Democralypse Now - Final Resolution
Juni 29, 2008Endlich ist es vorbei. Am Freitag ging die diesjährige SP-Wahl zuende. Hoffentlich verschwinden nun endlich die ätzenden Plakate und kehrt der tristgraue Unialtag wieder ein. Dann brauch ich mich nicht mehr so sehr aufzuregen. Übrigens war ich da mit Sicherheit nicht der einzige. In der Campus Delicti war vorige Woche ein sehr schöner Leserbrief, Artikel, der sich auch gegen die Plakatierungswut ausprach (S. 7), aber wohl doch nicht so wasserfest ist (siehe Kommentare). Meine Hoffnung, dass die Listen sich da nächstes Jahr noch dran erinnern, ist allerdings äußerst gering.
Seit gestern Abend finden sich auch endlich die (vorläufigen) Endergebnisse der Wahl auf der Homepage des AStA. Auch bei dieser Wahl hat die Fachschaftenliste recht eindeutig gewonnen (von 3 auf 6 Sitze im SP). Jusos (von 4 auf 3) und LHG (von 5 auf 3) verlieren Sitze und auch der MSB büßt einen Parlamentarier ein (jetzt noch 1). Dafür gibt es einen Sitz mehr für die Grünen (jetzt 2). Piraten und RCDS bleiben bei je einem Sitz. Die Koalitionsbildung wird jetzt sicher interessant, ich bin mal gespannt.
Aber was für ein Fazit kann man jetzt aus der Wahl ziehen? Nun, zunächst war die Wahlbeteiligung mit 15,43% zwar wesentlich höher als in der Vorwoche bei den Senatswahlen. Gigantisch ist das aber immer noch nicht. Ich finde gerade keine Zahlen aus dem Vorjahr, habe aber gehört, dieses Jahr sei die Beteiligung noch geringer gewesen, und das trotz Plakatierungswut. Weiter haben Jusos und LHG trotz massiver Plakatierung und aggressiver und alkohollastiger Außenwerbung Stimmen eingebüßt. Die Grünen haben nur recht wenig plakatiert, dafür aber frisches Obst auf dem Campus verteilt. Daraus schließe ich einerseits, dass persönliche Ansprache und kleine Geschenke mehr bewirken als blinde Plakatierung und zweitens, dass Studenten nicht völlig blöd sind und sich von kostenlosem Alkohol und dummem Populismus (”Alles, was da drinnen [auf den Plakaten, Anm. des Verfassers] steht ist gelogen.” Zitat Juso-Rekrutierungskommando) nicht blenden lassen. Was so im Laufe des Semesters im SP passiert, bekommen die Studierenden wohl doch irgendwie mit, und sie zahlen es bei der Wahl zurück, so meine These. Die Fachschaftenliste profitierte davon offensichtlich. Sie betonten, unpolitisch im Sinne von Parteibindungen zu sein, sie warben mit Zahlen aus dem Finanzprüfungsaussschuss, was kompetent wirkte, und waren damit erfolgreich. Deswegen wieder meinen Glückwunsch.
Äußerst interessant war in den letzten Tagen auch das Verhalten des AStA beziehungsweise der “Öffentlichkeitsorgane”, namentlich Presse- und IT-Referat. Die Ergebnisse der Senatswahlen unterschlug man völlig. In der Campus Delicti wurde eigentlich gar nicht über die Wahlen berichtet, höchstens über Termine oder über die angeblichen Lügen, die über den aktuellen AStA-Vorstand verbreitet wurden. Den Listen die Möglichkeit zu geben, sich ganz demokratisch vorzustellen, dass ist wohl zu viel Meinungsfreiheit für die Campus. Und auch bei der SP-Wahl waren die Fachschaftenliste und die Piraten (wo man trotzig nochmal mit einer recht infantilen Nazikeule rumschwingt) mit der Bekanntgabe des Ergebnisses schneller als der AStA. Sogar im Forum des Sozialwissenschaftlichen Instituts standen die Ergebnisse, bevor sie auf der AStA-Homepage auftauchten. Studierenden, die sich für Hochschulpolitik interessieren, wird es so nicht gerade einfacher gemacht sich schnell und vernünftig zu informieren. Man könnte jetzt natürlich ganz boshaft vermuten, dass das Unterschlagen der Senatswahlergebnisse und die mangelhafte Berichterstattung in der Campus die herannahende Niederlage von Jusos und LHG irgendwie aufhalten sollten. Wenn keiner merkt, dass diese beiden Listen bei den Senats- und Gremienwahlen übel auf die Schnauze geflogen sind und wenn die anderen Listen keinen zusätzlichen Raum für ihre Wahlwerbung kriegen, dann hätte man ja vielleicht das Ruder in der Wahlwoche nochmal mit Freibier und Megaphoneinsatz rumreißen können. Aber das wären jetzt natürlich sehr sehr bösartige Unterstellungen, von denen ich mich hiermit ausdrücklich distanziere.





