Archiv für die Kategorie ‘Studium’

Democralypse Now - Final Resolution

Juni 29, 2008

Endlich ist es vorbei. Am Freitag ging die diesjährige SP-Wahl zuende. Hoffentlich verschwinden nun endlich die ätzenden Plakate und kehrt der tristgraue Unialtag wieder ein. Dann brauch ich mich nicht mehr so sehr aufzuregen. Übrigens war ich da mit Sicherheit nicht der einzige. In der Campus Delicti war vorige Woche ein sehr schöner Leserbrief, Artikel, der sich auch gegen die Plakatierungswut ausprach (S. 7), aber wohl doch nicht so wasserfest ist (siehe Kommentare). Meine Hoffnung, dass die Listen sich da nächstes Jahr noch dran erinnern, ist allerdings äußerst gering.

Seit gestern Abend finden sich auch endlich die (vorläufigen) Endergebnisse der Wahl auf der Homepage des AStA. Auch bei dieser Wahl hat die Fachschaftenliste recht eindeutig gewonnen (von 3 auf 6 Sitze im SP). Jusos (von 4 auf 3) und LHG (von 5 auf 3) verlieren Sitze und auch der MSB büßt einen Parlamentarier ein (jetzt noch 1). Dafür gibt es einen Sitz mehr für die Grünen (jetzt 2). Piraten und RCDS bleiben bei je einem Sitz. Die Koalitionsbildung wird jetzt sicher interessant, ich bin mal gespannt.

Aber was für ein Fazit kann man jetzt aus der Wahl ziehen? Nun, zunächst war die Wahlbeteiligung mit 15,43% zwar wesentlich höher als in der Vorwoche bei den Senatswahlen. Gigantisch ist das aber immer noch nicht. Ich finde gerade keine Zahlen aus dem Vorjahr, habe aber gehört, dieses Jahr sei die Beteiligung noch geringer gewesen, und das trotz Plakatierungswut. Weiter haben Jusos und LHG trotz massiver Plakatierung und aggressiver und alkohollastiger Außenwerbung Stimmen eingebüßt. Die Grünen haben nur recht wenig plakatiert, dafür aber frisches Obst auf dem Campus verteilt. Daraus schließe ich einerseits, dass persönliche Ansprache und kleine Geschenke mehr bewirken als blinde Plakatierung und zweitens, dass Studenten nicht völlig blöd sind und sich von kostenlosem Alkohol und dummem Populismus (”Alles, was da drinnen [auf den Plakaten, Anm. des Verfassers] steht ist gelogen.” Zitat Juso-Rekrutierungskommando) nicht blenden lassen. Was so im Laufe des Semesters im SP passiert, bekommen die Studierenden wohl doch irgendwie mit, und sie zahlen es bei der Wahl zurück, so meine These. Die Fachschaftenliste profitierte davon offensichtlich. Sie betonten, unpolitisch im Sinne von Parteibindungen zu sein, sie warben mit Zahlen aus dem Finanzprüfungsaussschuss, was kompetent wirkte, und waren damit erfolgreich. Deswegen wieder meinen Glückwunsch.

Äußerst interessant war in den letzten Tagen auch das Verhalten des AStA beziehungsweise der “Öffentlichkeitsorgane”, namentlich Presse- und IT-Referat. Die Ergebnisse der Senatswahlen unterschlug man völlig. In der Campus Delicti wurde eigentlich gar nicht über die Wahlen berichtet, höchstens über Termine oder über die angeblichen Lügen, die über den aktuellen AStA-Vorstand verbreitet wurden. Den Listen die Möglichkeit zu geben, sich ganz demokratisch vorzustellen, dass ist wohl zu viel Meinungsfreiheit für die Campus. Und auch bei der SP-Wahl waren die Fachschaftenliste und die Piraten (wo man trotzig nochmal mit einer recht infantilen Nazikeule rumschwingt) mit der Bekanntgabe des Ergebnisses schneller als der AStA. Sogar im Forum des Sozialwissenschaftlichen Instituts standen die Ergebnisse, bevor sie auf der AStA-Homepage auftauchten. Studierenden, die sich für Hochschulpolitik interessieren, wird es so nicht gerade einfacher gemacht sich schnell und vernünftig zu informieren. Man könnte jetzt natürlich ganz boshaft vermuten, dass das Unterschlagen der Senatswahlergebnisse und die mangelhafte Berichterstattung in der Campus die herannahende Niederlage von Jusos und LHG irgendwie aufhalten sollten. Wenn keiner merkt, dass diese beiden Listen bei den Senats- und Gremienwahlen übel auf die Schnauze geflogen sind und wenn die anderen Listen keinen zusätzlichen Raum für ihre Wahlwerbung kriegen, dann hätte man ja vielleicht das Ruder in der Wahlwoche nochmal mit Freibier und Megaphoneinsatz rumreißen können. Aber das wären jetzt natürlich sehr sehr bösartige Unterstellungen, von denen ich mich hiermit ausdrücklich distanziere.

