällt das sehr gut, eine sinnvolle Verstärkung des Opeth-Arsenals. Weiter fällt auf, wie synchron und aufeinander eingespielt Akerfeldt und der neue Gitarrist Fredrik Akesson (vormals Arch Enemy) agieren. Der Song wechselt öfter das Tempo, einige ruhige Passagen sind unter für Opeth-Verhältnisse äußerst flotte Abschnitte gemischt, so macht das Spaß. Eine Besonderheit: Akerfeldt singt bei diesem Song kein einziges Mal clean, es wird ausschließlich gegrunzt, trotz ruhiger Passagen. Mir fällt kein Opeth-Song ein, wo das sonst der Fall ist. Nächster Song, jetzt wird es abgefahren. The Lotus Eater ist beim ersten Hören ein kaum fassbares Chaos, aber richtig genial wenn man sich einmal reingehört hat. Nach kurzem, gesummten Intro wird losgerast und ja, Axenrot darf Blastbeats spielen, ein weiteres Novum bei Opeth. Während der Blastbeatpassagen singt Akerfeldt überraschenderweise clean, beim “normalen” Drumming wird gegrowlt. Klasse. Erneut nehmen die Synthies eine mächtige Rolle ein, psychedelisch wabbern die Klänge teils ganz für sich alleine bevor wieder losgerast wird. Etwa bei Minute 3 wird es dann abgefahren, merkwürdige, gameboyartige Töne werden untergemischt, aber das wird im Laufe des Songs noch mehr. Erstmal kommt eine ruhige Passage mit sanften Klängen, fast meditativ. Ab Minute 5 klingt’s etwas bedrohlicher, eine disharmonische Gitarre leitet den wohl verrücktesten Opeth-Part ever ein. Jazz fast in Reinkultur ist da zu hören, aber wieder mit diesen Gameboy-Tönen. Gewöhnungsbedürftig, aber gut. Dann geht’s zurück in die normale Songstruktur, wenn man bei Opeth überhaupt von sowas sprechen kann, nach gut 9 Minuten ist der Spuk dann plötzlich vorbei. (more…)

Bloodbath - Unblessing the Purity (EP)

Mai 23, 2008

In Vorfreude auf das Ende des Monats erscheinende neue Opeth-Album Watershed gibt’s eine Rezension eines anderen Werkes unter Beteiligung von Opeth-Frontmann Mikael Akerfeldt.

Bloodbath heißt die Band, Unblessing the Purity ihre kürzlich erschienene neue EP. Gegründet wurde die Band 1999 als eine Art schwedische Death-Metal-Supergroup von Akerfeld, Dan Swanö (u.a. Edge of Sanity), Anders “Blakkheim” Nyström und Jonas Renkse (beide Katatonia). Eher aus einer Bierlaune entstanden, wollte man guten, alten Oldschool-Death Metal im Stile schwedischer Größen wie Dismember oder Grave spielen. Sich mal ein bißchen austoben und die Sau rauslassen dürfte auch eine Rolle gespielt haben, schließlich stehen die Stammbands der Bloodbath-Mitglieder eher für progressiven/melodischen DM. 1999 veröffentlichte die Kombo eine EP namens Breeding Death, 2002 gab es mit Ressurection through Carnage das erste reguläre Studioalbum. Akerfeldt verließ im Anschluss das Projekt um mehr Zeit für seine Hauptband zu haben. Ersetzt wurde er durch Peter Tägtgren (Hypocrisy). Swanö wechselte von den Drums an die Gitarre, neuer Drummer wurde Martin “Axe” Axenrot (der später auch einen festen Platz bei Opeth kriegen sollte). In dieser neuen Besetzung veröffentlichte man 2004 mit Nightmares made Flesh ein zweites Studioalbum. Tägtgren stieg wieder aus, und mit Akerfeldt als Gast am Mikro absolvierte die Band 2005 beim Wacken-Festival ihren ersten und bisher einzigen Gig (erscheint demnächst als CD/DVD). Anschließend verließ Swanö die Band. 2008 nahm man dann die Arbeit wieder auf. Akerfeldt kehrte als Sänger zurück, als neuer Gitarrist kam Per “Sodomizer” Eriksson hinzu. Im März erschien dann die neue EP, Unblessing the Purity.

Etwas überraschend haben Bloodbath ihre Musik leicht verändert. Spielten sie früher deftigen Oldschool-DM, perfekt umgesetzt, aber ohne große Innovationen, was ihnen auch der ein oder andere Kritiker übel nahm, so klingt der neue Output jetzt ein ganzes Stück frischer und moderner. Das Tempo ist teilweise höher, technisch ist das Niveau etwas höher angesetzt und insgesamt wirken die Songs ein Stück komplexer. Ob der Kombo die Lust am eher simplen DM vergangen ist, oder ob man einen eigenen Bandsound kreieren und festigen wollte weiß ich nicht. Ist aber auch egal, das Ding macht einfach Laune.

Blasting the Virginborn (der Titel gibt fast mehr Auskunft über die Musik als jede Rezension) donnert gleich ganz gewaltig los. Fetter Sound, brutales Drumming, coole Riffs und groovige Gitarrensoli und über allem der unvergleichlich geniale Gesang von Mikael Akerfeldt. Ich kenne keinen anderen Sänger, der seine Growls so tief und brutal, und trotzdem so gut verständlich rüberbringt. Fantastisch. Trotz ein paar ruhigeren Passagen dominiert hier das Uptempo. Weiter geht’s mit Weak Aside. Scheppernd bricht die Hölle los, doch dann wird das Tempo etwas gedrosselt und fett groovender Oldschool-DM gespielt. Einige Tempiwechsel gibt es über den Song verteilt, so macht das Spaß und bleibt kurzweilig. Nächster Song, Sick Salvation. Schneller Anfang, insgesamt ein recht straighter Song mit etwas weniger Schnörkel als bei den beiden zuvor. Und damit sind wir schon beim letzten Track, denn leider gibt’s nur 4 Songs auf der EP. Mouth of empty Praise macht den Abschluss, ein (für Oldschool-DM-Verhältnisse) sehr komplexer Song mit vielen Tempiwechseln, Soli und äußerst Headbang-tauglichem Riffing. Und dann ist der Zauber auch leider schon vorbei.

Um die EP mit zwei Worten zu beschreiben: groovy und cool. Das sind jetzt nicht unbedingt die typischen Attribute für ein Death Metal-Album, aber sie beschreiben Bloodbath einfach am besten. Trotz martialischer Texte und brutalster Musik ist das Ganze einfach … groovy und cool. Die Kombo schafft es, Oldschool-DM in ein modernes (und offensichtlich blutiges) Kleid zu packen, und das macht einfach locker soviel Spaß wie sich ewig echten (und gleichen) Oldschool-DM anzuhören, und definitiv mehr Spaß als moderner Metalcore-Mist. Ende des Jahres soll ein neues Studioalbum folgen, die EP verbreitet auf jeden Fall sehr viel Vorfreude. Hörproben gibt’s bei Myspace.

Roger Waters in Landgraaf (NL)

Mai 12, 2008

Zum zweiten Mal war ich gestern bei einem Konzert des ehemaligen Pink Floyd-Mastermind Roger Waters. Roger Waters performing The Dark Side of the Moon war angekündigt. Bei schönstem Wetter fand das Konzert Open Air auf dem Megaland-Gelände im niederländischen Landgraaf (unweit der deutschen Grenze) statt, wo auch jährlich das Pinkpop-Festival gastiert. Schon die riesige Bühne und vor allem die im und um den ganzen Zuschauerbereich aufgestellten Lautsprechertürme versprachen ein tolles Erlebnis. Pünktlich im 20.00 Uhr lief dann der Introfilm auf der großen Hauptleinwand an (an den Seiten der Bühnen befanden sich noch zwei Leinwände, also auch für mich als 1,70m Mensch eine Chance, genug zu sehen). Los ging es dann erwartungsgemäß mit In the flesh. Waters (gealtert, aber immer noch fit) hatte eine 9-köpfige Band inklusive drei Sängerinnen dabei, da war einiges an Soundpower zu erwarten. Und der erste Eindruck bestätigte das: bombastisch. Der Sound war glasklar und ernsthaft “Surround Sound”. Die Geräuscheffekte kamen von allen Seiten, wanderten um das Publikum. Explosionen, Züge, Schafe … ich frage mich ja, wie sich die ganzen zugedröhnten Leute im Publikum gefühlt haben müssen, wenn solche Geräusche auf einmal von hinten auf sie zukamen. Aber weiter im Text. Es folgten Mother und ein mitreißendes Set the controls for the heart of the sun. Shine on you crazy diamond (stark gekürzte Version, dafür Unmengen von Seifenblasen auf der Bühne), Have a cigar und das obligatorische Wish you were here bildeten dann den Block für das Wish you were here-Album. Bisher alles super, die Songs souverän gespielt, das Publikum hatte Spaß und die Sonne verschwand langsam, was den Lichteffekten mehr Wirkungsraum bot. Nun wurde es Zeit für ein bißchen Politik: Southhampton Dock und The Fletcher Memorial Home vom letzten Pink Floyd-Album mit Waters (The Final Cut) sind klare Anti-Kriegs-Songs, die jetzt per entsprechender Videoinstallationen gegen den amerikanischen “war on terror” vorgetragen wurden. Thematisch passend folgte dann mit Perfect Sense, dem ersten wirklichen Waters-Solo-Song des Abends, eine weitere Kriegsabrechnung, begleitet von einem lustigen Animationsfilm (Kampf Ölplattform vs. U-Boot, mit spektakulären Pyroeffekten auf der Bühne) und mit einer großartigen Gesangseinlage von einer der Backgroundsängerinnen. Genialer Song, ganz großes Highlight. Abgeschlossen wurde dieser thematische Block dann durch Waters aktuellsten Solo-Song Leaving Beirut. Autobiografisch erzählt er davon, wie er in jungen Jahren bei einer Reise durch den Nahen Osten eine Autopanne hatte und bei Beirut im Libanon für eine Nacht bei einer libanesischen Familie unterkam. Die Gastfreundschaft der Menschen trotz ihrer Armut berührte Waters so sehr, dass er heute die Frage stellt: wie können wir gegen solche Leute ernsthaft Krieg führen? Fantastisch war die visuelle Begleitung des Liedes: schwarz-weiß Comicstrips mit zusätzlichen Texten erzählten die Geschichte, zum Gesang wurden über den Köpfen Waters und denen der Sängerinnen Sprechblasen eingeblendet. Tolle Idee. Es folgte Sheep vom Pink Floyd-Album Animals. Und natürlich durfte dazu ein riesiges aufblasbares Schwein nicht fehlen. Das rosafarbene 5 Meter lange Monsterschwein war von Waters mit politischen Botschaften besprüht worden, am Bauch prangte ein fetter “Obama”-Schriftzug. Am Ende des Songs durfte das Schwein dann feierlich in die Abenddämmerung entschweben. Waters kündigte eine kurze Pause vor The Dark Side of the Moon an, erst sollte es richtig dunkel werden. In der knapp 15-minütigen Pause hatte man dann genug Zeit sich zu überlegen, was wohl mit dem langsam entschwindenen Schwein passieren würde. Der lustigste Gedanke war der bezüglich des armen, flugkranken Passagiers, der im Anflug auf den Aachen-Maastricht Airport ein 5 Meter-Schwein am Fenster vorbeifliegen sieht. Aber auch die Vorstellung, das Ding morgens beim Aufstehen im Garten liegen zu sehen hat was für sich. (more…)