Gotta catch ‘em all!

Juni 24, 2008

Hochkonjunktur haben Sammelkartenspiele (Trading Card Games, TCGs) normalerweise in Schulen. Horden von Fünft- bis Zehnklasslern sammeln und tauschen die bunten Karten und fechten mit ihnen heiße Kämpfe nach mehr oder minder komplexen Regeln aus. Welches Kartenspiel gesammelt und gespielt wird, hängt von aktuellen Trends ab. Erst war es Magic - The Gathering, dann Pokémon, zuletzt Yu-Gi-Oh!, die Palette ist groß.

Nun erobert ein neues Spiel die Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf: die Liberalomons sind los!

Anfang der Woche tauchten sie auf, und schon ging die Sammlerei und Tauscherei los. Angeheizt wird das Fieber durch die starke Limitierung des Spiels. Drei Karten sind bisher erst gesichtet worden: Gaios, Marc André und Rainer. Es sind auch Fälschungen mit anderen Charakteren im Umlauf, diese sind aber leicht an ihrer Größe und der minderen Papierqualität zu erkennen.

Besonders begehrt ist Rainer. Dieser Charakter hat zwar nur “Listenplatz 7″, aber er verfügt durch seine längere Mitwirkung im AStA-Vorstand über mehr Erfahrungspunkte und einen höheren Level als Gaios oder Marc-André. Zudem vermuten Experten, dass Rainer über besondere Spezialfertigkeiten verfügen könnte.

Blöderweise habe ich den Rainer, den ich gestern gefunden habe, wieder weggegeben. Hätte ich vorher gewusst, wie wertvoll die Karte werden könnte, hätte ich diesen Fehler natürlich vermieden. Ich biete deswegen 3 Gaios für einen Rainer.

Angebote gerne im Kommentarbereich oder per Ansprechen in der Uni. Wer noch weitere Charaktere entdeckt, auch an diesen besteht Interesse meinerseits!

(Ich bitte, die miese Fotoqualität zu entschuldigen. Meine Digitalkamera ist alt und billig. Zum Geburtstag gibt’s ne neue, die dann hoffentlich bessere Qualität liefert.)

Nachtrag 25.06.08: Ich habe heute einen Rainer geschenkt bekommen. Damit ist meine Sammlung endlich vollständig!

Democralypse Now (III)

Juni 21, 2008

Nächste Woche finden die Wahlen für’s Studierendenparlament statt, diese Woche wurden die studentischen Mitglieder des Senats, der Fakultätsräte, der Wahlfrauenversammlung und der Vorstände der wissenschaftlichen Einrichtungen gewählt. Die Wahlbeteiligung ist unglaublich. Aber im negativen Sinne. 15.376 Wahlberechtigte für die Senatswahl gab es, gewählt haben 776 (davon 53 ungültige Stimmen). Macht eine Wahlbeteiligung von 5,05%. Ähnlich sieht es bei den anderen Wahlen aus, den höchsten Wert erreicht die Fakultätsratswahl der Medizinischen Fakultät mit 7,12% bei 2.808 Wahlberechtigten (die Vorstandswahlen zählen nicht, da gab’s ja jeweils nur eine Handvoll Wahlberechtigte), den niedrigsten Wert gab es beim Fakultätsrat der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit 3,24% bei 925 Wahlberechtigten (da haben nur 30 Leute abgestimmt!). Ich finde das einfach nur peinlich.

Aber nun gut. Glückwunsch jedenfalls an die Fachschaftenliste, die (unter anderem) 3 der 4 studentischen Sitze im Senat ergattert hat. Auf der Homepage des AStA ist von den Ergebnissen noch nichts zu lesen. Sie sind aber auch erst seit gestern verfügbar. Und es scheint zudem ja nicht so zu sein, dass Wahlen die Studierenden sonderlich interessieren. Kein Grund zur Hektik also beim AStA.

Democralypse Now (II)

Juni 19, 2008

Ich habe mich ja über die Wahlkampfführung der politischen Listen an der HHU aufgeregt. Da ich merkte, dass ich mit meinem Ärger und meiner Verständnislosigkeit nicht alleine bin, habe ich einen Leserbrief an die Campus Delicti geschickt. Dieser ist dann auch heute abgedruckt worden.