Top 10 Alben

Mai 6, 2008

Ich wollte schon lange mal eine Liste mit meinen liebsten Alben anfertigen und nun hab ich das endlich mal gemacht. Das ganze Vorhaben stellte sich dabei als gar nicht einfach heraus, da es einfach viel zu viel gute Musik gibt. Ich habe daher ein paar Einschränkungen aufgestellt: 10 Alben sollten es werden und keine Band sollte mehr als einmal vertreten sein. Dies stellte sich als größtes Problem heraus, denn bei einigen meiner Lieblingbands fällt es mir echt schwer, ein Lieblingsalbum zu benennen. Nach langem Überlegen bin ich dann aber zu folgender Liste gekommen (alphabetisch nach Bandname sortiert, eine Rangfolge kann ich da gar nicht festlegen). Einen Link zu Hörproben der Band (nicht unbedingt des Albums), leider nicht immer in bester Qualität, hänge ich jeweils an.

Disillusion - Back to times of splendor [2004, Progressive Metal, Deutschland]

Disillusion gelang mit ihrem ersten regulären Album ein absolutes Meisterwerk, dass mich schon beim ersten Hören völlig umgehauen hat. Unheimlich abwechslungsreicher Prog Metal, der erfrischenderweise auf ausufernde Soli und Instrumentgewichse verzichtet und dafür mit großartigen Melodien, einer gehörigen Portion Härte, “Natürlichkeit” (im Gegensatz zum eher von industrieller Großstadtatmosphäre geprägten Nachfolgealbum Gloria) und viel Ohrwurmpotential aufwartet. Alleine der 14minütige Titeltrack rechtfertigt den Eintrag in dieses Liste. Wie hier ein Sonnenaufgang vertont wird, dass verursacht bei mir jedes Mal eine Gänsehaut. (Hörproben bei Myspace.com)

Dream Theater - Scenes from a memory [1999, Progressive Metal, USA]

Anders als bei Disillusion dreht sich bei den Prog Metal-Königen Dream Theater alles um Technik, spielerisches Können und musikalische Masturbation. In allen drei Disziplinen sind die Amis Großmeister. Das Konzeptalbum Scenes from a memory bietet eine gute Story, “catchy” Songs und überragende Instrumentalarbeit. Sänger LaBrie singt wie immer grenzwertig kitschig, aber bei diesem Album fällt das kaum ins Gewicht, zu gut sind die Songs. (Hörproben auf der Bandhomepage)

Genesis - The lamb lies down on Broadway [1974, Progressive Rock, England]

Hier fiel mir die Entscheidung, welches Album der großen Genesis es sein soll, doch recht leicht. Das Konzeptalbum Lamb lies down, dass letzte mit Peter Gabriel am Mikro, war mein erster richtiger Kontakt zu den “Alten Genesis”. Geniale Story, abgefahrene Texte (”You get out if you’ve got the gripe, To see Doktor Dyper, reformed sniper - he’ll whip off your windscreenwiper”), musikalisch fantastisch, wenn auch stilistisch ganz anders als alles, was die Band zuvor gemacht hatte und nachher unter Phil Collins machen würde. Unmöglich zu beschreiben, muss man hören. (Hörproben/Videos bei Youtube.com)

Steve Harley & Cockney Rebel - Face to face (live) [1977, Glam Rock, England]

Ein Livealbum zu nehmen ist vielleicht etwas geschummelt, aber dieses Ding macht einfach Laune. Viel Verrücktes, viel Schönes, ein vertonter Teller Buntes von den Glam/Wasauchimmer Rockern um Steve Harley. Dazu eine exquisite Songauswahl, sowas wie ein kleines Cockney Rebel-Best of. Besonders das unglaubliche Sebastian glänzt in dieser Liveversion. Und der Publikumseinsatz bei Tumbling Down ist unglaublich. (Einige Videoclips auf der Bandhomepage)

Marillion - Misplaced Childhood [1985, (Neo) Progressive Rock, Großbritannien]

Kayleigh, der große Hit der Neoprogger Marillion, heute noch oft im Radio zu hören, ist für mich noch einer der schwächeren Songs dieses Konzeptalbums. Ein wirkliches Highlight ist aber auch schwer zu benennen, zu sehr kommt das Ganze aus einem Fluss. Knallig bunt wie das Cover wirkt die Musik, der schottische Hüne Fish war damals stimmlich eine Wucht (heute leider nicht mehr, hab ihn mal solo gesehen, das war schon irgendwie traurig), einfach toll. (Hörproben bei Myspace.com)

Nocte Obducta - Nektar Teil 2: Seen, Flüsse, Tagebücher [2005, (Avantgarde) Black Metal, Deutschland)

Ich bin ja kein so großer Black Metal-Fan, aber die Bezeichnung wird Nocte Obducta auch keinesfalls gerecht. Gerade Nektar 2 ist viel mehr als "nur" Black Metal. Es ist vor allem atmosphärisch unheimlich dicht, voller genialer Melodien, brachialer Härte, purer Schönheit, Trauer, Melancholie und phänomenaler deutscher Texte, einfach unbeschreiblich. Leider ist Nektar 2 Noctes letztes Album, die Band trennte sich 2006, ein Album liegt aber noch unveröffentlicht in der Schublade. Vielleicht wird das ja irgendwann mal was. (Ein paar Samples auf der Bandhomepage)

Opeth - My arms, your hearse [1998, Progressive Death Metal, Schweden]

Bei Opeth ist es mir deutlich am schwersten gefallen, das Album zu bestimmen. Das komplette Werk der schwedischen Ausnahmeband ist genial, wahrscheinlich könnte Mikael Akerfeldt aber auch einfach Volksmusik singen, hauptsache er macht es so tief und brutal wie hier. Ich habe mich dann für My arms, your hearse entschieden, weil dieses Album irgendwie am kompaktesten, dichtesten und geschlossensten das widerspiegelt, was Opeth ausmacht. Zudem ist dieser brutale, überraschende Einstieg bei When einfach zu genial. (Hörproben bei Myspace.com)

Pink Floyd - Live at Pompeii [1972, Art Rock, England]

Hier wäre es auch sehr schwer geworden, wenn ich nicht hätte schwindeln können. So kann ich einfach einen Musikfilm nehmen. Nicht wirklich live ist Live at Pompeii der göttlichen Pink Floyd, sondern in einem leeren Amphitheater in Pompeii gefilmt. Auch hier ist die Titelliste sowas wie ein kleines Best of der frühen, psychedelischen Pink Floyd. Dementsprechend braucht nach diesen Aufnahmen auch eigentlich keine Band mehr solche Musik zu spielen. Genie und Wahnsinn tropfen aus jedem Ton. Sogar einen Hund lassen die Herren Gilmour, Waters, Mason und Wright zu Gitarre und Mundharmonika singen. Wahnsinn. (Videos bei Youtube.com)

Porcupine Tree - In Absentia [2002, (New) Art Rock, England]

Auch hier war die Entscheidung verdammt schwer. Porcupine Tree, Hauptband von Workaholic Steve Wilson (der auch mal Produzent von Opeth war und in Zukunft ein gemeinsames Projekt mit Opeth-Frontmann Akerfeldt und Dream Theater-Drummer Mike Portnoy plant), produzieren einfach ein Meisterwerk nach dem anderen. Für In Absentia habe ich mich (wie schon bei Genesis) entschieden, weil es mein Erstkontakt mit der Band war. Und mit dem wunderbaren Trains ist auch mein Lieblings-Stachelschweinbaum-Song vertreten. (Hörproben bei Myspace.com)

Riverside - Second Life Syndrome [2005, Progressive Rock/Metal, Polen]

Das zweite Werk der polnischen Band Riverside ist seit seinem Erscheinen vor 3 Jahren beständig in meiner Gunst gewachsen, und spätestens seitdem ich die Band 2007 als Support von Dream Theater das erste Mal live gesehen habe, ist es in der Riege meinen absoluten Lieblingsalben angekommen. Unglaublich tolle Songs, mal verträumt, mal melancholisch, mal hart, mal zart, aber immer absolut ohrwurmverdächtig und zugleich technisch auf höchstem Niveau. Einfach toll. (Hörproben beim Label InsideOut Music)

RPWL im Spirit of 66, Verviers (B)

April 21, 2008

Gestern Abend ging es ins belgische Verviers ins schöne Spirit of 66 zum Konzert der bayrischen Prog/Art-Rock Combo RPWL. Anlässlich ihres neuen Albums The RPWL Experience sind die momentan auf Tour, und da darf ein Stopp im Spirit nicht fehlen, schließlich spielte die Band dort eines ihrer ersten Konzerte, seitdem sind sie dort fast schon Dauergast. 1997 hatten RPWL ihre Bandlaufbahn als Pink Floyd-Coverband begonnen, 2000 dann aber ihr erstes, eigenständiges Album veröffentlich. Den Einfluss der großen Vorbilder kann man immer noch erahnen, allerdings schlugen RPWL mit der Zeit meiner Meinung nach eine etwas poppigere Richtung ein. Toll sind ihre Alben (mittlerweile 6 an der Zahl) aber nach wie vor.