Wider die optische Überforderung

5 Argumente gegen die Wahlplakatierungswut der Hochschulpolitischen Listen:

1. Die massive Plakatierung in Fluren, Cafeten und Treppenhäusern führt dazu, dass die Botschaften auf den Wahlplakaten aufgrund der reinen Masse kaum noch wahrgenommen werden. Vereinzelte, interessant gestaltete Plakate würden ins Auge springen, der aktuelle Zustand überfordert das Sehorgan und ruft Kopfschmerzen hervor.

2. Nicht nur achtet man als Vorübergehender nicht mehr auf die Botschaften der Wahlplakate, auch die übrigen Informationsplakate verlieren sich in der bunten Papierflut. Was auf Wahlkampf, was auf Party und was auf sonstige Veranstaltungen hinweist, ist kaum noch nachzuvollziehen.

3. Das ästhetische Gesamtkonzept der Universität wird durch die rot-blau-orange-grüne Plakatierung völlig zunichte gemacht. Die stilvolle Schlichtheit, das architektonische Konzept „Rheinländische Depression“ erhält durch die aktuelle Farbenvielfalt einen herben Schlag.

4. Immer wieder wird in Betrieben, Schulen, Universitäten, Behörden etc. dazu aufgerufen, auf den Papierverbrauch zu achten. Die Papiermassen, die normalerweise an die Uniwände gepappt werden, sind schon schlimm genug. Die Listen mit ihren Wahlkämpfen toppen das aber noch einmal locker.

5. Die Art des Wahlkampfes wirkt lächerlich und albern. Unmengen von bunten Blättern, platte Botschaften und „negative campaigning“ lassen die Hochschulpolitik wie eine Kindergartenveranstaltung wirken. Dadurch schüren die politischen Listen die HoPolitikverdrossenheit nur weiter.

Also liebe Listenpolitiker, bedenkt doch bitte bei der nächsten Wahl: Viel hilft nicht immer viel, und weniger ist manchmal mehr.

Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Henn

Na gut, abgedruckt wurde der Brief auf Seite 15 unter “Ankündigungen”, umgeben von Partywerbung und er wurde nicht (wie sonst üblich) mit Leserbrief überschrieben. Aber da vermute ich keine Absicht hinter, da die Campus erst kürzlich komplett neue Layouter bekommen hat, wirkt sie zur Zeit noch manchmal etwas unsortiert.

Ich habe mich diese Woche auch mit Listenmitgliedern von Jusos und Fachschaftenliste über das Thema unterhalten. Dabei ergaben sich einige interessante Punkte: (more…)

Democralypse Now

Juni 12, 2008

Es tobt seit kurzem ein Kampf an der Heinrich-Heine-Universität zu Düsseldorf. Ein Wahlkampf. Vom 23.06. bis 27.06. dürfen wir Studierenden das 17köpfige Studierendenparlament (SP) neu wählen. Letzte Woche tauchten die ersten Wahlplakate auf, seit Anfang dieser Woche nun sind die Wände der HHU mit Wahlplakaten der drei stärksten politischen Hochschullisten, Jusos, LHG und Fachschaftenliste, gepflastert. Von knallbunten Plakaten schreien dem unbedarften Passanten optisch mehr oder weniger freundliche Gesichter und mehr oder weniger sinnfreie und/oder lustige Wahlslogans entgegen. Schon jetzt, wo nur drei Listen ihre Plakate verteilt haben, produzieren diese einen absoluten Augen-Overkill. Besonders die Farbgebung verursacht fast schon Schmerzen. Die politischen Botschaften … nun, wenn es welche gäbe, sie würden kaum wahrgenommen. Wie soll dass erst werden, wenn noch MSB, Piraten, Grüne und RCDS (ob die in Düsseldorf auch mit Beschneidungen der Grundrechte werben?) dazu kommen? Da müssen dann wohl alle wie der Piraten-Parlamentarier arbeiten und Plakate der Konkurrenz abreißen (Die Geschichte ist amüsant und sagt eine Menge über die hochschulpolitische Kultur aus, die an der HHU herrscht. Zwei Seiten der gleichen Geschichte sind auf der Homepage der Piraten und auf Seite 2 der Campus Delicti vom 05.06.08 nachzulesen. Und, ehrlich gesagt, für mich sind beide Positionen beschämend.), sonst wird kaum ein freies Fleckchen zu finden sein. Ein Kommilitone meinte übrigens heute auf meinen Hinweis bezüglich der Plakate: “Ach, das ist mir gar nicht aufgefallen bis du’s gesagt hast.” Womit bestätigt wäre: Was das Gehirn überfordert, das blendet es einfach aus.