Das Konzert begann recht pünktlich und früh um 19.00 Uhr. “Schön”, dachte man da, “dann bin ich ja früh wieder zu Hause.” Weit gefehlt, etwa 2.45 Stunden Spielzeit sollten es am Ende sein. Zuschauer waren genug für eine gute Atmosphäre da, ich würde der Band aber noch mehr wünschen, das Spirit hab ich schon wesentlich voller erlebt. Ob es am Sonntagstermin, dem schönen Wetter oder doch am Bekanntheitsgrad der Band lag weiß ich nicht. Machte aber wie gesagt auch nichts aus.

Die ersten sechs Songs waren alle vom neuen Album. Etwas kompakter als die älteren Sachen, aber ich finds trotzdem gut, und live überzeugten die Songs durchaus. Etwas störend fand ich die Ansagen von Sänger Yogi Lang. Die neuen Songs sind sehr politisch (Krieg, Medien etc.), was ja auch kein Problem ist. Lang erklärte jedoch die Botschaft jedes Songs nochmal extra in recht stockendem Englisch (hätte sich so grenznah wohl auch niemand über Deutsch erregt), das war für mich dann doch ein bißchen viel Politik. Schließlich war ich für die Musik da. Geschlossen wurde der erste Teil des Sets durch die spaßige Kritikabrechung This is not a Prog song, präsentiert als Medley mit einigen umgetexteten Rockklassikern (”P(r)ocking all over the world”). Für mich ein erstes Highlight. Nach dem dynamischen Start the fire folgte dann der nächste Höhepunkt, das fantastische und von mir sehnlichst erwartete The gentle art of swimming. Ein großartiger Longtrack mit genialem instrumentalem Mittelteil. Wäre wohl für mich der absolute Höhepunkt des Konzerts gewesen, wenn, ja wenn da nicht noch die Zugabe gekommen wäre. Zuerst gab’s aber noch 4 Songs des regulären Sets, von denen Roses am frenetischsten gefeiert wurde. Und gefeiert hat das kleine Publikum wirklich, und lauthals mitgesungen (ich kann den großen Jubel bei Roses nie so ganz nachvollziehen, der Song ist zwar schön, aber im Vergleich zu vielen anderen im RPWL-Repertoire, zum Beispiel 3 Lights mit seinen genialen Keyboard- und Gitarrensoli, nicht überragend finde ich).

Mit viel Applaus wurde die Band zur ersten Zugabe wieder auf die Bühne geholt. Mit Sleep gab’s einen tollen, eigenen Song, und dann die erste Überraschung. Lang bedankte sich bei Spirit-Besitzer Francis und dem (überwiegend) belgischen Publikum für die langjährige Unterstützung und kündigte einen Song an, den sie bei ihrem ersten Gig im Spirit gespielt hatten. Die freudige Überraschung war dann Pink Floyds Dogs. Fantastisch umgesetzt, fast in kompletter Länge, vom Publikum fast vollständig mitgesungen (den Text beherrschte das Publikum jedenfalls besser als Lang, der einige Blicke in sein Textbuch werfen musste), einfach super. Danach musste noch was folgen, und schnell war die Band auch wieder auf der Bühne … für eine weitere Überraschung: King Crimsons In the court of the Crimson King, ebenfalls beim ersten Gig gespielt. Absolute Gänsehaut, wie das Publikum hier den Chor gab. Das anschließende Hole in the sky sah da fast etwas blass gegen aus. Sowieso, fast tut es mir für die Band leid, aber zwei so geniale Coverversionen stellten die eigenen Werke doch etwas in den Schatten. Fast 2.40 Stunden waren schon gespielt, trotzdem wurde die Band nochmal auf die Bühne zurückgerufen, obwohl Teile des Publikums das Spirit schon verlassen hatten. Sie spielten dann noch, ungeprobt laut Yogi Lang, den schönen Mitsinger I don’t know, um dann aber endgültig die Bühne zu verlassen.

Insgesamt ein wirklich tolles Konzert. Die beste Einzelleistung erbrachte meiner Meinung nach mal wieder Gitarrist Kalle Wallner, der Mann ist echt klasse. Spielfreude und technisches Können zeigten aber alle 5 Bandmitglieder. Diese Jungs kann man sich immer wieder ansehen, es ist einfach eine Freude.

Setlist:

  • Silenced
  • Breathe in, breathe out
  • Masters of war (Bob Dylan Cover)
  • Stranger
  • Choose what you want to look at
  • This is not a Prog song/P(r)ock-Medley
  • Start the fire
  • The gentle art of swimming
  • 3 Lights
  • Trying to kiss the sun
  • Wasted Land
  • Roses

——

  • Sleep
  • Dogs (Pink Floyd Cover)

——

  • In the court of the Crimson King (King Crimson Cover)
  • Hole in the sky

——

  • I don`t know

Terry Pratchett - Ein Hut voller Sterne

April 3, 2008

Ich bin gestern mit dem neusten Zugang zu meiner Terry Pratchett-Sammlung fertig geworden. Ein Hut voller Sterne (orig. A hat full of sky), als Taschenbuch beim Goldmann-Verlag erschienen, heißt das gute Stück. Und es ist mal wieder ein wunderbares Scheibenwelt-Märchen.