Eigentlich könnte man sich über die Farbenfrohheit ja freuen, die das Grau und Braun des Unialltags kurzfristig auflockert. Wenn man dann allerdings an die Kosten denkt, die durch diese Plakataktion entstehen. Und das Papier, das verbraucht wird. Und das für Botschaften, die die Studierenden scheinbar kaum wahrnehmen. Die weißen Plakate mit buntem Rand gehören übrigens nicht direkt zum Wahlkampf. Sie machen Werbung für die AStA-Homepage. Wenn ich das auf der letzten SP-Sitzung richtig verstanden habe, dann hat diese Werbemaßnahme für eine Homepage, die mir bisher eher als unaktuell, unübersichtlich und unvollständig aufgefallen ist, 300€ gekostet. Und fairerweise sollte noch erwähnt werden, dass auf den Fotos nicht nur Wahlplakate, sondern auch der normale Partywahnsinn zu sehen ist. Das verstärkt den Effekt des visuellen Hirnficks jedoch nur. Aber das nur am Rande.

Ein Vorschlag, der uns die optische Freude erhält und die Papierkosten senkt: Warum malen die Listen ihre Plakate nicht mit Farbe an die Wand? Man hätte dauerhaft ein schön buntes Erscheinungsbild der Flure und müsste nur alle paar Jahre mal die Farbe auffrischen. Die Slogans und Plattitüden sind doch eh immer die gleichen, und wenn die Gesichter auf einmal andere sind, dann fällt das auch niemandem auf. Sollte dieser Vorschlag nicht auf Gegenliebe stoßen, dann mögen die Listen dies berücksichtigen: Viel hilft nicht immer viel, und weniger ist manchmal mehr.

(Die Überschrift habe ich beim wunderbaren Stephen Colbert geklaut, der in seiner Show Beiträge zum Vorwahlkampf der Demokraten seit einiger Zeit so betitelte. Der entsprechende Trailer, hier erstmals vorgestellt, ist einfach herrlich, wie auch die ganze Show des ehemaligen John Stewart-Mitarbeiters. So lustig kann Politik sein.)

Nachtrag: In der math.-nat.-Fak. sieht es übrigens noch schlimmer aus als in der phil.-Fak., wo ich die Fotos gemacht habe. Hatte aber gerade keine Lust, noch mehr Bilder zu schießen. Und die Grüne Liste hat mittlerweile auch plakatiert, wodurch das Farbspektrum nochmal erweitert wurde.

Der Streit um das Lesetagebuch

Juni 4, 2008

Heute fand ein Bachelor-Forum unseres Studienganges statt, also eine Diskussionsveranstaltung mit Dozierenden und Studierenden des Studienganges BA SoWi zum Austausch von (unter anderem und vor allem) Kritik. Hauptstreitpunkt war das leidige Thema “Reading Diary” (RD). Zur Erklärung: zum Erwerb eines Beteiligungsnachweises (BN aka “Schein”, muss für jeden in der Studienordnung vorgeschriebenen Kurs erworben werden) müssen in einigen Veranstaltungen RDs angefertigt werden. Dazu muss ein Text gelesen und auf 1 bis 2 Seiten zusammengefasst werden. Die Anzahl der RDs reicht von 4 bis 10 pro Semester (bei etwa 12 thematischen Sitzungen), je nach Kurs. Studierende in meinem, dem zweiten, Semester müssen für mindestens drei Veranstaltungen solche RDs einreichen. Begründet wird diese Regelung auf unterschiedliche Arten:

  1. Studierende lesen zu wenig und müssen zu ihrem eigenen Besten dazu gebracht werden, beispielsweise um später bessere Hausarbeiten schreiben zu können.
  2. Die Qualität der Sitzungen leidet, wenn die meisten Teilnehmer die Texte nicht gelesen haben.
  3. Das Zusammenfassen wissenschaftlicher Texte ist eine wichtige Fähigkeit, die trainiert werden muss (siehe 1).

So weit, so gut, die Begründungen sind durchaus nachvollziehbar. Was mich und viele meiner Kommilitonen an dieser Methode stört, ist die Einschränkung unserer Freiheit, die wir doch solche Maßnahmen erleben. Auch wenn dies von Dozierendenseite vehement verneint wurde: die RDs sind durchaus mit Hausaufgaben in der Schule vergleichbar. Dies passt auch insoweit, dass das ganze Studium durch die Reformen des Bologna-Prozesses “verschult” wurde. Das ist nicht die Schuld und Verantwortung unserer Dozenten. Sie gehen mit der Vergabe solcher Aufgaben jedoch immer weitere Schritte in Richtung “Schule Universität”.

Viel wichtiger als Kritik am System Bachelor/Master ist für mich jedoch der folgende Punkt: die Reading Diaries demotivieren uns Studierende. Wenn man jede Woche, zum Teil mehrfach, gezwungen wird, einen Text zu lesen und zusammenzufassen, dann lässt nach wenigen Wochen die Motivation merklich nach. Man überfliegt die Texte nur noch, sucht in ihnen nach Kapitelzusammenfassungen und kopiert sich lieblos eine Zusammenfassung zusammen. Dies fördert in keinster Weise die Beteiligung in der Veranstaltung (wenn die Dozierenden dies auch behaupten, aber das müssen dann Kurse sein, an denen ich nicht teilnehme), Wortmeldungen kommen nach wie vor nur von wenigen Teilnehmern. Es bringt mich auch persönlich nicht weiter. Sinnvoller wäre meiner Meinung, und die trug ich auch vor, eine freier gestaltete Regelung. Beispielsweise könnte man vorgeben, dass im Laufe des Semesters zu 4-5 Sitzungen RDs eingereicht werden müssen, den Studierenden aber die Wahl lassen, zu welchen sie dies machen. Man könnte sich dann Themen, die einen besonders interessieren, und Termine, die am besten passen, raussuchen und würde sicherlich motivierter arbeiten und bessere Ergebnisse abliefern. Abgewiesen wurde dieser Vorschlag mit der Begründung, dann würde ja zu den anderen Sitzungen keiner mehr die Texte lesen. (more…)

Christdemokrat redet in Zungen

Mai 23, 2008

Gottfried Ludewig, Bundesvorsitzender des der CDU nahestehenden “Ring Christlich-Demokratischer Studenten” (RCDS), hat einen interessanten Vorschlag unterbreitet. Per Mail verschickte er ein Thesenpapier mit dem Titel “Drei Thesen zur Stärkung der Leistungsträger” an sämtliche CDU-Vereinigungen, so melden verschiedene Medien. Dort hieße es:

Diejenigen, die den deutschen Wohlfahrtsstaat finanzieren und stützen, müssen in diesem Land wieder mehr Einfluss bekommen. Die Lösung könnte ein doppeltes Wahl- und Stimmrecht sein. [...] Dass das Bundesverfassungsgericht ein doppeltes Wahlrecht vermutlich nicht zulassen würde, ist eine andere Frage.

Mit “Hartz IV-Beziehern und Rentnern” alleine, so Ludewig, sei ein sozialer Ausgleich nicht zu schaffen.

Eigentlich ist dieser Vorschlag, der als Diskussionsanregung gedacht sein soll, so absurd, dass man ihn völlig mit Nichtbeachtung strafen müsste. Aber wenn sowas einmal unterwegs ist, dann kann man sich ja an den Schimpftiraden ruhig beteiligen. Immerhin hat Ludewig selber erkannt, dass seine Idee nicht so ganz zu unserer Verfassung passt. Ohne groß zu suchen fallen mir schonmal zwei Grundgesetzartikel ein, gegen die der Vorschlag bei Umsetzung verstoßen würde: Art. 3 I GG (Gleichberechtigung) und Art. 38 I (Wahlrechtsgrundsätze). Wahlen haben in Deutschland nunmal “allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim” zu sein. Die beiden markierten Begriffe verbieten eine Gewichtung von Stimmen oder den Ausschluss einzelner Staatsbürger von der Wahl. Zu der Dummheit der Anregung kommt noch die durch sie offenbarte unheimliche Arroganz des Herrn Ludewig. Offensichtlich hält er sich (ich unterstelle einfach mal, dass er sich selber zur Elite zählt) für einen besseren, wertvolleren Bürger. Mit Verlaub, aber ich könnte kotzen wenn ich sowas höre oder lese.