Hauptcharakter des Buches ist zum zweiten Mal (nach Kleine freie Männer/The wee free men) die junge Nachwuchshexe Tiffany Weh. Diese hatte in ihrem ersten Abenteuer ihren Bruder aus dem Reich der Feenkönigin befreit. Dabei erhielt sie Hilfe von den Wir-sind-die-Größten, 15 cm kleinen, blauen, kampflustigen und trinkfesten Feenwesen, die einst von der Feenkönigin aus dem Feenreich geworfen wurden (weil sie betrunken waren) und war sogar einige Zeit die Übergangskönigin (Kelda) ihres Clans. Seit diesen Ereignissen beschützen die Wir-sind-die-Größten ihre “kleine große Hexe” und Tiffany genießt den Respekt von Oma Wetterwachs, die die oberste Hexe der Scheibenwelt wäre, wenn es unter Hexen eine Hierarchie gäbe (was Frau Wetterwachs niemals zulassen würde). In Ein Hut voller Sterne verlässt Tiffany nun ihre Heimat um bei der Hexe Frau Grad in die Lehre zu gehen. Dabei erregt sie die Aufmerksamkeit eines Schwärmers, eines körperlosen Wesens, dass die Körper von besonders mächtigen Wesen übernimmt und sie eine Weile steuert, bis sie wahnsinnig werden und sterben. Rob Irgendwer, der Große Mann ihres Wir-sind-die-Größten-Clans eilt ihr mit einigen Clanmitgliedern zur Hilfe, ebenso Oma Wetterwachs.

Ein Hut voller Sterne ist vor allem ein unheimlich spannendes und witziges Märchen. Es ist nicht so sehr gespickt mit Gesellschaftsbeobachtung und -kritik wie viele andere von Pratchetts Werken (vor allem die Geschichten, die in Ankh-Morpok, der größten Stadt der Scheibenwelt spielen), aber das soll auch so sein, schließlich sind diese mit “Ein Scheibenwelt-Roman” beschriftet und damit ausdrücklich anderer Art als die “Scheibenwelt-Märchen”. Aber natürlich gehört auch eine Botschaft in jedes Märchen, und da hat Ein Hut voller Sterne einiges zu bieten. Da wäre Oma Wetterwachs’ Einstellung, dass wahre Hexerei nichts mit magischen Accessoires und Spielereien zu tun hat, sondern vor allem damit, den Menschen zu helfen sich selber zu helfen, auch wenn man ihnen dafür eine kleine Lüge erzählen muss (”Aber dem Uhrmacher Herrn Umbril hast du gesagt, dass seine Brustschmerzen nachlassen, wenn er einen Monat lang jeden Tag zum Wasserfall von Sturzkliff geht und drei glänzende Kieselsteine für die Wassergeister in den See wirft! Das hat nichts mit Medizin zu tun!” “Nein, aber er glaubt das. Der Mann verbringt zu viel Zeit damit, zusammengekrümmt dazusitzen. Einen Monat lang jeden Tag ein fünf Meilen langer Marsch an der frischen Luft, und er ist wieder vollkommen in Ordnung”, sagte Frau Wetterwachs.). Tiffany fällt in ihrem Kampf gegen den Schwärmer (der ihr zu geben scheint, was sie sich immer wünschte, also vor allem Macht und Respekt) ein, dass der dritte Wunsch im Märchen immer der ist, der das Unrecht der ersten beiden Wünsche wieder gutmacht. Es sind diese kleinen Weisheiten, die kaum auffallen, wenn man nicht auf sie achtet, die aber trotzdem nicht nur im Märchen funktionieren, welche eine Terry Pratchett-Geschichte so wertvoll und wunderbar machen. Und natürlich sein unglaublich fantasievoller Humor, der in Ein Hut voller Sterne vor allem von den Wir-sind-die-Größten ausgeht, die so ziemlich alles das nicht sind, was man sich unter Feenwesen vorstellt. In normalen Märchen haben Feen zumindest keine Angst vor Geschriebenem, prügeln sich nicht mit Jedem und Allem (sogar mit dem Tod, bei dem die Kopfnuss von Rob jedoch nur ein pochendes Geräusch verursacht) und sind nicht ständig vom “speziellen Schaf-Einreibemittel” betrunken.

Der Brite Terry Pratchett ist einfach ein Phänomen. Über 50 Romane hat er bisher geschrieben, die meisten spielen auf der von ihm erfundenen Scheibenwelt. Und alle sind sie absolut großartig (abgesehen von seinem Katzenratgeber, aber der ist schließlich kein Roman sondern ein Ratgeber). Seine Figuren, die immer wieder in den Büchern auftauchen, gewinnt man mit der Zeit einfach lieb, seien es die Hexen um Oma Wetterwachs, Sam Mumms chaotische Nachtwache, der gelegentlich depressive Tod mit seinem Helfer Rattentod oder die faulen Zauberer der Unsichtbaren Universität. Dabei versteht er es wie kein anderer mir bekannter Auto, unserer modernen Gesellschaft mit seiner magischen Fantasiegesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Wie die Oxford Times auf jedem deutschen Pratchett-Klappentext zitiert wird: “Terry Pratchett ist schlicht und einfach der beste komische Schriftsteller unserer Zeit!”