Irgendwie wundert es mich allerdings nicht, dass solch ein Vorschlag von einer Gruppierung wie dem RCDS kommt. Die Düsseldorfer Gruppe des Verbandes, die an meiner Uni einen Sitz im Studierendenparlament besetzt, fiel mir schon im letzten Herbst bei den Gremienwahlen negativ mit ihrer Forderung nach der Verlängerung einer U-Bahnlinie bis zur Uni auf (das solche Verlängerungen fast kostenfreie Maßnahmen sind und das Geld dort bestens angelegt ist, kann man ja beispielsweise in Köln sehen). Ich hab mich dann jetzt mal ein wenig auf ihrer Homepage umgeguckt und dabei die “Politischen Leitlinien des RCDS Nordrhein-Westfalen” gefunden. Dort heißt es unter anderem:

Als bedürftige Menschen sind alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt. [...] Menschenwürde kommt dem Menschen von Anfang an zu, ohne dass er etwas dafür tun muss. [...] Der Programmatik des RCDS liegt ein Menschenbild zugrunde, das von der unveräußerlichen Würde, der Gleichwertigkeit, Verschiedenartigkeit und Unvollkommenheit des Menschen ausgeht. [...] Dem christlichen Menschenbild wird in einer offenen und solidarischen Gesellschaft am ehesten Rechnung getragen. Diese Gesellschaft orientiert sich an den Grundwerten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. [...] Freiheit und Gleichheit stehen in einer komplementären Beziehung zueinander. Würde und Gleichwertigkeit aller Menschen konkretisieren unseren Begriff von Gleichheit. [...] Die Gleichheit der Menschen fordert Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Handlungsweisen und Lebensgestaltungen. [...] Solidarität ist die Grundlage des Handelns zur Aufhebung der Entfremdung. Das Ziel der Solidarität ist das umfassende Wohl des Menschen in der Gesellschaft. Als Bindekraft entsteht sie dort, wo gemeinsame Herausforderungen angegangen werden.

Das sind nur ein paar Punkte, die mir ins Auge fielen. Aber vielleicht sollte sich der Bundesvorsitzende mal die eigenen Leitlinien durchlesen. Oder gelten die NRW-Leitlinien auf Bundesebene nicht? Denkbar wäre auch, dass der RCDS den Begriff “Gleichheit” im orwell’schen Sinne versteht: Alle Menschen sind gleich, aber die Leistungsträger der Gesellschaft sind gleicher.

Das Böse - revisited (2)

Mai 17, 2008

Wie ich vermutete, wurde in der gestrigen Galileo Mystery-Ausgabe “Das Böse - steckt der Teufel in jedem von uns?” das berühmte Experiment von Stanley Milgram aus den 60ern dargestellt. Dabei wurde mit keinem Wort erwähnt, dass dieses Experiment von Milgram stammt. Es wurde vielmehr durch Formulierungen wie “unser Experiment” suggeriert, die Galileo-”Experten” hätten sich den ganzen Versuch selber ausgedacht. Dabei entsprach die Umsetzung wirklich 1:1 dem Original: angefangen von der Probandensuche via Zeitungsanzeige, der Versuchsanordnung, dem Aussehen der Geräte, den Kommentaren des Versuchsleiters usw. Dabei zeigte man die Durchführung des Experiments mit zwei Probanden (welch repräsentative Stichprobe): “Markus” und “Elisabeth”. “Markus” offenbarte das Böse in sich, indem er der angeblichen Testperson - wie im Milgramversuch ein Schauspieler - bei falschen Antworten auf die Testfragen Stromstöße steigender Stärke verpasste, ohne sich von den Schmerzschreien abhalten zu lassen. Dabei zeigte “Markus” eine Kaltblütigkeit, wie sie Milgram bei keinem seiner Kandidanten feststellte. Er fragte kein mal, ob er weitermachen sollte, lachte nicht, zuckte bei den Schreien nicht zusammen. Das lässt natürlich vermuten, dass es sich auch bei “Markus” um einen Schauspieler handelte. Entsprechend war Probandin “Elisabeth” am Ende der Sendung das Positivbeispiel und brach den Versuch nach einiger Zeit ab, was den wunderbaren Schluss “Das Böse steckt in jedem von uns - aber eben auch das Gute.” zuließ. Die Annahme, dass es sich bei den Versuchspersonen um Schauspieler handelte, ist auch deswegen plausibel, weil eine tatsächliche Durchführung des Experiments heutzutage kaum noch ethisch vertretbar wäre. Wenn es sich bei dem Versuchsleiter wirklich um einen Psychologen gehandelt haben sollte, würde es mich sehr wundern, wenn dieser die Durchführung begleitet hätte.

Es bleiben also zwei mögliche Deutungen: entweder Pro7 lügt die Zuschauer an, indem man suggeriert, ein Experiment durchzuführen, es aber in Wahrheit nur nachspielt (von der Nichterwähnung Milgrams mal ganz abgesehen). Oder Pro7 führt ethisch nicht vertretbare Experimente für eine Unterhaltungssendung durch. Und das bei immerhin 1,03 Millionen Zuschauern und einem 13%-Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe (14-49jährige Zuschauer).

Das Böse - revisited

Mai 15, 2008

Galileo Mystery ist ja bekannt für absurde Themen und Enthüllungen, die so albern präsentiert werden, dass die Switch-Satire auf die Sendung sich kaum vom Original unterscheidet. Morgen enthüllt Möchtegern-Mulder Aiman Abdallah scheinbar wieder unglaubliches:

Das Böse – steckt der Teufel in jedem von uns?

Warum begehen scheinbar friedliebende Menschen plötzlich ein Verbrechen? Wie ist es möglich, dass ganz normale Familienväter andere Menschen foltern und Spaß an deren Leiden empfinden? Galileo Mystery begibt sich auf die Suche nach der Ursache des Bösen.

Aiman Abdallah spricht dazu mit einem Mann, der die Erforschung des Bösen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat: der Psychologe Prof. Philip Zimbardo von der Stanford-Universität in Kalifornien. Sein Experiment zum Bösen aus dem Jahre 1971 schrieb Wissenschaftsgeschichte und wurde mehrmals verfilmt: Im Stanford-Prison-Experiment stellte Zimbardo die Situation in einem Gefängnis mit Studenten nach. Aber innerhalb weniger Tage geriet die Situation vollkommen außer Kontrolle.

Die Studenten, die die Gefängniswärter spielen sollen, verwandelten sich in brutale Sadisten. Zimbardo musste das Experiment abbrechen. Seitdem ist er sich sicher: Es braucht nur die geeignete Situation und das Böse bricht aus. Diese These wird Galileo Mystery in einem eigenen Experiment überprüfen. Testpersonen sollen andere Menschen bestrafen – mit Stromstößen. Stromstöße, die tödlich sein können.

Das Ergebnis des Experiments ist erschreckend: Es zeigt: Das Böse – es steckt in fast jedem von uns.

Den Trailer zur Sendung sah ich eben im Fernsehen. Und das “eigene Experiment” von Pro7 kam mir schon in diesen wenigen Einstellungen bekannt vor. Vor allem, da ich einen Film über dieses Experiment heute in einer Vorlesung sah. Einen Film aus den 70er Jahren. Das Pro7-Experiment wurde nämlich erstmals 1962 in den USA von dem Psychologen Stanley Milgram durchgeführt, und ist deshalb auch als Milgram-Experiment bekannt. Die Ergebnisse von Milgrams Versuch sind bekannt und sicher erschreckend. Sie sagen aber nicht, dass “das Böse in fast jedem von uns steckt”. Sie belegen nur, dass Menschen den Anweisungen einer Autoritätsperson folgen, auch wenn das gegen ihre persönliche Einstellung verstößt. Milgram testete noch einige Änderungen in der Versuchsanwendung, später wurde das Experiment jedoch nicht mehr durchgeführt. Es wurde im Zuge einer langwierigen Ethikdebatte in der Wissenschaft ausführlich diskutiert (wie auch Zimbardos Gefängnis-Experiment). Mittlerweile verfügen die meisten Wissenschaftsvereinigungen über Kataloge mit forschungsethischen Regeln, die solche Experimente zwar nicht explizit verbieten, ihnen aber sehr kritisch gegenüberstehen (siehe den Ethik Kodex der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, DGS).

Ich vermute wegen der Bilder zur Sendung, dass Pro7 das Experiment nicht wirklich neu durchgeführt, sondern einfach nachgespielt hat. Warum Milgram nicht als Urheber genannt wird, weiß ich nicht. Vielleicht bekam man keine entsprechende Genehmigung zur Nutzung von Material und Namen (Milgram selber starb 1984). Philip Zimbardo stand aber offensichtlich zur Verfügung. Ich verstehe nur nicht, warum er auch noch in der Sendung auftritt. Ich wäre mir dafür an seiner Stelle ja zu schade.

Vielleicht werde ich mir die Sendung morgen mal angucken. Und vielleicht tue ich Pro7 ja auch unrecht, und sie erwähnen Milgram in der Sendung. Ich vermute aber eher, dass sie es nicht tun werden.