Hoffentlich kann Pratchett, bei dem letztes Jahr Alzheimer diagnostiziert wurde, noch lange weiter Romane und Märchen schreiben.

Sexy Wahlnews bei CNN

März 6, 2008
Wenn man mir früher gesagt hätte, dass ich mal um 3 Uhr nachts mit einem Bier vor dem Fernseher sitzen und freiwillig eine Wahlberichterstattung gucken würde, ich hätte es wohl eher nicht geglaubt. So passiert ist es aber in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Als ich nach der Wiederholung von Dr. House noch etwas rumzappte, blieb ich bei CNN hängen. Dort moderierte sich gerade Wolf Blitzer für die (anscheinden welterschütternde) Übertragung der (US-Präsidentschaftskandidaten-Vor-)Wahlen in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont warm. Und ich bin tatsächlich bis 4 Uhr dabei geblieben.
Dabei interessierte mich das Ergebnis dieser Vorwahlen gar nicht so sehr, zumindest nicht so sehr, dass nächtliches Fernsehen gerechtfertigt wäre. Was mich immer weiterschauen ließ, war einfach der riesige Unterhaltungswert der Übertragung. Auch ohne großes Wissen über die amerikanische Innenpolitik (geschweige denn Interesse daran) war es einfach ein Riesenspaß, Wolf Blitzer, John King und dem Rest des “Best Political Team on Television” (was leider nicht so gut ist, wie FOX’ “Best Political Team EVER”!!!) dabei zuzuschauen, wie die ein gigantisches Spektakel veranstalteten. Blitzer spaziert vor diesem riesigen Bildschirm rum, King zoomt auf seinem (ebenfalls gigantischen) Touch-Screen quer durch Amerika, weitere Spezialisten werden per Bild im Bild im Bild-Verfahren dazugeschaltet, in einer Ecke des Studios sitzen 4 Experten (2 Republikaner und 2 Demokraten), die sich an Statler und Waldorf aus der Muppet Show erinnernde Wortgefechte liefern … das ist einfach wunderbare Unterhaltung.
Und mal ganz ehrlich: deutsche Wahlübertragungen sind thematisch wesentlich dichter, informativer, auf der inhaltlichen Ebene klar besser als die US-Sendungen … aber sie sind meistens stinklangweilig und furztrocken. Natürlich habe ich lieber gute Informationen, aber während die Stimmen ausgezählt werden, nach den ersten Hochrechnungen, während auf die ersten Politikerkommentare gewartet wird, da könnten die Damen und Herren in den deutschen Redaktionen ruhig mal nach Amerika gucken und sich ein paar Anregungen holen. Wenn ich zum ersten Mal ein magisches, fliegendes Tortendiagramm im ARD-Wahlstudio sehe, dann back ich auch eine Torte, versprochen!
Also, wenn mal tief in der Nacht Langeweile herrscht, CNN ist eine tolle Alternative zu den Sexy Sport Clips auf DSF.
Einen Überblick über die Gimmicks der US-Nachrichtensender gibt übrigens Jon Stewart:

Von lebendigen Handtaschen

Februar 29, 2008

Gestern startete also die dritte Staffel von Germany’s Next Topmodel. Ziemlich am Anfang kommentierte eine Kandidatin ihre Aufregung folgendermaßen: “Das Herz pocht, die Hände schwitzen, das Gehirn schaltet völlig aus.” Danke für diese erfrischend ehrliche Einschätzung der Sendung.

Ansonsten fand ich’s ziemlich langweilig. Der neue Bruce Darnell heißt Rolf Scheider, spricht mit einem französischen Akzent, der sich nur damit erklären lässt, dass er Rolf heißt, und passt sich in seiner sexuellen Orientierung gut in die Rolle ein, auch wenn ich bei folgendem Satz kurz gestutzt habe: “[zählt einige Models auf] Ich glaub ich hab sie alle durchgecastet.” Das war aber auch schon das humoristische Highlight der Show, ein neuer Bruce scheint Rolf nicht zu sein.

Eher unfreiwillig komisch war eine Szene, in der eine sehr dünne Kandidatin (48kg bei 1,70m) von den Juroren dazu aufgefordert wurde, nochmal im Bikini zu kommen. Das wollte sie nicht (wohl weil ihr klar war, dass man ihre Rippen einzeln zählen können würde), sie packte ihre Sachen. Aber natürlich ging Heidi (diese Stimme, argh!) nochmal zu ihr und redete ihr ins Gewissen, dass sie genau wisse dass sie zu dünn sei und deshalb gehe, und das sei gut. Und dann erklärte Heidi nochmal in die Kamera, dass man ja den Mädchen da draußen ein Vorbild sein wolle. Da hätte ich fast gekotzt (aber das überlasse ich lieber den Kandidatinnen). Diese Moralnummer war so offensichtlich gestellt und gewollt, man hätte auch direkt einblenden können “Hiermit erklären wir, dass wir Magersucht ganz viel blöd finden, weil wir Angst haben, dass uns die KJM auch 100.000€ Strafe aufbrummt wie dem Dieter.”