Transparenz wird völlig überbewertet

April 10, 2008

Heute berichtet die campus delicti, das “Wochenmagazin des AStA”, über die Sitzung des Studierendenparlaments (SP), in der die bisherige Koalition per konstruktivem Misstrauensvotum aufgehoben wurde. Wer schon davon gehört hatte, für den ergab sich aus dem Artikel selbst nicht viel neues, lediglich die Vorwürfe bezüglich der Verringerung der Kassenrücklagen werden entkräftigt. Alle (vor allem finanzielle Dinge betreffenden) Vorwürfe werden in einem weiteren Artikel zurückgewiesen, und das recht glaubhaft, auch wenn man die private Telefonnutzung des AStA-Vorsitzenden Matheisen trotz zugesicherter Rückzahlung sicher nicht gutheißen braucht. Aber im Interview bezeichnet er dies immerhin als “Fehler, weil dadurch ein falscher Eindruck entstanden ist”.

Äußerst geärgert habe ich mich jedoch über einen Abschnitt im Bericht zur SP-Sitzung. Dort heißt es bei der Begründung zum Misstrauensvotum unter anderem:

“Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wieviel an Dingen innerhalb der Studierendenschaft diskutiert werden sollte”, sagte Rainer Matheisen. Auch habe die FSL [Fachschaftenliste, Anm. von mir] ständig “Verfahren evaluieren” wollen, monierte der AStA-Vorsitzende, und ein früheres Erstellen und Aushängen der Protokolle der SP-Sitzungen gefordert. Das seien Dinge, die die Studierenden nicht interessierten und auch nicht von Relevanz seien. “Transparenz wird nicht allein erreicht dadurch, dass Protokolle ausgehangen werden”, meinte Philipp Tacer.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals danach gefragt worden zu sein, ob mich interessiert, was die gewählte Studierendenvertretung so veranstaltet (nur fürs Protokoll - auch ohne Aushang - es interessiert mich). Selbiges gilt für die Relevanz. Woher weiß der Vorstand so genau, was die Studierenden interessiert und was von ihnen für relevant gehalten wird? Wird dieser Schluss aufgrund der Tatsache gezogen, dass die Wahlbeteiligung so peinlich gering ist? Für mich ergibt sich da doch eher die Frage: macht mangelndes Interesse Transparenz unnötig, weil die Sachverhalte eh niemanden interessieren? Oder führt erst die mangelnde Transparenz zu fehlendem Interesse? Nach außen scheint mir der AStA nur durch die Erstsemestereinführung aufzufallen. Ansonsten brillieren die “Hochschulpolitiker” höchstens durch hochalberne Wahlkämpfe. Die wirklich guten Angebote wie der Hochschulsport und die Arbeit der einzelnen Referate werden meiner Beobachtung nach kaum mit dem AStA als gewählte Studierendenvertretung in Verbindung gebracht, sondern einfach als “vorhanden” wahr- und angenommen. Warum soll ich jemanden wählen, der mir vielleicht einmal im Semester bei einer lachhaft schlecht besuchten “Vollversammlung” was vom Pferd erzählt und sonst vor allem dadurch auffällt, dass er mir von albernen, bunten Wahlplakaten entgegenlächelt?

Übrigens: sicher hat Tacer recht, Protokolle aushängen reicht nicht. Aber was macht der AStA denn noch um Transparenz herzustellen? Einen Artikel in der campus delicti zu den Ereignissen veröffentlichen. Das allerdings knapp einen Monat nach der entsprechenden SP-Sitzung, was wegen der Semesterferien wohl nicht anders ging. Aber warum steht heute noch immer kein Wort von der ganzen Geschichte auf der Homepage des AStA? Ist das denn so schwer? Da gibt es diese wunderbare Möglichkeit, Transparenz zeitnah herzustellen, ohne jene zu belästigen, die nichts von Transparenz halten, und sie wird einfach nicht genutzt.

Nachtrag 16.04.08: Ich habe mich nach langem hin- und herüberlegen entschieden, eine abgespeckte und leicht veränderte Version dieses Artikels als Leserbrief an die campus delicti zu senden. Bin mal gespannt. Den Leserbrief gibt es als PDF unter diesem Link. Die letztwöchige campus delicti ist jetzt übrigens online als PDF abrufbar (Link). Außer in der Zeitung steht aber immer noch nicht viel über die Misstrauensvotumsgeschichte auf der Homepage. Immerhin ist die Vorstandsseite aktualisiert. Nur für ein neues Foto hat die Zeit wohl noch nicht gereicht, deswegen gibt es momentan keins.

Nachtrag 17.04.08: In der heutigen campus delicti wurde mein Leserbrief abgedruckt. Ebenso ein zweiter Leserbrief,  zu dem es viel zu sagen gibt. Eventuell gibt’s zum Thema bald einen neuen Eintrag.