Fazit: ohne Bruce (und weiterhin mit Heidi) ist diese Show eine noch größere Qual als in den letzten Jahren. Die Highlights kann man sich sicher wieder bei Stefan Raab angucken, dafür ist mir meine Zeit selbst am programmschwachen Donnerstag zu schade.

Germany’s next Psycho-Teen

Februar 28, 2008

Ich habe gestern immer mal wieder in die neue Staffel von Teenager außer Kontrolle reingeschaut. Ganz anschauen kann ich mir sowas nicht, bei so viel Fremdschämen muss ich immer umschalten. Aber warum läuft sowas eigentlich im Fernsehen? Quote natürlich, ist klar, blöde Frage. Aber ganz ehrlich: ich verstehe das Konzept der Sendung nicht (wie übrigens auch bei der Super-Nanny etc.). Ich verstehe es nicht nur nicht, ich finde es abartig dass solche Sendungen im Fernsehen zu sehen sind. Da regt sich die halbe Nation über Ekel-TV wie das Dschungelcamp auf, aber sowas darf man zeigen ohne dass der Untergang des Abendlandes beschworen wird?

Natürlich, auch diese Teenager begeben sich freiwillig in die Hände des Senders. Sie wissen, dass sie ins Fernsehen kommen, sind gecastet, gekauft. Aber wenn dann der kalte Entzug losgeht, die Nerven völlig blank liegen, die Teenager ausrasten, um sich schlagen, zu Boden gedrückt werden, sich wie ein Haufen Elend im Dreck wälzen, dann wird doch klar, dass sie keine Ahnung hatten, was sie erwartet. Und so gut kann niemand schauspielern. Und wenn dann einer nach dem Kameramann schlägt, spätestens dann stellt sich doch die Frage, ob es wirklich eine gute Idee ist, solch ein Therapieprogramm (welches ich grundsätzlich für gut halte) von Kamerateams begleiten zu lassen. Sicher wären die Erfolgschancen größer, wenn man die Therapie ungefilmt durchführen würde, wenn die Teenager nicht ständig von Kameras umringt wären und sich nicht fragen müssten, wer da zu Hause gerade ihren Zusammenbruch gesehen hat und sie deswegen bei der Rückkehr vielleicht fertig machen könnte.

Aber traurigerweise würde auch ohne Kameras niemand dieses Projekt bezahlen.

Alter Mann läuft Amok…

Februar 25, 2008

…der Albtraum jedes Seniorenheim-Zivis.

Waren also gestern in John Rambo.

Total number of people killed
I: “First Blood” (1982): 1
II: “Rambo: First Blood Part II” (1985): 69
III: “Rambo III” (1988): 132
IV: “Rambo” (2008): 236

Number of people killed per minute
I: “First Blood” (1982): 0.01
II: “Rambo: First Blood Part II” (1985): 0.72
III: “Rambo III” (1988): 1.30
IV: “Rambo” (2008): 2.59

Das beschreibt den Film eigentlich schon ganz gut (Story: Missionare wollen Opfern des Militärregimes in Birma helfen, werden gefangen genommen, Rambo geht mit einer Söldnertruppe rein und rettet sie). Es sagt allerdings nichts über die Fülle an übertriebener Gewalt aus, die John Rambo prägt. Stallone wollte angeblich auf die Umstände in Birma aufmerksam machen, also lässt er den Film dort spielen, zeigt die Brutalität des Militärregimes in all ihrer…nun, Brutalität. Er erweist seiner Botschaft aber gleich in zweierlei Hinsicht einen Bärendienst: 1. ist die Gewalt zum Teil so gnadenlos überzeichnet und unrealistisch, dass sich niemand denken wird “Wow, so schlimm ist es in Birma?” Etwas weniger fliegende Körperteile und durchlöcherte Leichen hätten nicht geschadet. 2. Wenn dieser Film eine Botschaft übermitteln soll, dann hat Stallone etwas vergessen: die Botschaft! Was soll uns John Rambo sagen? Humanitäre Hilfmissionen bringen nichts, weil am Ende eh eine Söldnergruppe die blöden Missionare retten muss? Nimm immer einen Vietnamveteranen mit wenn du schon helfen musst? Amerikanische Leben sind wertvoller als andere? Die Söldner um Rambo befreien die Gefangenen aus einem Militärlager, lassen dabei aber zu, dass mehrere einheimische Frauen vergewaltigt werden, Rambo schaut quasi dabei zu wie der Campführer einen kleinen Jungen missbraucht (warum war es so klar, dass der Oberbösewicht pädophil und schwul ist?). Muss ja heimlich, still und leise passieren. 5 Filmminuten später werden dann aber alle bösen Vietcong Birmesen in der finalen Schlacht abgeschlachtet. Ne, ne, ne Herr Stallone, so wird das mit der Sozialkritik nichts.

Bei all der Kritik am Werk bleibt aber: Er ist Rambo, Mann!